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Reise

Hotel in New Yorks historischem TWA-Terminal

Retro-Schick am Rollfeld

Dieses Hotel bringt den chiliroten Charme der früheren Sechziger zurück: Das TWA-Terminal am New Yorker Kennedy-Flughafen - lange eine Bau-Mumie - ist neu eröffnet. Marc Pitzke hat schon eine Nacht dort verbracht.

David Mitchell/ TWA
Freitag, 17.05.2019   11:12 Uhr

Bei meinen ersten Reisen nach New York flog auch ich mit TWA. Das Terminal der amerikanischen Airline am internationalen Flughafen, 1962 eröffnet, war da schon abgenutzt. Doch der transatlantische Luxus hing noch in allen Ecken herum, wie ein Hauch Chanel mit Kerosin.

Das TWA Flight Center des finnischen Architekten Eero Saarinen war ein Wahrzeichen des Jet-Zeitalters - und ein Wahrzeichen seines Niedergangs. Nach der Pleite der Trans World Airlines (TWA) im Jahr 2001 wurde der Bau zur Mumie im Schatten neuerer, funktionellerer, hässlicherer Monster - Relikt einer Ära, in der Fliegen noch Glamour war.

Jetzt haben sie diesen Glamour rekonstruiert, restauriert und renoviert. Man kann sogar an den alten Schaltern einchecken - nicht als Fluggast, sondern als Hotelgast: Diese Woche ist das TWA-Terminal, RIP, als Luxusabsteige wiederauferstanden. Gut 300 Millionen Dollar hat der Hotelkonzern MCR in die stilgerechte Sanierung gesteckt - Asbest und Blei raus, zwei neue Gebäudeflügel mit 512 Zimmern rein.

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TWA Hotel am JFK-Flughafen: Kein Nachttisch, dafür Retro-Kulisse

Doch kann man in so einer Retro-Kulisse auch wohnen? Mitten in einem der verkehrsreichsten Großflughäfen der Welt, fast auf dem Rollfeld? Ich wollte es ausprobieren - und buchte ein Zimmer für den Tag der Eröffnung.

Nostalgie-Outfits und Flure, die wie neue Autos riechen

Zuerst kämpfe ich mich durch den Trubel der Veuve-Clicquot-getränkten Eröffnungsparty. Eine Beatles-Coverband zwitschert "She Loves You", dazu tanzen Fake-Stewardessen und Fake-Piloten in nachempfundenen TWA-Uniformen - eine aufgekratzte Mischung aus Broadway-Show und Clipper-Laufsteg.

Das nicht minder aufgekratzte Hotelpersonal trägt ebenfalls Nostalgie-Outfits, eigens geschneidert von Stan Herman, der einst echte TWA-Uniformen nähte, die man hier ebenfalls bewundern kann, stolz zur Schau getragen von den vielen TWA-Pensionären im Premierenpublikum.

Alles ist - scheint - wie damals, bis ins kleinste Detail. Die geschwungene Flügelarchitektur, die "chiliroten" Teppiche, die dezent ratternden Original-Anzeigetafeln, der nervige Sinatra-Soundtrack im Hintergrund. Nur kleiner wirkt es, als ich es in Erinnerung habe, vor allem im Vergleich zu den Mammutflughäfen, die ich inzwischen gewohnt bin. Diese hübsche Hütte passt hundertmal in Pekings Terminal 3.

Schauplatz von "Catch Me If You Can"

Auch die Röhrenpassagen, durch die Leonardo DiCaprio in "Catch Me If You Can" hastete, sind noch da, frisch gesaugt. Doch sie führen nicht mehr zu den Gates - sondern zu Fluren, die wie neue Autos riechen.

Das Zimmer ist klein (269 Dollar, ohne Steuern), aber spartanisch-schick. Der kleine Schreibtisch biegt sich vor Sechzigerjahre-Memorabilia: ein Wählscheibentelefon, ein "Life"-Magazin von 1960 mit den Coverstars Jill Haworth und Sal Mineo, eine TWA-Postkarte.

Vergessen haben sie dagegen modernere Ideen wie USB-Anschlüsse oder, tatsächlich, einen Nachttisch. Was sonst in Augenhöhe neben dem Bett parkt, kommt auf den Boden. Überhaupt herrscht ein krasser Steckdosenmangel. Man soll wohl spüren, wie das früher war.

