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DER SPIEGEL

GESTORBENGregory Peck

Gregory Peck , 87. "Ich glaube nicht, dass Gregory Peck einen englischen Rechtsanwalt darstellen kann", lästerte Alfred Hitchcock, "ein englischer Anwalt ist hoch gebildet und gehört der Oberklasse an." Ironie der Filmgeschichte: Ausgerechnet für seine Rolle als aufrechter SüdstaatenAnwalt im Rassendrama "Wer die Nachtigall stört" (1962) gewann Peck einen Oscar. Pecks Karriere in Hollywood hatte während des Zweiten Weltkriegs begonnen, als Männer in den Studios knapp waren. Ihm selbst war der Militärdienst wegen einer Rückenverletzung erspart geblieben; sein leicht steifer Gang sollte bald ebenso zum Markenzeichen werden wie seine Wandlungsfähigkeit. 1,90 Meter groß und lange als einer der schönsten Männer Hollywoods verehrt und verspottet, spielte er sich in mehr als 50 Filmen durch alle Genres: Western ("Duell in der Sonne", "Weites Land"), Abenteuerfilme ("Des Königs Admiral"), Thriller ("Kap der Angst"), romantische Komödien ("Ein Herz und eine Krone"). "Irgendetwas in mir sträubt sich gegen Typisierung", bekannte er. Gemessen an den Usancen der Glamourbranche lebte Peck ungewöhnlich zurückhaltend (zwei Ehen, keine Klatschgeschichten); vor der Kamera hätte er wohl manchmal gern mehr Emotionen gezeigt - mit seiner eindrucksvollsten Leistung, als besessener Kapitän Ahab in John Hustons "Moby Dick" (1956), war er später unzufrieden: "Ich war nicht verrückt genug." Gregory Peck starb in der Nacht zum 12. Juni in Los Angeles.

DER SPIEGEL 25/2003
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