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DER SPIEGEL

LEGENDENDie Welttournee des fünften Beatle

Im Tennis hatten die Deutschen Boris Becker, der es in die absolute Weltspitze schaffte, und auch im Pop gab es einen, der ganz oben dabei war: Klaus Voormann. In Berlin geboren, lernte er 1960 im Kaiserkeller auf St. Pauli die Beatles kennen, er spielte ein bisschen bei ihnen mit, seine damalige Freundin fotografierte die Liverpooler, frisierte sie und verpasste ihnen die Pilzköpfe. Voormann zeichnete später für die Beatles das weltberühmte Cover der "Revolver"-LP, spielte den Bass in John Lennons Plastic Ono Band, genauso wie später auf Alben von George Harrison, Lou Reed oder B. B. King. Er war der klassische Sideman, derjenige, den man anrufen konnte und der tags darauf mit seinem Bass im Studio oder auf der Bühne stand. Anlässlich seines 70. Geburtstags im vergangenen Jahr reiste Voormann zehn Monate lang um die Welt und suchte einige seiner früheren Weggefährten auf. Das Ergebnis sind sieben großartige Sessions an sechs unterschiedlichen Orten, zusammengefasst auf dem Album "A Sideman's Journey", das Anfang Juli erscheint: eine Session mit Paul McCartney bei ihm zu Hause in East Sussex, eine andere mit Cat Stevens in London, in Los Angeles mit Ringo Starr oder in Hamburg mit Dr. John. Voormann nahm mit seinen Freunden noch einmal jene Songs auf, die ihm in den vergangenen knapp 50 Jahren besonders viel bedeutet haben. Mit McCartney etwa den Fats-Domino-Song "I'm in Love Again" - das erste Stück, das Voormann mit den Beatles gespielt hatte, damals, 1961, auf der Bühne des Top-Ten-Clubs auf der Reeperbahn. Den Spaß, den diese Sessions bereitet haben müssen, hört man den Aufnahmen an. Auf einer gleichzeitig erscheinenden Making-of-DVD macht es große Freude zu sehen, wie herzlich diese Freunde - viele im siebten Lebensjahrzehnt, aber überaus rüstig - miteinander umgehen, wie sehr sie die Erinnerung an die Tage der Drogen und Revolte verbindet. Sogar Paul McCartney wirkt sympathisch. Für jeden, der den Ex-Beatle einmal interviewt hat, ist das eine schier unglaubliche Überraschung.

DER SPIEGEL 24/2009
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