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DER SPIEGEL

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Die Hundert-Tage-Bilanz der Regierung kann sich sehen lassen.
Wie es bewährte journalistische Praxis ist, gebührt auch der geschäftsführenden Bundesregierung eine Hundert-Tage-Bilanz. Normalerweise werden geschäftsführende Regierungen rasch vergessen, weil sie nach wenigen Wochen von einer hauptamtlichen abgelöst werden. Bei der Regierung Merkel 3½ ist das nicht der Fall.
An ihrer Spitze steht eine Kanzlerin, die Politik längst erfolgreich vom Konkreten ins Transzendente überführt hat. Als Gegenpol rast Außenminister Gabriel derzeit wie ein Duracell-Hase durch die Welt. Regiert wird auch. Gerade hat die Regierung das Streckennetz für Lang-Lkw ausgeweitet. Die Wirtschaft läuft, ach was, sie kesselt. Es ist der vielleicht beste Start, den eine Regierung Merkel je hingelegt hat.
Selbst eine Koalitionskrise, die zu jeder lebendigen Regierung gehört, hat man bereits erfolgreich gemeistert, als nämlich der Landwirtschaftsminister mit dem Namen, den man immer vergisst, dem Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat in Brüssel einen Freibrief gab. Das war allein demokratietheoretisch löblich, weil der Bürger nun sieht, dass sich CDU, CSU und SPD in einer Großen Koalition doch voneinander abgrenzen können.
Sogar innovativ ist die Regierung Merkel 3½. Wenn die Kanzlerin mittwochs mit ihren zwölf Ministern und Ministerinnen zusammensitzt, tagt das kleinste Kabinett seit Jahrzehnten. Auf dem Weg zum schlanken Staat wurde sogar schon der Finanzminister eingespart. So kann es gern weitergehen. Wir freuen uns auf die nächsten hundert!
Von Markus Dettmer

DER SPIEGEL 3/2018
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