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DER SPIEGEL

FußballHeimliche Zahlungen?

Fifa-Chef Gianni Infantino, 47, droht Ärger mit dem europäischen Fußballverband Uefa, bei dem er bis Februar 2016 als Generalsekretär tätig war. Hintergrund sind Zahlungen für Infantinos Kampagne zur Wahl des Fifa-Präsidenten. Das Exekutivkomitee der Uefa hatte dem Italoschweizer eine finanzielle Unterstützung in Höhe von 500 000 Euro zugesichert. Das Geld sei vor allem dazu da, "um die Kosten für meine Reisen um die Welt zu übernehmen und etwas logistische Unterstützung zu bieten", hatte Infantino damals mitgeteilt. Auch der Wahlkommission der Fifa gegenüber erklärte er eine Unterstützung in dieser Höhe.
Unter der Führung des im September 2016 gewählten Uefa-Präsidenten Aleksander Čeferin wurden Geldflüsse der Vergangenheit kontrolliert. Wie der SPIEGEL erfuhr, kam dabei heraus, dass Kosten von weit mehr als 500 000 Euro für Infantino übernommen worden waren, ohne dass eine Genehmigung des Exekutivkomitees dafür vorgelegen hätte. Von insgesamt knapp einer Million ist die Rede. Ein Betrag von 250 000 Euro soll kurzerhand vom Uefa-Finanzkomitee abgesegnet worden sein, worauf die Zahlung des Restes basiert, ist unklar. Aus dem Uefa-Hauptquartier in Nyon ist zu hören, dass derzeit beraten wird, wie mit dem Fund umzugehen sei. Möglicherweise, heißt es, habe der Verband Infantino ohnehin noch Geld geschuldet, weil dieser seinen Urlaub vor seiner Wahl zum Fifa-Präsidenten nicht in Anspruch genommen hatte. Ist dies der Fall, könnte das zu viel gezahlte Geld für die Kampagne damit verrechnet werden. Möglich ist allerdings auch, dass die Uefa Infantino auffordern wird, die Beträge zurückzuzahlen.
Infantino beantwortete Fragen des SPIEGEL zu den Zahlungen nicht. Er ließ lediglich mitteilen, die Finanzierung der Kampagne sei "in vollständiger Übereinstimmung mit allen relevanten Regularien" geschehen. Die Uefa teilte bereits Bekanntes mit: Das Exekutivkomitee habe zugestimmt, Ausgaben zu übernehmen. Die Frage, wie viel Geld die Uefa insgesamt an Infantino gezahlt hat, ignorierte der Verband.
Von Trn

DER SPIEGEL 28/2017
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