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DER SPIEGEL

USAHoffnung für New Orleans

Während sich die Stadtverwaltung von New Orleans an den Aufbau der zerstörten Metropole macht, müht sich Präsident George W. Bush, seine durch den Hurrikan Katrina angeschlagene Popularität wiederherzustellen. Bei einem Appell an die Nation wollte er am vorigen Donnerstag Optimismus verbreiten und zugleich Inkompetenz und chaotisches Krisenmanagement vergessen lassen. Ausgerechnet Bush, der als gradlinig, volksnah und zupackend gilt, musste erleben, dass er als gefühllos, arrogant und zaudernd gerügt wurde - ein Präsident im Weißen Haus, isoliert von den Problemen des Landes. Die Sintflut, bei der nach vorläufiger Zählung mehr als 710 Menschen umkamen, bringt nicht nur die republikanische Agenda im Kongress durcheinander, bei der es um Steuerkürzungen und den Umbau der Krankenversicherung geht. Die Katastrophe dürfte auch - wie der Irak-Krieg - die zweite Amtszeit des Präsidenten überschatten. Gerade deshalb hatte Bush New Orleans zur Chefsache gemacht: Er reiste viermal in die verwüstete Region, schickte Ehefrau Laura und seinen Stellvertreter Richard Cheney zu Goodwill-Besuchen. Dann berief er einen neuen Mann an die Spitze der Katastrophenagentur Fema, die völlig versagt hatte, und übernahm - "soweit es die Regierung in Washington betrifft" - die "persönliche Verantwortung für die ernsthaften Probleme in unserem Reaktionsvermögen". Eine unabhängige Untersuchungskommission lehnte der Senat Mittwoch mit seiner republikanischen Mehrheit ab.
Mittlerweile sinken - auch dank des Technischen Hilfswerks und deutscher Spezialpumpen - die Wasserstände. Vielleicht könnten viele Bürger schon an diesem Montag in die von der Flut verschonten Regionen zurückkehren, kündigte Bürgermeister Ray Nagin an und hofft auf die Wiedergeburt seiner Stadt New Orleans: "Ich habe es satt, den Hubschrauberlärm zu hören", sagte er. "Ich möchte wieder Jazz-Musik hören."

DER SPIEGEL 38/2005
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