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DER SPIEGEL

SWRErwünschte Schummelei?

Der Skandal um manipulierte Voting-Ergebnisse hat die Glaubwürdigkeit von ARD und ZDF erschüttert. Mehrere Sender hatten die Ergebnisse von Internetabstimmungen zu Ranking-Shows nach Gutdünken verändert. Ein internes "Handbuch Ranking-Formate" des SWR, das dem SPIEGEL vorliegt, erweckt nun den Verdacht, dass Eingriffe in die Abstimmungsergebnisse unter bestimmten Umständen sogar erwünscht waren. In dem "Verbindlichen Leitfaden" heißt es gleich zu Anfang über die Verwendung von Votings ausdrücklich: "Über die endgültige Reihenfolge entscheidet auf jeden Fall die Redaktion." Votings sollten "immer redaktionell begleitet sein, weil im einen oder anderen Fall politisch oder ethisch unkorrekte Votings zustande kommen können". Auf welche Weise ethisch unkorrekte Ergebnisse bei SWR-Ranking-Shows wie "Unsere schönsten Wanderwege" oder "Die schönsten Kirchen im Südwesten" zustande kommen könnten, wird jedoch nicht formuliert. Es fehlt auch der Hinweis, dass mögliche redaktionelle Änderungen der Reihenfolge gegenüber dem Zuschauer transparent gemacht werden müssten. Der SWR teilt dazu mit, dass ein Eingreifen nur gefordert sei, wenn Voting-Ergebnisse etwa "gegen die im Staatsvertrag über den Südwestrundfunk festgelegten Programmgrundsätze verstoßen hätten". Zudem sei es im SWR nie zu einem solchen Fall gekommen, "deshalb hat diese Regelung in keinem einzigen Fall dazu geführt, dass die Redaktion gegen ein vorliegendes Zuschauer-Votum eine Sendung ,umgestaltet' und ausgestrahlt hat".
Von Bra

DER SPIEGEL 35/2014
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