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DER SPIEGEL

Campino plant seinen Monat

Der Sänger der Toten Hosen möchte den neuen Woody-Allen-Film „Match Point“ sehen und freut sich auf die Foo Fighters.
Für mich geht es im Januar vor allem ins Theater. Eine gute Live-Performance ist mit nichts zu vergleichen, weil Künstler und Zuschauer das Ereignis zeitgleich durchleben. Das ist etwas, das verbindet, das man in Erinnerung behält. Ich möchte mir auf jeden Fall Klaus Maria Brandauer im Wiener Burgtheater als Nathan der Weise anschauen und hoffe, dass die Vorstellung bald wieder läuft. Das ist reiner Genuss, reines Fantum. Ich habe das Theater sehr lieb gewonnen, weil wir dort unsere CD und DVD Nur zu Besuch: Die Toten Hosen unplugged im Wiener Burgtheater aufgenommen haben. Diese Bühne ist akustisch schon der Wahnsinn. Wenn man dort einen Kugelschreiber fallen lässt, hört man das noch im Oberrang.
Ich möchte Brandauer auch deshalb auf der Bühne erleben, weil ich unter seiner Regie im Sommer den Mackie Messer in Berlin spielen soll. Das wäre meine erste große Theaterrolle. Während der Probenzeit beginnt aber auch die Fußball-WM, und ich habe mir schon mal in den Vertrag schreiben lassen, dass ich zu den Spielen freibekomme. Da ich als Halbengländer der englischen Mannschaft schon seit Jahren folge, werde ich mir ihre Auftritte natürlich nicht entgehen lassen. Vielleicht treffen sie ja im Achtelfinale auf Deutschland, hauen die Deutschen raus, und dann gibt es plötzlich die Karten für das Finale zu Dumpingpreisen, weil die WM-Gastgeber da nicht mitspielen.
In Berlin werde ich ins Theater am Kurfürstendamm zu Ernst - und seine tiefere Bedeutung von Oscar Wilde gehen, weil das ein klassischer Stoff ist, an dem sich schon viele versucht haben. Es gibt da eine Fassung von der Jelinek, die ich in Wien gesehen habe. In Berlin inszeniert Katharina Thalbach.
Im Kino schaue ich mir den neuen Woody Allen an: Match Point (siehe Seite 42). Mein erster Woody-Allen-Film war "Mach's noch einmal, Sam". Seitdem habe ich praktisch alle Filme von ihm gesehen und finde die unspektakulären Sachen mittlerweile am schönsten.
Dann gehe ich unbedingt ins Konzert der Foo Fighters (siehe Seite 33), das ist zurzeit das Beste an Rockmusik, was man live erleben kann. Deren Album In Your Honor ist ein absolutes Muss für jeden, der Musik aus dem Bauch gut findet und guten Rock zu schätzen weiß.
Wenn der Babysitter noch einen weiteren Abend Zeit hat und mein 21 Monate alter Sohn mich weglässt, dann werde ich noch zu Depeche Mode gehen (ab 13.1., siehe Seite 33). Wenn ich aber zu Hause bleiben muss, dann klappe ich ein Buch auf: Antonio im Wunderland von Jan Weiler. Da musste ich schon mehrmals laut auflachen beim Lesen, und zum Glück bin ich noch nicht am Ende angelangt. Sollte ich es bis zum 22.1. ins Museum schaffen, ziehe ich mir die Immendorff-Ausstellung in der Berliner Neuen Nationalgalerie rein. Im Bahnhofsfoyer meiner Heimatstadt Düsseldorf hängt seit Dezember ein Gursky-Foto. Dessen Bilder sind immer ein Treffer. Wenn ich das alles schaffe, bin ich für den Januar bedient. AUFGEZEICHNET VON CLAUDIA VOIGT
Von CLAUDIA VOIGT

KulturSPIEGEL 1/2006
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