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Reise

Roms 500-Millionen-Euro-Aufruf

Es bröckelt, bitte spenden

Touristen lieben Roms Schätze aus Stein. Doch die Monumente bröckeln, Italiens Erbe ist in Gefahr. Nun bittet die Stadt um Spenden - zum Beispiel, um Brunnen von Kot und Algen zu befreien.

Getty Images
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Mittwoch, 25.05.2016   16:22 Uhr

"Es tut immer zweimal weh, wenn auch nur das kleinste Monument verfällt", sagte Roms Übergangsbürgermeister Francesco Paolo Tronca, als er seinen Plan für die Restaurierung der historischen Schätze in Italiens Hauptstadt vorstellte. Es tue weh, weil so ein marodes Bauwerk "eine offene Wunde" sei, und es tue weh, "weil es geschlossen werden muss und damit für die Römer und die Touristen versperrt bleibt".

Zusammen mit Claudio Parisi Presicce, dem Beauftragten für das Kulturerbe in Rom, stellte sich Tronca am Dienstag auf dem Kapitol vor Journalisten hin und sagte: "Um das historische Erbe unserer Stadt zu erhalten, brauchen wir 500 Millionen Euro."

In Anbetracht der Dichte an Denkmälern, Kirchen und anderen Schätzen aus Stein, die Rom zu bieten hat, staunt man nicht über die Höhe der genannten Summe. Bemerkenswert war eher, wie offensiv der Politiker dazu aufforderte, Geld für die Restaurierung Roms zu spenden.

"Ich wünsche mir, dass unser Vorschlag um die Welt geht und ein wenig Aufsehen erregt", sagte Tronca laut der italienischen Zeitung "Il Sole 24 Ore". Es gehe ihm um "das Wohl Roms". Firmen und Bürger sollten dazu beitragen, das Forum Romanum, den Circus Maximus und andere weltberühmte Stätten zu erhalten. Das mit zwölf Milliarden Euro verschuldete Rom sieht sich selbst nicht in der Lage, für den Erhalt all seiner Kulturgüter zu sorgen.

Wünschenswert wäre eine Frischzellenkur für Italiens Hauptstadt auf jeden Fall. Unter den zu sanierenden Objekten sind unter anderem 574 archäologische Stätten, fünf historische Plätze, auch kleinere Straßen und Wege sowie 80 Brunnen. Um letztgenannte zu restaurieren, benötigt die Stadt allein mehr als zehn Millionen Euro.

Kot, Algen, Moos im Brunnen

Für die beträchtliche Brunnenverschönerungsoffensive hatte die Stadt bereits im Herbst 2015 einen umfassenden Plan im Internet veröffentlicht (nur auf Italienisch). Wer die Liste studiert, erfährt nicht nur, welche Exemplare eine Erneuerung am nötigsten haben, sondern auch viel Wissenswertes zu den einzelnen Brunnen: Baujahr, Material, historische Details, Konservierungsstatus sowie den geschätzten Kosten- und Zeitaufwand für die Restaurierung. Die Einträge und die Fotos zeigen den teilweise desolaten Zustand der Bausubstanz. Drei Beispiele.

Bei der Präsentation des Sanierungskonzepts nannte Tronca weitere Beispiele für die hohen Kosten, die anfallen, um die Kulturgüter vor dem Verfall zu bewahren: Eineinhalb Millionen Euro bräuchte es allein, um die drei kleinen Pavillons in der Villa Aldobrandini zu restaurieren, einem wunderschönen, versteckten Park mitten im Zentrum. Neben diversen größeren Projekten hat Tronca aber auch für weniger solvente Rom-Liebhaber etwas auf seiner 500-Millionen-Euro-Liste: Unkrautjäten für 300 Euro an der Trajanssäule.

Millionenspenden der Luxusmarken

Die Tageszeitung "Il Sole 24 Ore" nannte Troncas Aufruf einen "Appell an die italienischen und internationalen Dagobert Ducks". Ob sich genügend Millionäre und spendierfreudige Mäzene finden lassen, sei nach dem Korruptionsskandal in der Stadtverwaltung allerdings nicht sicher, räumte Tronca ein. Der Sizilianer verwaltet Rom seit dem Rücktritt von Ex-Bürgermeister Ignazio Marino kommissarisch.

Bei seinem Amtsantritt im November hat er sich dazu verpflichtet, die ewige Stadt vor dem Zerfall zu bewahren - kulturell, aber auch im Kampf gegen die Korruption. Die "Süddeutsche Zeitung" charakterisierte den 63-Jährigen in einem Porträt so: "Von Tronca heißt es auch, er lebe erst richtig auf, wenn rund herum alles auseinanderfalle, wenn niemand mehr an ein Gelingen glaube. In Notfällen, nach Katastrophen, bei Großereignissen."

Rom fällt zwar nicht komplett auseinander. Aber manch ein Denkmal, manch ein Museum hätte sicherlich etwas mehr Liebe - oder eine saftige Finanzspritze verdient. Bislang hatten vor allem Luxusmarken der klammen Stadt unter die Arme gegriffen. Die italienische Modefirma Fendi hatte die Restaurierung des berühmten Trevi-Brunnens finanziert. Edel-Juwelier Bulgari lässt die Spanische Treppe wieder herrichten und der Taschen- und Schuhhersteller Tod's übernimmt die Renovierung des Kolosseums.

