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DER SPIEGEL

Benni und Haui

IG-Chemie-Chef Karl Hauenschild gab letzte Woche auf dem Gewerkschaftstag in Mannheim eine aufschlußreiche Erklärung dafür, warum er in einer Fernsehsendung die Preispolitik der Mineralölkonzerne verteidigt habe. Seine von Kritikern monierte Äußerung, die zum Veba-Konzern gehörende Aral verdiene pro Liter Benzin nur einen Pfennig, erklärte der Gewerkschaftschef mit einem Gegengeschäft: Veba-Chef Rudolf von Bennigsen habe ihm damals gerade zugesagt, in den Veba-Vorstand einen Gewerkschafter als Arbeitsdirektor zu berufen. "Wenn ich in einer solchen Situation", so Hauenschild, "etwas über den Konzern weiß, der mir ein Versprechen in die Hand gegeben hat, dann wäre ich mir ein bißchen unanständig vorgekommen, wenn ich auf diese Frage nicht gesagt hätte, was ich wußte, dann hätte Benni (Koseform für von Bennigsen, d. Red.) sagen können: Hauenschild, Sie erwarten von mir, daß ich mich beim Vorstand und beim Wirtschaftsminister unpopulär mache wegen des Arbeitsdirektors, aber Sie haben nicht den Schneid, sich auch einmal unpopulär zu machen. So muß man das auch sehen." Der Einsatz lohnte sich: Bennigsen berief den Gewerkschafts-Funktionär Manfred Krüper in den Vorstand der Veba-Öl.

DER SPIEGEL 38/1980
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