Schrift:
Ansicht Home:
Reise

New Yorker Spaziermeile

High Line eröffnet neuen Abschnitt

An sonnigen Tagen herrscht über den Straßen New Yorks fast Spaziergängerstau. Nun bekommt die beliebte High Line auf einer ehemaligen Hochbahntrasse in Manhattan einen neuen Abzweiger.

Christina Horsten/ DPA
Montag, 03.06.2019   10:50 Uhr

2009 eröffnete der südliche Teil der High Line als Park, 2014 kam der nördliche hinzu, am Mittwoch kommt nun auch der kleine Abstecher über der 10th Avenue dazu. "The Spur" wird Teil der High Line, die mittlerweile zu den beliebtesten Touristenattraktionen der Stadt gehört. Mehr als sieben Millionen Menschen spazieren jedes Jahr über das inzwischen weltweit nachgeahmte Erfolgsprojekt - so viele, dass an sonnigen Tagen fast schon eine Art Dauerstau herrscht.

"The Spur" führt heute ins Nichts, aber das war nicht immer so. Mitte der 1930er Jahre wurde im Südwesten Manhattans eine Hochbahntrasse gebaut, damit Güterzüge ihre Ware direkt in die oberen Stockwerke der dort ansässigen Fabriken und Lagerhäuser liefern konnten. Die Trasse ist rund 2,5 Kilometer lang, meist gerade mit einer großen Kurve im Nordteil - und dem neuen Seitenabstecher etwa auf Höhe des Empire State Buildings. Gebaut wurde er einst, damit Güterzüge Briefe und Pakete in das einst angrenzende Verteilerzentrum der US-Post bringen und von dort abholen konnten.

"The Spur" soll neuen Platz bringen, zum Spazieren, Sitzen, Sehen und Gesehenwerden, für Blumen und Bäume, aber auch für Kunst: Den Auftakt macht Brick House, eine fast fünf Meter hohe Büste einer afroamerikanischen Frau, die die Künstlerin Simone Leigh angefertigt hat und die bis September dort zu sehen sein soll.

Im Video: 24h@ New York City - In der attraktivsten Stadt der Welt

Foto: SPIEGEL TV

Der Abriss war bereits beschlossene Sache

In den Achtzigerjahren war die Trasse zur Brache geworden, die Verbindung zwischen der "Spur"-Abzweigung und dem Postverteilerzentrum wurde gekappt. Immer mehr Lastwagen wurden eingesetzt. 1980 fuhr der letzte Zug über die heutige High Line - an Bord gefrorene Truthähne. Die Trasse vergammelte und mit ihr die umliegenden Viertel, geprägt von stinkender Fleischindustrie, Abfallbergen, Straßenstrich, Kriminalität und Drogen.

Dass es die High Line überhaupt gibt, ist der Beharrlichkeit von Joshua David und Robert Hammond zu verdanken. Die Nachbarn hatten sich auf einem Gemeindetreffen kennengelernt und eine Vision entwickelt: Die High Line, deren Abriss bereits beschlossene Sache war, sollte zum Park werden. Sie klagten, mobilisierten Prominente wie Schauspieler Edward Norton und Designerin Diane von Fürstenberg, sammelten Millionen - und hatten schließlich Erfolg.

Neues Nachdenken über öffentlichen Raum

Die Schienen der Trasse sind vielerorts geblieben, dazwischen blühen nun Astern, Petunien oder Goldruten, führen Wege und stehen Bänke. Und es eröffnen sich Panoramablicke wie auf das Empire State Building oder die Freiheitsstatue. Es gibt Essensstände, Führungen durch die Blumenbeete, kostenlose Sportkurse, gemeinsames Sternegucken, Konzerte und Angebote für Kinder. "Wir haben eine neue Art und Weise geschaffen, wie man in New York und überall sonst über öffentlichen Raum nachdenkt", sagt Gründer David.

Der "Spur"-Abstecher war einst mit am meisten vom Abriss bedroht. Unter anderem mit roten T-Shirts mit "Save the Spur"-Aufdruck protestierten die High-Line-Betreiber. "'The Spur' ist eine wichtige Erinnerung an das industrielle Erbe New Yorks", sagt Mitgründer Hammond. "Es gibt immer noch viel zu tun, aber das hier zeigt, was passieren kann, wenn Mitglieder einer Gemeinschaft sich zusammentun."

Christina Horsten/dpa

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP