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DER SPIEGEL

PersonalienKarl Lauterbach

Karl Lauterbach, 47, SPD-Gesundheitsexperte, hatte einen extrem schlechten Start in den Sommerurlaub. Auf seinem Easyjet-Flug in der vergangenen Woche von Berlin nach Lissabon erlitt ein Passagier einen schweren epileptischen Anfall. Medizinprofessor Lauterbach versuchte gemeinsam mit einem anderen Arzt, Erste Hilfe zu leisten. Das Problem: "Unglaublicherweise gab es an Bord keine Ausrüstung, um einen solchen Notfall behandeln zu können", sagt Lauterbach. Weder ein Gerät zur Blutdruckmessung, noch zur Beatmung oder Zuckermessung sei vorrätig gewesen. "Das ist unverantwortlich", sagt der Politiker, "und gehört bei anderen Fluggesellschaften zur Standardausrüstung." Verpflichtet sind die Unternehmen dazu nicht. Vorgeschrieben ist bei europäischen Flügen, die über 60 Minuten dauern, lediglich ein einfacher Erste-Hilfe-Koffer. Viele Airlines stocken die Ausrüstung aber freiwillig auf. Lufthansa zum Beispiel führt sowohl ein Blutdruckmessgerät als auch Beatmungsmasken mit. Eine Londoner Sprecherin von Easyjet äußerte sich nur zurückhaltend zu den Vorwürfen. Die rechtlich vorgeschriebenen Erste-Hilfe-Koffer seien auf allen Easyjet-Flügen an Bord, dem Patienten sei nach einem Zwischenstopp optimal geholfen worden. Lauterbachs Maschine musste in Paris notlanden, der Patient erholte sich im Krankenhaus. "Das hätte auch ganz anders ausgehen können", sagt Lauterbach. "Man kann Easyjet nur solchen Passagieren empfehlen, die sich ihrer eigenen Gesundheit vollkommen sicher sind."

DER SPIEGEL 32/2010
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