Schrift:
Ansicht Home:
Reise

Whale-Watching-Tour vor New York

Eine Flosse zum Gruß

Die New Yorker beobachten ein neues Phänomen: Immer mehr Wale und Delfine lassen sich vor ihrer Küste blicken. Dem Ausflugsboot "American Princess" kommen sie ganz nah.

DPA
Montag, 22.08.2016   11:31 Uhr

Die Skyline von New York am Horizont wird langsam immer kleiner. "Thank you for being a-whale-able!", begrüßt Merryl Kafka die Gäste an Bord der "American Princess" und stemmt sich gegen das Schaukeln des Schiffes. "A-whale-able" ist ein Wortspiel aus "available" für verfügbar und "whale" für Wal - und gibt zugleich das Motto des Bootsausflugs vor: Walbeobachtung - und das nur wenige Kilometer vor den Hochhäusern Manhattans.

"Ich hätte nie gedacht, dass so etwas hier in New York möglich ist", sagt Naomi Winter, die mit Fernglas und Kamera ausgestattet an der Reeling sitzt. Winter stammt von der Westküste der USA und ist zum ersten Mal in New York zu Besuch. "Ein Foto von einem Wal vor der Skyline als Mitbringsel - das wär's!"

Whale Watching gibt es in New York erst seit einigen Jahren. Bislang bietet die "American Princess" als einziges Boot im Hafen der Stadt solche Exkursionen an. Dreimal die Woche fährt sie ab der vorgelagerten Halbinsel Rockaway im Stadtteil Queens rund vier Stunden lang durch die Gewässer vor New York und dem Nachbarbundesstaat New Jersey. Ein Ticket kostet 45 Dollar (etwa 40 Euro).

Weil die Besitzer davon nicht leben können, machen sie mit demselben Boot auch noch Dinnerausflüge, Casinotouren und am Wochenende schippern sie als Fähre Strandausflügler zwischen Manhattan und Rockaway hin und her. Zwischen Juni und September aber geht es mittwochs, donnerstags und freitags zu den Walen.

"Bei bis zu 90 Prozent der Ausflüge sehen wir inzwischen Buckelwale", sagt Naturforscherin Kafka. "Das ist ein völlig neues Phänomen." Schon immer kommen die Tiere auf dem Weg von der Karibik, wo sie ihre Jungen bekommen, in den Norden an New York vorbei. Früher aber schwammen sie nicht so nah an die Küste.

"Seit etwa fünf bis sieben Jahren beobachten wir, dass immer mehr Tiere kommen. Sie bleiben etwa drei Wochen.", sagt Kafka. "Manchmal sind sie so dicht am Boot, dass wir sie atmen hören können." Mithilfe von Fotos katalogisieren Kafka und ihre Kollegen vom Naturschutzverein Gotham Whale die Tiere. Mindestens 37 individuelle Buckelwale haben sie so bereits entdeckt. Vor der Küste sind auch schon ein Blauwal, Zwerg-, Finn-, Sei-, Pottwale und der seltene Atlantische Nordkaper gesehen worden.

"Sie sehen die Gegend an wie ein neues Restaurant", sagt Kafka, die rund 30 Jahre lang am New Yorker Schauaquarium in Coney Island gearbeitet hat. Die Wasserqualität werde immer besser, und das Meer sei hier reich an Nährstoffen - das könnte der Grund für die Beliebtheit unter den Meeressäugern sein. "Aber auch der Klimawandel und die globale Erwärmung der Ozeane könnten eine Rolle spielen. So genau wissen wir es noch nicht."

Wal im Vorgarten

Auch haben die Forschern noch keinen Einblick, wie es Walen und Delfinen dabei überhaupt geht. Denn der Hafen der Millionenmetropole, in dem der Hudson River in den Atlantik fließt, ist einer der betriebsamsten der Welt: Tag und Nacht kreuzen hier Jetskis, Kreuzfahrtschiffe, Segelboote, Motorjachten und riesige Frachtschiffe. Zugleich vermuten Wissenschaftler schon lange, dass Schiffslärm für Meerestiere schädlich sein kann. Erst vor Kurzem hatten Forscher Wale im Meer vor Maine herausgefunden, dass Lärm sie bei der Nahrungsaufnahme stört.

