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DER SPIEGEL

GeschichtspolitikGrütters' Pannen

Die Querelen um die Bundesstiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" lassen Monika Grütters, Kulturstaatsministerin im Kanzleramt (BKM), schlecht aussehen. Die im Aufbau befindliche Stiftung ist seit Dezember vergangenen Jahres ohne Führung. Grütters hatte im Juni Winfrid Halder als neuen Direktor im Stiftungsrat durchgesetzt, der dann jedoch absagte. Offenbar, weil die Grütters-Behörde gepatzt hat: Halder erhielt erst nach Wochen einen Entwurf für einen Direktorenvertrag, dessen Bedingungen hinter denen der Ausschreibung zurückblieben. Anschließend dauerte es sechs Wochen, ehe Grütters ihn zu einer Aussprache empfing. Zusagen, die Grütters dort machte, bekam Halder trotz Nachfragen nicht schriftlich. Zudem trieben Grütters' Beamte die Besetzung einer Kuratorenstelle bei der Stiftung voran, obwohl Halder gebeten hatte, damit zu warten. Am 26. Oktober schrieb Halder, er stehe nicht mehr zur Verfügung. Das Vorgehen des Ministeriums entspreche nicht seinen Vorstellungen von "Korrektheit, Verlässlichkeit und Berechenbarkeit". Es sei unmöglich, die Stiftung ohne "uneingeschränktes Vertrauen" zum BKM zu leiten. In der Öffentlichkeit verbreitete Grütters, Halder habe aus "persönlichen Gründen" abgesagt, obwohl der vorab gegen diese Sprachregelung protestiert und eine Alternative vorgeschlagen hatte. Grütters' Büroleiter drohte daraufhin, Halders Version würde eine öffentliche Debatte nach sich ziehen, es sei in dessen Interesse, dies zu vermeiden.
Ein Sprecher Grütters' weist die Vorwürfe zurück. Halder habe nachträglich Forderungen zur Ausgestaltung seines Vertrags erhoben, die "nicht verhandelbar" gewesen seien. Grütters sucht nun einen neuen Direktor – und muss weitere Pannen vermeiden: Ihr Umgang mit dem Nachlass des NS-Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt erregte ebenso heftige Kritik wie ihr Entwurf zum Kulturschutzgesetz.
Von Klw

DER SPIEGEL 47/2015
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