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DER SPIEGEL

PolenHistoriker brechen Tabu

Nach der Wende befassen sich Polens Historiker verstärkt mit den von den Kommunisten verschwiegenen Seiten der Vergangenheit - auch mit dem Schicksal der deutschen Bevölkerung nach der Eroberung Schlesiens durch die Rote Armee Anfang 1945. So schildert Zygmunt Wozniczka von der Schlesischen Universität Kattowitz in einem Aufsatz die "Aktivitäten des stalinistischen Repressionsapparates in Oberschlesien 1945". Den Sieg über die Deutschen, so sein Fazit, begleiteten "Terror, Angst und Deportation" durch sowjetischen und polnischen Geheimdienst. In zahlreichen Arbeitslagern, unter anderem in dem von den sowjetischen Truppen übernommenen ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz / Birkenau, starben Tausende Insassen an Mißhandlungen, Unterernährung und Typhus. Der deutschen Minderheit genehmigten jetzt die polnischen Behörden, an einem Massengrab auf dem Friedhof von Ruda-Slaska einen Gedenkstein für jene "oberschlesischen Deutschen" zu errichten, die "Opfer des Zwangsarbeitslagers" von Swietochlowice bei Kattowitz wurden.

DER SPIEGEL 29/1994
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