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DER SPIEGEL

So gesehenEin Herz für Schorsch

Georg Fahrenschon muss Sparkassenpräsident bleiben.
Was soll die Aufregung, so etwas ist doch wohl jedem schon mal passiert: ein Formular verschlampt, eine Frist versäumt, die verdammte Steuererklärung nicht abgegeben. Und die Briefe vom Amt legt man dann halt in eine Schublade. Und wenn sie überquillt, nimmt man die nächste. Manch einer kann eben nicht mit Geld umgehen, mancher hat Angst vor Formularen, und mancher ist schlicht ein wenig schusselig.
Auf Georg Fahrenschon (CSU) trifft offenbar alles drei zu, aber das ist doch nicht kriminell, sondern ein Unglück, eine Dummheit, eine lässliche Sünde. Der Mann war mehrere Jahre lang bayerischer Finanzminister und ist noch Sparkassenpräsident, da kann man doch nicht verlangen, dass er sich um jede Kleinigkeit kümmert. Abgesehen davon stammt er aus einem Bundesland, in dem die Steuerpflicht für verdiente Mitbürger traditionell nicht so ernst genommen wurde. Und verdient hat er zweifellos.
Nein, Georg Fahrenschon sollte nicht nur straffrei bleiben, sondern unbedingt auch Sparkassenpräsident. In der biedersten Finanzinstitution der Welt, wo karierte Krawatten genauso ihren Platz haben wie kommunale Kulturförderung, muss es auch ein Herz geben für einen echten Menschen mit all seinen Schwächen und Unzulänglichkeiten. Für einen, der auch mal beide Augen zudrückt, wenn bei seinen Kunden der Dispo ächzt, sagen wir zum Beispiel bei einem bestimmten Journalisten. Schorsch, wir verstehen uns.
Von Stefan Kuzmany

DER SPIEGEL 47/2017
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