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DER SPIEGEL

Neue CDs

C. P. E. Bach, J. C. Bach, J. S. Bach: "Klavierkonzerte"
(Ondine)
Welchen melodischen Einfallsreichtum J. S. Bach und seine Söhne aufbieten konnten, ist bekannt. Dennoch bleibt es ein Wunder, wie sich in ihrem Schaffen der Weg vom Barock zum Spätrokoko vollzog. Mitreißend lebendig spielt die Hamburger Camerata unter Ralf Gothóni vier Konzerte - ein idealer Hintergrund für Anastasia Injushina, die ihre Soli auf einem modernen Flügel perlend-elegant und dynamisch meisterlich konturiert.
Robert de Visée: "Lautenstücke"
(Carpe Diem)
Nur wenig weiß man über den letzten großen Lautenisten am französischen Hof, den Portugiesen Robert de Visée (um 1650 bis um 1725). Toyohiko Satoh sieht ihn als Geistesverwandten, der dem Ruhm abschwor und sein Leben wie ein fernöstlicher Einsiedler beschloss. So spielt Satoh auch de Visées versonnene kleine Stücke: Seine über 400 Jahre alte Greiff-Laute macht aus ihnen Meditationen, die von Zeit und Raum erlösen.
Joseph Haydn: "Die Klaviersonaten" (Profil Edition Günther Hänssler)
Labor des Klangs, Spezialitätenkabinett und Humorspeicher der frühen Klassik: Haydns Sonaten sind ein Kosmos für sich. Seit 1993 hat Ekaterina Derschawina ihn erarbeitet; nun liegt das Resultat auf neun CDs vor. In Sorgfalt, Einfühlung, Ausdruckskraft und Balance braucht es keinen Vergleich zu scheuen. Mit Recht dankt Tonmeister Markus Brändle auch den Sponsoren dieser begeisternden Box, einem medizinischen - Labor.
Richard Strauss: "Don Quixote, Till Eulenspiegel"
(Hyperion)
Opulenter, farbenreicher hat kaum jemand komponiert als Richard Strauss. Markus Stenz hatte sein Gürzenich-Orchester in Bestform parat, um die selten gespielten "Don Quixote"-Konzertvariationen mit dem Meistercellisten Alban Gerhardt und seinem Bratschen-Kollegen Lawrence Power festzuhalten. So sind die 40 Minuten komplexer Programm-Musik fast zu rasch wieder vorbei.
Von Johannes Saltzwedel

KulturSPIEGEL 6/2013
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