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DER SPIEGEL

VERFILMUNGENBeckett vor der Kamera

Weltbekannte Regisseure verfilmen derzeit alle 19 Theaterstücke des irischen Dramatikers Samuel Beckett (1906 bis 1989). Erdacht wurde dieses Großprojekt vom Dubliner Theaterdirektor Michael Colgan, der unter anderem den Briten Anthony Minghella ("Der englische Patient"), den Iren Neil Jordan ("Interview mit einem Vampir"), den Amerikaner David Mamet ("Oleanna") und den Kanadier Atom Egoyan ("Felicia, mein Engel") dafür gewinnen konnte, Werke des kryptischen Nobelpreisträgers auf Film zu bannen. Vor der Kamera agieren Stars wie John Gielgud (in seiner letzten Rolle), Jeremy Irons und Kristin Scott Thomas. Mehr als die Hälfte der Adaptionen ist schon abgedreht, darunter Jordans "Not I", eine 13-minütige Tour de Force, in der ununterbrochen der Mund der US-Schauspielerin Julianne Moore in Großaufnahme zu sehen ist. Becketts Nachlassverwalter stimmten dem Projekt nur unter der Bedingung zu, dass die Originaltexte und auch die Regievorgaben des Autors streng beachtet würden. "Wenn Beckett ,Strand' sagt", sagt Colgan, "dann muss es einen Strand geben." Bis zum Jahresende soll die einzigartige Leinwandbibliothek (Gesamtbudget rund sechs Millionen Dollar) komplett sein. Geplant sind TV-Ausstrahlungen, aber auch die Auswertung auf der Leinwand, bei Film- und Theaterfestivals und auf Video.

DER SPIEGEL 29/2000
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