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DER SPIEGEL

GESTORBENKurt Waldheim

Kurt Waldheim , 88. Als "Österreicher, dem die Welt vertraut" warb der ehemalige Uno-Generalsekretär noch im Frühjahr 1986 bei den Präsidentschaftswahlen in seinem Heimatland - da waren die Enthüllungen über seine Kriegsvergangenheit schon längst publik. Dass er Verbindungsoffizier der Reichswehr in Jugoslawien gewesen war, als Mitglied einer Einheit, die Juden deportiert und Partisanen erschossen hatte, hatte er lange unterschlagen. Er wurde trotzdem gewählt. So blieb der hagere Jurist mit den aristokratischen Gesichtszügen als Staatsoberhaupt international isoliert. Die USA erklärten ihn zur unerwünschten Person, Margaret Thatcher weigerte sich, nach Wien zu fliegen, und auch andere hochrangige Politiker mieden den Kontakt. Die wenigen Staatsbesuche, die Waldheim im Ausland machen konnte, führten ihn vor allem in die arabische Welt. Trotzig residierte der Lehrersohn sechs Jahre als einsamer Mann in der Hofburg. Der Fall Waldheim blieb in der Alpenrepublik nicht ohne Auswirkungen: Eine ehrliche Auseinandersetzung mit der eigenen NS-Vergangenheit bewirkte, dass sich Österreich nicht länger als "erstes Opfer" Hitlers und des Nationalsozialismus betrachtete. Eine Einsicht, die den greisen Altbundespräsidenten freilich nicht erreichte. Er kämpfte bis zuletzt für seine moralische Rehabilitation. Kurt Waldheim starb am 14. Juni in Wien.

DER SPIEGEL 25/2007
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