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DER SPIEGEL

KARMANNDogmatische Entscheidung?

Die Entscheidung des Bundeskartellamts, eine Übernahme der Dachsystemsparte des insolventen Autozulieferers Karmann durch den österreichisch-kanadischen Spezialisten Magna zu untersagen, stößt auf Kritik bei der Gewerkschaft IG Metall. "Das Bundeskartellamt ist mit dieser Entscheidung in seinen eigenen Kategorien gefangen", sagt der IG-Metall-Bezirksleiter von Niedersachsen, Hartmut Meine. "Dieser dogmatische Beschluss wird zur Konsequenz haben, dass nun genau das passieren wird, was das Kartellamt zu verhindern versucht." Die Behörde verbot die Übernahme mit der Begründung, der Zusammenschluss von Magna und Karmann hätte "in einem bereits hochkonzentrierten Markt dazu geführt, dass europaweit nur noch zwei große Anbieter von Cabrio-Dachsystemen existierten". Niedersachsens IG-Metall-Chef Meine argumentiert, dass die Dachsparte Karmanns nun womöglich abgewickelt werde und damit ebenfalls nur zwei große Hersteller für Cabrio-Systeme übrig blieben: Magna und Konkurrent Webasto Edscha. Dass der zwischenzeitliche Interessent, der spanische Zulieferer CIE Automotive, noch zuschlägt, scheint unwahrscheinlich. Große Hersteller wie Daimler und BMW haben in Schreiben an das Kartellamt signalisiert, dass sie die Magna-Karmann-Variante favorisieren und mit CIE wohl nicht zusammenarbeiten werden. Letzte Rettungsvariante wäre eine Ministererlaubnis des Bundeswirtschaftsministers Rainer Brüderle.

DER SPIEGEL 22/2010
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