Schrift:
Ansicht Home:
DER SPIEGEL

MUSIK„Wir wollen das nicht!“

Campino, 51, Sänger der Rockband Die Toten Hosen, über das Abspielen ihrer Musik im Bundestagswahlkampf
SPIEGEL: Campino, Die Toten Hosen haben sich davon distanziert, dass ihr Song "Tage wie diese" bei Wahlkampfveranstaltungen gespielt wird. Warum?
Campino: Wiederholt ist uns in den letzten Wochen erzählt worden, dass unsere Musik im Wahlkampf benutzt worden ist. Von allen möglichen Parteien. Als Einmarschmusik zum Beispiel, wenn ein Kandidat oder eine Kandidatin das Zelt betritt. Wir haben uns aus Prinzip dagegen entschieden, unsere Musik für Werbespots freizugeben. Selbst als uns Millionen geboten worden sind, haben wir nein gesagt. Diese Wahlkampfveranstaltungen sind Werbung.
SPIEGEL: Warum verbieten Sie es den Parteien nicht einfach?
Campino: Dafür gibt es leider keine rechtliche Grundlage. Es sind öffentliche Veranstaltungen, da darf eigentlich jeder spielen, was er will - ein juristischer Graubereich. Auch die Rolling Stones konnten es der CDU nicht untersagen, "Angie" zu spielen. Wir können nur deutlich machen: Wir wollen das nicht! Und wir hoffen, dass das den Verantwortlichen so unangenehm ist, die Musik gegen unseren erklärten Willen zu spielen, dass sie es bleiben lassen.
SPIEGEL: Freuen Sie sich denn nicht, dass eines Ihrer Lieder so universell verwendbar ist?
Campino: Darum geht es nicht. Das soll auf der Kirmes laufen, auf dem Oktoberfest, von mir aus sogar auf den Siegesfeiern am Wahlabend. Aber nicht jetzt, solange der Wahlkampf noch läuft. Ich möchte nicht, dass unsere Musik parteipolitisch missbraucht wird.
SPIEGEL: Wen werden Sie wählen?
Campino: Ich habe eine Ahnung, wer für unser Land am besten wäre. Aber niemand in diesem flachen Wahlkampf hat mich so sehr überzeugt, dass ich bereit wäre, mich öffentlich dafür stark zu machen.

DER SPIEGEL 36/2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung