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DER SPIEGEL

Medizin„Ich esse so viele Ballaststoffe wie möglich“

Der Mikrobiologe Liping Zhao, 56, von der Rutgers University in New Jersey über Bakterien, die den Darm gesund machen und sogar gegen die Zuckerkrankheit helfen
SPIEGEL: Im Wissenschaftsjournal "Science" beschreiben Sie, wie Sie Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 entweder die Standarddiät für Diabetiker verabreichten oder eine Kost, die reich an Ballaststoffen war. Was hat die Vergleichsstudie ergeben?
Zhao: Nach zwölf Wochen hatten die Patienten der Ballaststoff-Gruppe einen niedrigeren Blutzuckerspiegel als die Standard-Patienten. Auch hatten sie, bei ähnlicher Kalorienzufuhr, mehr Körpergewicht verloren.
SPIEGEL: Was genau machen die Ballaststoffe im Körper?
Zhao: Sie fördern die Vermehrung einer bestimmten Schar von Darmbakterien. Diese stellen aus Ballaststoffen kurzkettige Fettsäuren her, die ihrerseits die Produktion bestimmter Hormone in Darmzellen ankurbeln. Das steigert die Insulinherstellung. Außerdem machen die kurzkettigen Fettsäuren das Milieu im Darm saurer. Dadurch wird es für krank machende Bakterien unwirtlich.
SPIEGEL: Wer gehört denn zu dieser Schar der guten Bakterien?
Zhao: Wir zählten 15 Bakterienstämme. Diese gehören zu unterschiedlichen Mikrobengruppen, aber sie arbeiten gemeinsam, um die Ballaststoffe zu verwerten. Man kann von einer ökologischen Gilde sprechen. Indem man diese Gilde durch eine personalisierte Ernährungsweise gezielt stärkt oder wiederherstellt, könnte man in Zukunft Diabetes mellitus Typ 2 behandeln.
SPIEGEL: Wie ernähren Sie sich?
Zhao: So, dass ich und meine guten Bakterien die nötigen Nährstoffe bekommen. So viele Ballaststoffe wie möglich aus vielen verschiedenen Nahrungsmitteln – das ist gut für unsere Gesundheit.
Von Ble

DER SPIEGEL 11/2018
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