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DER SPIEGEL

MEDIKAMENTEUnnötige Grippemittel

Der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) will die Pflicht von Bund und Ländern, große Mengen teurer Grippemittel wie Tamiflu einzulagern, "so schnell wie möglich abschaffen". Noch ist im nationalen Pandemieplan vorgesehen, dass solche antiviralen Medikamente für 20 Prozent der Bevölkerung vorgehalten werden sollen (wofür schätzungsweise bereits ein dreistelliger Millionenbetrag ausgegeben wurde). Vorige Woche jedoch kam eine Auswertung wissenschaftlicher Studien durch die renommierte Cochrane Collaboration zu dem Ergebnis, dass die antiviralen Mittel weitgehend wirkungslos seien, zugleich jedoch gefährliche Nebenwirkungen haben könnten. "Jetzt muss schnell gehandelt werden", sagt Lauterbach. "Ich werde mich dafür einsetzen, dass die hoch relevanten Ergebnisse der Cochrane-Untersuchung in die derzeitige Überarbeitung unseres Pandemieplans einfließen." Während der Schweinegrippe-Pandemie 2009 waren Experten noch davon ausgegangen, dass sich durch Tamiflu zumindest Lungenentzündungen und eine Infektionsausbreitung verhindern ließen. Später deckten Cochrane-Wissenschaftler zusammen mit dem "British Medical Journal" auf, dass der Hersteller Roche etliche Studiendaten gar nicht veröffentlicht hatte. Die neue Untersuchung, in die auch bislang zurückgehaltene Daten eingeflossen sind, zeigt nun, dass Tamiflu bei Grippekranken lediglich die Dauer der Symptome um knapp 17 Stunden verkürzt. Ob es Ansteckungen verhindern kann, ist fraglich; zudem können erhebliche Nebenwirkungen auftreten, darunter psychiatrische Symptome. In einer Stellungnahme widerspricht die Firma Roche der Cochrane-Gruppe; diese ziehe aufgrund klinischer Studien Rückschlüsse auf die Situation einer Pandemie. Lauterbach sagt: "Auch ich gehörte früher zu den Befürwortern der Einlagerung, aber ich habe meine Meinung geändert. Jetzt müssen wir verhindern, dass so etwas noch einmal passiert. Pharmafirmen müssen gezwungen werden, alle Studienergebnisse sofort zu veröffentlichen."

DER SPIEGEL 16/2014
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