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DER SPIEGEL

Indien„Es ist ihnen einfach egal“

Usha Vishwakarma, Anführerin der Mädchengruppe "Rote Brigaden", über die Gewalt gegen Frauen in ihrem Bundesstaat Uttar Pradesh. Dort wurden vergangene Woche zwei junge Mädchen von mehreren Männern vergewaltigt, stranguliert und an einem Mangobaum aufgehängt.
"Als wir von diesem Fall erfuhren, sind wir auf die Straße gegangen und haben protestiert, wir waren 60 Leute. Diese Verbrechen würden nicht so häufig passieren, wenn die Polizisten sie wirklich verhindern wollten. Aber oft kümmern sie sich nicht um Menschen, die zu niedrigeren Kasten gehören, oder sie lassen die Täter laufen. Außerdem sind die Frauen kaum geschützt, in den Dörfern haben die Häuser meist keine Toiletten, die Frauen müssen nachts allein hinaus. So war es wohl bei diesen beiden Mädchen. Zudem gibt es oft keine Straßenlaternen, auch in meinem Viertel nicht. Das ist wie eine Einladung zur Vergewaltigung. Warum lässt die Regierung keine Laternen aufstellen? Warum patrouillieren keine Polizisten? Es ist ihnen einfach egal! Und wie sollen wir unseren Politikern vertrauen, wenn sie die Opfer verhöhnen? Als neulich drei Männer wegen Vergewaltigung in Mumbai verurteilt wurden, sagte der Chef der Samajwadi-Partei: ,Jungs sind Jungs. Die machen Fehler.' Und ein hochrangiger Polizeibeamter hat gerade zugegeben, dass laut offizieller Statistik jeden Tag zehn Vergewaltigungen in unserem Bundesstaat gemeldet werden. Sie wissen also, wie schlimm die Lage ist. Aber sie tun nichts. Deshalb müssen wir lernen, uns selbst zu schützen. Wir haben bisher 8500 Mädchen in Selbstverteidigung ausgebildet. Leider beschuldigt uns die Polizei nun, Gewalt zu lehren. Aber das wird uns nicht von unserer Mission abhalten."
Von Sas

DER SPIEGEL 23/2014
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