Auf der aktuellen Wunschliste der römischen Kommunalregierung steht derzeit auch die Verschönerung der Kaiserforen, deren Illumination bereits der Konzern Unilever finanziert hat. Tronca persönlich wünscht sich vor allem, dass das Augustusmausoleum in einen Zustand versetzt wird, der den Besuch gestattet. "Ich habe es noch nie offen gesehen", sagte der Interimsbürgermeister laut dem "Corriere della Sera". "Hoffen wir mal, dass es bald so weit ist."

Die Chancen stehen nicht schlecht. Die italienische Telecom-Stiftung hat eine stattliche Summe für die Sanierung locker gemacht. Bald würden sechs Millionen Euro dafür fließen, sagte der Kulturbeauftrage Parisi Presicce am Dienstag. Vielleicht wird Tronca die Grabstätte des ersten römischen Kaisers bald etwas genauer betrachten können.

Mit Material von dpa

insgesamt 9 Beiträge
supergrobi123 25.05.2016
1. Lächerlich!
Rom besuchen rund 12 Mio Touristen im Jahr. Erst vor 2 Jahren erhöhte man die Bettensteuer, die nun - je nach Hotelkategorie - zwischen 3 und 7(!) Euro beträgt. Pro Nacht versteht sich. Wer ins Kolosseum will, zahlt regulär [...]
Rom besuchen rund 12 Mio Touristen im Jahr. Erst vor 2 Jahren erhöhte man die Bettensteuer, die nun - je nach Hotelkategorie - zwischen 3 und 7(!) Euro beträgt. Pro Nacht versteht sich. Wer ins Kolosseum will, zahlt regulär nochmal 16 Euro, Engelsburg wieder 10,50 usw. usf. Aber zur Instandhaltung der Sehenswürdigkeiten bettelt man nun weltweit um Spenden?
csapo-f 25.05.2016
2. Nicht betteln - Touristen
Vor rund 10 Jahren berichtete der SPIEGEL über den "Tourismus-Boom" in Rom: 18 Millionen Besucher (ca. 50.000 täglich)! Von 2006 bis 2016 wird sich diese rekordverdächtige Besucherzahl noch erhöht haben. [...]
Vor rund 10 Jahren berichtete der SPIEGEL über den "Tourismus-Boom" in Rom: 18 Millionen Besucher (ca. 50.000 täglich)! Von 2006 bis 2016 wird sich diese rekordverdächtige Besucherzahl noch erhöht haben. http://www.spiegel.de/reise/staedte/tourismus-boom-rom-knackt-besucherrekord-a-434997.html Wenn man das Auftreiben der Reinigungskosten etc. nicht durch "Betteln", sondern durch "Abzweigen" von den täglichen Einnahmen durch Touristen finanzieren würde, hätte die Aktion einen "professionelleren" Anstrich. So ist diese Nachricht ein jämmerliches Aushängeschild für diese wunderbare Stadt. Schließlich hinterlassen 18 Millionen Besucher im Jahr auch ordentlich Müll. Rom ist auf jeden Fall einen kleinen "Zusatzbeitrag" wert!
Toncontin 25.05.2016
3. Ist das deren Ernst?
Die Stadt quillt vor Touristen über und für jede umgekippte Säule die es anzusehen gibt, wird einem ein Heidengeld aus der Tasche gezogen. Es ist mir ein Rätsel wieso die Stadt derlei Sanierungsmaßnahmen nicht wenigstens zu [...]
Die Stadt quillt vor Touristen über und für jede umgekippte Säule die es anzusehen gibt, wird einem ein Heidengeld aus der Tasche gezogen. Es ist mir ein Rätsel wieso die Stadt derlei Sanierungsmaßnahmen nicht wenigstens zu großen Teilen aus eigener Tasche finanziert bekommt? Und gibt's da keinen, der einen EU-Förderantrag ausfüllen kann, es wird doch sonst schon jeder Mist gefördert, da kommt's auf Rom doch auch nicht mehr an.
Spiegelwahr 25.05.2016
4. Spende für wem
Ich kann es nicht glauben, da besuchen Tausende Touristen jedem Tag Rom und lassen dort riesige Beträge in der Stadt. Wer füllt sich in Rom unverschämt seine abgrundtiefen Taschen mit diesem Gelder, welche Mafia hält jetzt die [...]
Ich kann es nicht glauben, da besuchen Tausende Touristen jedem Tag Rom und lassen dort riesige Beträge in der Stadt. Wer füllt sich in Rom unverschämt seine abgrundtiefen Taschen mit diesem Gelder, welche Mafia hält jetzt die Hände offen. Rom soll die Verwendung aller Einnahmen mal öffentlich auflisten, damit man die Diebe findet. Rom braucht keine Spende, Rom braucht einen Staatsanwalt und einen Rechnungsprüfer damit die Dieberei ein Ende hat.
Atheist_Crusader 25.05.2016
5.
Ich bin verwirrt. Sollte das Geld für diese Dinge nicht eigentlich aus den Einnahmen durch den Tourismus kommen? Steuern für Gastronomie, Eintrittsgelder für Führungen und Museen und so weiter...? Oder hat man das Geld ganz [...]
Ich bin verwirrt. Sollte das Geld für diese Dinge nicht eigentlich aus den Einnahmen durch den Tourismus kommen? Steuern für Gastronomie, Eintrittsgelder für Führungen und Museen und so weiter...? Oder hat man das Geld ganz einfach als Zusatzeinnahmen verplant, und gar nicht daran gedacht, dass man das ganze antike Zeug auch pflegen muss? Frei nach dem Motto: Gewinne einbehalten, aber Kosten teilen?
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