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DER SPIEGEL

Früher war alles schlechterPest auf Madagaskar

Wir lagen vor Madagaskar. Wenn man das Wort "Pest" hört, denkt man ans Mittelalter, an Aderlass, an Knechte, die mit Schubkarren durch die Gassen ziehen, um die Toten aufzusammeln. Geschätzte Opferzahl in Europa zwischen 1347 und 1351: etwa 25 Millionen Menschen. Man denkt vielleicht auch an das Seemannslied, das der Mainzer Just Scheu 1934 schrieb und das Generationen von deutschen Schülern seither mit Hingabe sangen – "und täglich ging einer über Bord". Wie 500 Jahre zu spät wirkt deshalb ein Satz wie dieser: "Über Madagaskar fegt eine beispiellose Pestepidemie hinweg"; tatsächlich stammt er aus der "Süddeutschen Zeitung" vom 2. November 2017. Der Schwarze Tod lebt, auch im Kongo und in Peru kam es in der jüngeren Vergangenheit wiederholt zu Fällen, ja sogar in den USA. Das Erschreckende an der Nachricht vom letztjährigen Ausbruch auf Madagaskar war, dass sich die extrem ansteckende Lungenpest, übertragbar von Mensch zu Mensch und unbehandelt fast immer tödlich, in der dicht besiedelten Hauptstadt ausbereitete. Die gute Nachricht: Die Medizin ist selbst einem solchen Szenario mittlerweile gewachsen. Die WHO hat aus den Erfahrungen mit Ebola gelernt und dämmte die Seuche ein, indem sie deren Spur verfolgte und schnell jene Menschen ausfindig machte, die mit den Befallenen in Kontakt gewesen waren. Diese erhielten prophylaktisch Antibiotika. Ende November erklärte die Regierung den Ausbruch für beendet. 2417 Menschen hatten sich bis dahin angesteckt, 209 starben. maik.grossekathoefer@spiegel.de

DER SPIEGEL 4/2018
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