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DER SPIEGEL

ZEITGESCHICHTETausende Exekutionen

Die Sowjets haben nach dem Zweiten Weltkrieg weit mehr Deutsche in ihrer Besatzungszone hingerichtet als bisher angenommen. Dem Dresdner Historiker Klaus-Dieter Müller zufolge belegen Moskauer Unterlagen, dass die Sowjets zwischen 1945 und 1953 6000 bis 8000 Deutsche hingerichtet haben. Bisher gingen Historiker von einigen hundert Fällen aus. Stalin hatte während des Vormarsches der Roten Armee 1944/45 in Osteuropa und den ehemaligen deutschen Ostgebieten mehr als 200 000 deutsche Zivilisten verhaften lassen und zur Sklavenarbeit gezwungen. In ihrer Besatzungszone nahmen die Sowjets später noch einmal so viele Personen fest. Stalins Innenminister Lawrentij Berija hatte im Geheimbefehl Nr. 00315 angeordnet, verdächtige Personen, wie etwa aktive NSDAP-Mitglieder oder Journalisten, zu verhaften. Sowjetische Militärtribunale verurteilten ungefähr 60 000 Menschen wegen angeblicher NS-Vergehen oder so genannter Verbrechen gegen die Besatzungsmacht und die DDR. Mindestens ein Fünftel davon starb an den Haftbedingungen oder wurde hingerichtet.

DER SPIEGEL 26/2000
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