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DER SPIEGEL

Kulturschutz„Der deutsche Staat enteignet keine Kunst“

S taatsministerin Monika Grütters, 53, über ihre Auseinandersetzung mit Kunsthändlern und -sammlern
SPIEGEL: Frau Grütters, Sie wollen die Ausfuhr von Kunst ins Ausland neu regeln. Händler und Sammler empören sich. Warum kommen Sie den Gegnern Ihrer Novelle nun entgegen?
Grütters: Händler und Sammler waren von Anfang an in das Vorhaben eingebunden, ihre Gegnerschaft haben sie erst in den letzten Wochen so vehement zum Ausdruck gebracht. Ich habe nicht vor, eine Branche zu verärgern, sondern ich möchte besonders herausragendes Kulturgut für Deutschland schützen. So sieht es das Grundgesetz vor.
SPIEGEL: Es sollten Ausfuhrgenehmigungen für jedes Bild erforderlich sein, das älter als 50 Jahre ist und dessen Wert 150 000 Euro übersteigt.
Grütters: Und so gilt es längst für Ausfuhren ins außereuropäische Ausland. Für Ausfuhren in den EU-Binnenmarkt werde ich höhere Grenzen vorschlagen, von 70 Jahren und 300 000 oder sogar 400 000 Euro.
SPIEGEL: Wer Werke eines expressionistischen Malers besitzt, dem wird auch das nicht reichen. Könnten die Grenzen im Laufe der Auseinandersetzung weiter angehoben werden – auf 100 Jahre und eine Million Euro?
Grütters: Darüber kann man diskutieren, aber macht das Sinn? Aus Deutschland wird vor allem Kunst ausgeführt, die jünger als 70 Jahre ist.
SPIEGEL: Es gibt bereits eine Liste mit national wichtigen Werken, die für die Ausfuhr gesperrt sind. Sie wollen diese Liste in großem Umfang erweitern. Es sollte zuerst sogar eine Verordnung geben, die den Zutritt zu Privatwohnungen ermöglicht. Manche Sammler fürchten eine Art Enteignung, weil sie ihre Kunstwerke dann nicht mehr ins Ausland verkaufen könnten. Bei einem Verkauf in Deutschland wären die Preise aber deutlich niedriger.
Grütters: Der deutsche Staat enteignet keine Kunst. Und solange jemand seine wirklich bedeutende Kunst nicht außer Landes bringen will, interessiert es uns ohnehin nicht, was er besitzt. Die Zutrittsregelung, von der Sie sprechen, kommt aus dem Denkmalschutz, und sie ist nicht mehr enthalten. Die Fassung des Referentenentwurfs, in der davon die Rede war und die in die Öffentlichkeit gelangte, war nicht autorisiert.
SPIEGEL: In einem Brief Ihrer Gegner heißt es: Der Entwurf erinnere erschreckenderweise an Verordnungen aus der deutschen Geschichte. Sie haben ein geplantes Treffen mit Sammlern und Galeristen abgesagt. Wie kann man sich wieder annähern?
Grütters: Ich habe die vielen Namen derer zur Kenntnis genommen, die den Brief eben nicht unterzeichnet haben. Doch nach diesem Schreiben, von dem auch eine andere, völlig indiskutable Fassung kursierte, hatte ich das Gefühl: Das geht zu weit, wir unterhalten uns später. Wenn der endgültige Kabinettsentwurf vorliegt, werden die Unterzeichner sehen, dass viele Behauptungen und Befürchtungen unbegründet sind.
Von Uk,

DER SPIEGEL 30/2015
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