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DER SPIEGEL

SlowakeiKalkuliertes Bauernopfer

Robert Fico war schon immer ein politischer Pragmatiker. Nun hat er sich sogar selbst als Bauernopfer angeboten, um seiner Partei Smer die Macht zu erhalten. Fico ist als Premier zurückgetreten, dafür gibt es keine Neuwahlen, und er durfte seinen Vertrauten Peter Pellegrini zum Ministerpräsidenten küren. So lautet die Absprache mit Präsident Andrej Kiska und Ficos Koalitionspartnern. Nicht erst seit dem mutmaßlichen Mafia-Mord an dem Investigativjournalisten Ján Kuciak Ende Februar ist Fico zur Projektionsfläche für die Unzufriedenheit der Slowaken geworden. Fico steht für die gesamte in den Augen der Bevölkerung korrupte Politikerklasse. Nach sechs Jahren an der Macht gilt er zudem als amtsmüde und reformlahm. Seine Zustimmungswerte fielen allein in den vergangenen Wochen dramatisch. Zuletzt misstrauten ihm mehr als 60 Prozent. Nach dem Abgang wird Fico trotzdem weiter regieren, aus der Parteizentrale heraus, quasi vom Rücksitz aus – unauffällig, aber effektiv. Innerhalb der Smer ist Fico unangefochten. Und von außen droht kaum Gefahr: Die Oppositionsparteien sind zerstritten und reichen Umfragen zufolge nicht an Ficos Truppe heran.
Von Jpu

DER SPIEGEL 12/2018
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