Dafür bin ich mittendrin im Airport, gestrandet wie Tom Hanks in "Terminal". Durchs raumhohe Fenster geht der Blick auf das neue Terminal von JetBlue, dahinter parkt eine Boeing 747 von British Airways. Taxis schlängeln sich drumherum, der Air Train zuckelt um die Kurve, ein Jet steigt auf, dann noch einer, Rushhour in Queens, NY.

Doch nichts davon ist zu hören. Nichts. Das neue Fensterglas ist zwölf Zentimeter dick, schalldicht. Da dringt keine Luft durch und kein Laut.

Schlafen ist erst mal nicht drin

Von drinnen dagegen hört man alles. Die Nachbarn zur einen Seite streiten sich gerade um einen Koffer ("Du musst morgen ja nicht weiterfliegen!"), die zur anderen Seite trällern ein Liebeslied aus "My Fair Lady" mit, das in ihrem Zimmerradio läuft.

Schlafen ist erst mal nicht drin. Also runter zur "Sunken Lounge". In diesem roten Halbrund unter Panoramafenstern hockten früher VIP-Passagiere, jetzt ist es eine Cocktailbar. Die Drinks heißen "Howard Hughes" und "Come Fly With Me" und kosten 18 Dollar pro Gläschen.

Von hinten wabert Fettgeruch. Das Restaurant "Paris Café" des VIP-Kochs Jean-Georges Vongerichten hat den Herd angeschmissen. Leider seien alle 200 Sitze auf Wochen hinaus reserviert, bedauert die Hostess, gewährt einem aber einen Blick auf die Speisekarte: Wagyu-Steak (42 Dollar), Bratlachs (32 Dollar), Hühnchenbrust (30 Dollar).

Dann halt Economy statt First Class. Wo früher Gepäck gewogen wurde, sind Take-out-Stände aufgebaut, es herrscht der Charme einer U-Bahn-Station. "Authentisches New Yorker Food-Erlebnis", verheißt die Hotelbroschüre. In der Tat: Wände noch im Rohbau, Kabel hängen runter, aber für die Summe einer Bio-Poularde à la Jean-Georges gibt es Dinner for Two, zwei Falafel-Teller, zwei Limos.

Three Marks, LLC 2017/ TWA Flight Center Hotel

Planespotting im Pool (Zeichnung): Hotelgäste werden auf dem Dach schwimmen können

Auch sonst ist noch nicht alles soweit. Die Shampooflaschen im Zimmer sind leer, der Pool auf dem Dach ist halbfertig, im weltgrößten Hotel-Fitnesszentrum warten die Kraftgeräte vor unverputzten Umkleiden. Hier können sich demnächst Fluggäste mit längeren Anschlüssen wach trimmen, und für die, die zwischendurch schlafen wollen, gibt es Halbtagszimmer.

Schimmernde Auster

Zurück aufs Zimmer. Draußen versinkt der Flughafen in der Nacht, nur die ehemalige TWA-Haupthalle strahlt noch wie eine schimmernde Auster. Die Nachbarn sind verstummt, die Stille und der Blick halten mich wach.

Morgens haben die italienischen Espressomaschinen in der Hotellobby keinen Strom. Es gibt nur Filterkaffee aus der Thermoskanne, der Pappbecher für 6,50 Dollar. Dann lieber nebenan zu JetBlue stolpern, dessen Ankunftshalle mit dem Hotel verbunden ist.

Dort wartet die rüde Realität des Fliegens, anno 2019. Koffer krachen vom Gepäckband, Kinder plärren, Chauffeure brüllen Namen, der Plastikboden schlägt Wellen, Neonlicht blendet.

Schnell zurück. Das TWA Hotel ist, trotz aller temporären Makel, eine Oase im Chaos. In der Lobby fliegt bereits einer dieser verirrten Terminal-Vögel herum, up, up and away.

insgesamt 1 Beitrag
hman2 17.05.2019
1. Die 12 cm können nicht stimmen
Eine so riesige Glasfläche mit derart filigranen Haltestrukturen dazwischen kann man nicht mit 12 cm dickem Glas bauen, das wiegt einfach zu viel. 300 kg pro Quadratmeter! Vermutlich ein Übersetzungsfehler... Oder es ist eine [...]
Eine so riesige Glasfläche mit derart filigranen Haltestrukturen dazwischen kann man nicht mit 12 cm dickem Glas bauen, das wiegt einfach zu viel. 300 kg pro Quadratmeter! Vermutlich ein Übersetzungsfehler... Oder es ist eine Doppelverglasung, und die beiden Scheiben stehen 12 cm auseinander...
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