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DER SPIEGEL

GROSSBRITANNIENGeheime Euro-Pläne

Auf konspirative Weise hat Tony Blair in seiner zweiten Amtszeit als Premierminister versucht, den Euro im Vereinigten Königreich einzuführen. Im Jahr 2002, so berichtet Blairs früherer Europaminister Peter Hain in seinen jetzt erschienenen Memoiren, habe Blair ihn und einige Getreue beauftragt, heimlich ein Referendum über die Einführung der Gemeinschaftswährung bis 2005 vorzubereiten. Oberste Maßgabe: Schatzkanzler Gordon Brown durfte nichts davon erfahren. Hains Truppe sammelte bei europhilen Geschäftsleuten mehr als 200 000 Pfund ein, um das Verhältnis der Briten zum Euro zu ergründen. Ergebnis: Eine Volksabstimmung wäre nicht aussichtslos gewesen, aber sehr heikel. Eine Weile überlegte die Gruppe, ob sie eine nur scheinbar regierungsferne Kampagne für den Euro organisieren sollte. Später entschied sie sich dagegen, aus Furcht, die Kontrolle über die Bewegung zu verlieren. Am Ende wurde nichts aus dem Referendum - Blair wagte es nicht, seinen parteiinternen Widersacher Brown mit dem Thema zu konfrontieren.

DER SPIEGEL 5/2012
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