Der Krach im Meer vor New York und sein Einfluss auf die Wale dort werden nun mit einer speziellen Boje untersucht. Ein Team um Mark Baumgartner von der Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI) setzte das mit einem speziellen Mikrofon ausgestattete Gerät Ende Juni im Meer vor der Metropole aus. Nach einem Jahr soll das Gerät wieder eingeholt und die Aufnahmen ausgewertet werden.

"Mit dieser Arbeit wollen wir den New Yorkern dabei helfen, zu verstehen, dass große Wale quasi in ihrem Garten leben", sagt Baumgartner. Mit der Datenerhebung soll auch ermittelt werden, wie viele Tiere es sind, was für Arten und auch wie laut es dort unten wirklich ist. Unter anderem haben die Forscher schon Finnwale gehört.

Auf der Walbeobachtungstour der "American Princess" dagegen lassen sich an diesem Tag dagegen zwar Dutzende Delfine blicken, aber keine Wale. "Das liegt wahrscheinlich an den Wetterbedingungen heute", sagt Kapitän Tom Paladino. "Alle Nährstoffe werden tief ins Wasser gedrückt, da brauchen die Wale nicht so oft an die Oberfläche zu kommen."

Der Vater des 68-Jährigen hat die Bootsfirma gegründet, auch er selbst ist schon sein ganzes Leben lang Kapitän. "Ich habe hier schon alles gesehen - Schildkröten, Haie, Rochen. Aber Wale sehe ich in dieser Gegend erst seit wenigen Jahren. Und dann im Hintergrund die Skyline - das ist wirklich etwas ganz Besonderes!"

Christina Horsten, dpa/abl

insgesamt 3 Beiträge
pauleschnueter 22.08.2016
1.
Das die Weltmeere duch Zivilisationsmüll verschmutzt sind und das durch die Klimaerwärmung sich der Lebensraum vieler Arten im besten Fall verschiebt in vielen Fällen verschwindet, dass ist aber natürlich nicht der Grund. [...]
Das die Weltmeere duch Zivilisationsmüll verschmutzt sind und das durch die Klimaerwärmung sich der Lebensraum vieler Arten im besten Fall verschiebt in vielen Fällen verschwindet, dass ist aber natürlich nicht der Grund. Nein, alles schön.
Celegorm 22.08.2016
2.
Die Klimaveränderung führt im Meer momentan gerade bei borealen/arktischen Arten tendenziell zu einer Vergrösserung des Lebensraums und hat damit eher positive Auswirkungen. Buckelwale dürften in dem Kontext auch eher zu [...]
Zitat von pauleschnueterDas die Weltmeere duch Zivilisationsmüll verschmutzt sind und das durch die Klimaerwärmung sich der Lebensraum vieler Arten im besten Fall verschiebt in vielen Fällen verschwindet, dass ist aber natürlich nicht der Grund. Nein, alles schön.
Die Klimaveränderung führt im Meer momentan gerade bei borealen/arktischen Arten tendenziell zu einer Vergrösserung des Lebensraums und hat damit eher positive Auswirkungen. Buckelwale dürften in dem Kontext auch eher zu den Gewinnern gehören, zumal die nordwestatlantische Population sowieso in gutem Zustand ist und eine weiter zunehmende Tendenz zeigt. Alles gut? Nein, keineswegs. Aber eben auch nicht alles schlecht. Zumindest in der nordwestlichen Hemisphäre hatten die meisten Meeresorganismen schon deutlich schlechtere Zeiten. Aber Lichtblicke und differenzierte Perspektiven sind natürlich nicht so sexy wie das klassische Untergangsszenario..
vlado13 22.08.2016
3.
Zum einen: "Zwischen Juni und September" verstehe ich als "vom 1. Juli bis zum 31. August". Wenn ich "zwischen den Stühlen" sitze, sitze ich ja auch auf keinem Stuhl - und nicht etwa auf beiden. [...]
Zum einen: "Zwischen Juni und September" verstehe ich als "vom 1. Juli bis zum 31. August". Wenn ich "zwischen den Stühlen" sitze, sitze ich ja auch auf keinem Stuhl - und nicht etwa auf beiden. Zum anderen: Die Fahrten finden vom 14. Mai bis zum 30. Oktober statt. Sagt jedenfalls die Homepage des Veranstalters.
Newsletter
Die schönsten Reiseziele: Nah und Fern

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP