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DER SPIEGEL

SWRNeue Regeln für Rankingshows

Es war ein Skandal, der im vergangenen Sommer die Glaubwürdigkeit der Öffentlich-Rechtlichen erschütterte: Bei ZDF, NDR, WDR, HR und RBB wurden die Ergebnisse von Publikumsabstimmungen manipuliert. Verantwortliche hatten die Resultate nach Gutdünken verändert. Der SWR schien in der Sache sauber zu sein, bis der SPIEGEL einen internen Leitfaden öffentlich machte, in dem der Satz auftaucht: "Über die endgültige Reihenfolge entscheidet in jedem Fall die Redaktion." Das legte den Verdacht nahe, Manipulationen seien geradezu eingeplant. Im Sender war der Aufruhr groß. Intendant Peter Boudgoust setzte eine "Task Force" ein, die sich um die Aufarbeitung kümmern sollte. Daraus sind neue "Grundsätze für Gewinnspiele, Rankings und Votings" entstanden, die im Januar von der Senderspitze beschlossen wurden. Es sind zehn Gebote dessen, was eigentlich selbstverständlich ist - in dem alten Leitfaden aber fehlte. "Wir verändern grundsätzlich keine Reihenfolge, die durch Publikumsabstimmung zusammengestellt wurde", heißt es da. Oder: "Wir formulieren die Spielregeln, Teilnahmebedingungen und Auswahlmechanismen einfach, klar verständlich und veröffentlichen sie so, dass sie für jedermann auffindbar sind." Tatsächlich, so heißt es im Sender, würden Rankingshows kaum noch gemacht. Das war auch eine Forderung von Intendant Boudgoust. Bereits im Dezember verfügte er, solche Sendungen seien nur noch statthaft, "wo tatsächlich Wissens- und Bildungsinhalte spielerisch-unterhaltend vermittelt werden könnten". Einzige Ausnahme: Hitparaden im Hörfunk. Die seien von dem strengen Grundsatz "nicht berührt".
Von Bra

DER SPIEGEL 11/2015
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