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DER SPIEGEL

Am RandeHolmes ohne Alibi

Schlimm genug, dass Sherlock Holmes bösartig verdächtigt wurde: Er habe, verbreiteten niedere Kreise, den zu seiner Zeit aktuellen Fall "Jack the Ripper" deshalb nicht aufgegriffen, weil er selbst der Frauenkiller war. Nun gerät auch Holmes' Schöpfer ins Gerede, Sir Arthur Conan Doyle. Ein Brite, der mal als Psychologe, mal als Leichenbestatter bezeichnet wird, will herausgefunden haben, dass Dr. Doyle nicht nur ein gewissenloser Plagiator war, sondern auch noch den Mann, bei dem er abgeschrieben habe, einen Mr. Robinson, mit Hilfe der Opiumtinktur "Laudanum" zu Tode brachte - assistiert von dessen Gattin, die, natürlich, Dr. Doyles Geliebte war.
Literarischer Anlass ist Doyles Meisterstück "Der Hund von Baskerville" - doch Doyle hatte nie verhehlt, dass er "Idee" und "Details" des Holmes-Krimis jenem Mr. Robinson verdankte, der auch noch zugab, Geld dafür bekommen zu haben. Also warum den Mann vergiften? Robinson starb, offiziell, an Typhus im Januar 1907. Im selben Jahr heiratete Doyle seine zweite Frau, und die hieß nicht Mrs. Robinson, sondern Jean Leckie. Also fehlt auch das Motiv, um per Mord an dessen Frau zu kommen.
Bleibt die Philosophie. Sir Arthur legt seinem Helden in den Mund: "Wenn man das Unmögliche ausschließt, muss das, was übrig bleibt, so unwahrscheinlich es auch sein mag, die Wahrheit sein." Und so könnte es doch sein, dass Sherlock Holmes des Nachts als "Jack the Ripper" umherstreifte: Er wohnte damals allein in der Baker Street, weil sein Lebensgefährte Dr. Watson, wieder mal, geheiratet hatte.

DER SPIEGEL 38/2000
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