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DER SPIEGEL

KASACHSTANTeurer Rat von Blair

Um Reformen in seinem Land voranzutreiben, hat Präsident Nursultan Nasarbajew, 71, einen prominenten Berater engagiert: den Briten Tony Blair. Der Ex-Premier, der als Nahost-Vermittler wenig Fortune hat, ist nur einer von mehreren ehemaligen Präsidenten und Regierungschefs, die bei Nasarbajew unter Vertrag stehen: Dem kasachischen Autokraten dienen schon Aleksander Kwaśniewski (Polen), Romano Prodi (Italien) und Alfred Gusenbauer (Österreich). Die Politiker sollen mit ihren Kontakten westliche Konzerne ins Land locken.
Mit der Verpflichtung namhafter Ausländer will Nasarbajew offenbar der Bevölkerung zugleich beweisen, dass sich die Welt um Kontakte mit dem früheren Nomadenland reißt. Das kasachische Außenministerium bestätigte Blairs Zusage - jedoch nicht, was der "Daily Telegraph" herausgefunden haben will: Demnach soll der Brite jährlich neun Millionen Euro erhalten. Von Oppositionellen in Kasachstan wird Blairs enger Kontakt zu Nasarbajew, der seit 20 Jahren regiert und sich unbegrenzt wiederwählen lassen darf, sarkastisch kommentiert: Da der Brite als Premier schon mit dem libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi hervorragend kooperiert habe, werde auch die Zusammenarbeit mit dem Herrscher in Astana gut klappen.

DER SPIEGEL 44/2011
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