Schrift:
Ansicht Home:
DER SPIEGEL

MusikBach und die Juden

Mit 95 Thesen, am 31. Oktober 1517 angeschlagen an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg, löste Martin Luther die Reformation aus und veränderte die Welt. Seine Übersetzung der Bibel prägte die deutsche Sprache. Seinen musikalischen Herold fand Luther, der Mann des Wortes, allerdings erst weit über ein Jahrhundert später: Johann Sebastian Bach. Doch war der Komponist ein ebenso glühender Antisemit wie Luther? Die Musikwissenschaft der Nazizeit verbreitete diese Ansicht, die bis heute nachwirkt. Allerdings war es der aus einer jüdischen Familie stammende Felix Mendelssohn Bartholdy, der 1829 mit einer Aufführung der Matthäuspassion den damals völlig vergessenen Bach rehabilitierte. Ab Freitag versucht die Ausstellung Luther, Bach – und die Juden im Eisenacher Bachhaus, den Einfluss des Reformators auf den Komponisten zu dokumentieren. Es wird auch darum gehen, die Ablehnung des Judentums aus vorrangig religiösen Gründen (Antijudaismus) in einen zeit- und musikgeschichtlichen Zusammenhang zu stellen. Bachhaus-Direktor Jörg Hansen, der die Schau kuratiert hat: "Der theologische Antijudaismus Bachs ist in seinen Passionen durchaus zu hören."
Von Kro

DER SPIEGEL 25/2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung