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DER SPIEGEL

Magische Momente„Sich zu spüren, das tut gut“

Triathlet Daniel Busch, 34, über seine Heroinsucht und wie er ihr davonlief
SPIEGEL: Wie lange waren Sie drogensüchtig?
Busch: Zehn Jahre lang. Ich habe mir so ziemlich alles reingezogen, Haschisch, Speed, Ecstasy, Kokain. Irgendwann hing ich dann an der Nadel.
SPIEGEL: Wie oft haben Sie versucht, davon loszukommen?
Busch: Mehrfach, aber ich bin immer wieder rückfällig geworden. Bis ich in eine Einrichtung am Bodensee kam, in der Laufen ein Baustein in der Therapie war.
SPIEGEL: Erinnern Sie sich an den ersten Lauf?
Busch: Der war schlimm. Denn ich war nicht der typische abgemagerte Junkie, sondern wog 130 Kilo, verursacht durch das Methadon. Wir sind circa vier Kilometer gelaufen, mit Gehpausen. Mir haben die Gelenke wehgetan, ich war völlig außer Atem. Danach habe ich gesagt: nie wieder.
SPIEGEL: Es ganz kam anders. Warum?
Busch: Zur Therapie gehörte auch ,Willensschulung'. Wir sollten Vorsätze fassen. Die Therapeuten haben mich motiviert, mich auf drei Läufe die Woche festzulegen. Und das habe ich tatsächlich durchgezogen.
SPIEGEL: Was hat das Laufen mit Ihnen gemacht?
Busch: Ich bekomme dabei meine Gedanken sortiert, finde Lösungen für Probleme, grüble dadurch nicht mehr so viel. Außerdem nahm ich damals ziemlich schnell ab. Und ich habe gemerkt, dass ich talentiert, schnell bin. Schon nach 6 Wochen bin ich 10 Kilometer in 50 Minuten gelaufen.
SPIEGEL: In den vergangenen vier Jahren haben Sie mehr als 100 Wettkämpfe absolviert. Ist Laufen zur Ersatzdroge geworden?
Busch: Sucht hat immer etwas Negatives. Damit schadet man sich und anderen. Mit Heroin habe ich mich betäubt. Sport ist das genaue Gegenteil. Da bin ich aktiv, da spüre ich mich. Das ist neu, und das tut gut.
SPIEGEL: Im Juli haben Sie Ihren ersten Ironman absolviert. Was war das für ein Gefühl?
Busch: Ich war stolz. Darauf hatte ich hintrainiert. Mein nächstes Ziel ist es, mich für den Ironman auf Hawaii zu qualifizieren.
SPIEGEL: Wie lange sind Sie jetzt clean?
Busch: Fünf Jahre. Meine Familie und alte Freunde können das manchmal gar nicht glauben. Die hatten mich schon abgeschrieben.
Von Win,

DER SPIEGEL 48/2017
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