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DER SPIEGEL

Public Relations„Mehr Transparenz schaffen“

Kat Ainger, 40, Aktivistin bei Corporate Europe Observatory, über europäische PR-Agenturen und deren Geschäfte mit Diktatoren
SPIEGEL: Sie haben untersucht, wie sich Machthaber mithilfe von Beratern ein sauberes Image verschaffen - wer war da am erfolgreichsten?
Ainger: Aserbaidschan und Kasachstan - wobei Kasachstan wohl die Nase vorn hat.
SPIEGEL: Warum?
Ainger: Weil es Diktator Nursultan Nasarbajew vor einigen Jahren gelang, Tony Blair als Berater zu engagieren. Und Blair folgte eine ganze Armada an Ex-Spitzenpolitikern, die sich einspannen ließen, Gerhard Schröder und Romano Prodi etwa. Inzwischen sitzt Kasachstan, das Menschenrechte mit Füßen tritt, im Uno-Menschenrechtsrat.
SPIEGEL: Welche Agenturen haben sich bei derartigen Jobs besonders hervorgetan?
Ainger: Portland in London war sehr aktiv, auch in Katar. Dort hatten sie nach der Kritik an den menschenunwürdigen Arbeitsverhältnissen in dem zukünftigen Fußball-WM-Land geholfen, einen Blog zu initiieren. PR-Spezialisten nennen so etwas Astroturfing: Der sah aus wie eine Initiative von Fußballfans, die für Katar einstanden, war aber bezahlte PR.
SPIEGEL: Waren auch deutsche Berater zu Diensten?
Ainger: Ja, Consultum aus Berlin etwa. In deren Beirat saß lange Hans-Dietrich Genscher, Ex-Wirtschaftsminister Michael Glos ist immer noch dabei. Die haben sich wiederholt für Kasachstan oder Aserbaidschan ins Zeug gelegt.
SPIEGEL: Sind diese Berater stets als PR-Leute erkennbar?
Ainger: Nein. Ein Consultum-Mann trat offenbar auch als Journalist auf und stellte bei Konferenzen nette Fragen. Und das war dann so verkappt auch in kasachischen Medien nachzulesen.
SPIEGEL: Würde ein verbindliches Lobby-Register, das es in Brüssel bisher nicht gibt, helfen?
Ainger: Es würde derlei dreckige Arbeit nicht aus der Welt schaffen, aber für mehr Transparenz sorgen. Das wäre zumindest ein erster Schritt.
Von Nkl

DER SPIEGEL 5/2015
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