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DER SPIEGEL

GEDENKFEIERNDicker Kopf

Der Punk-Rocker Campino von den "Toten Hosen" über das 1000. Konzert der Band, Fortuna Düsseldorf und Fitneß
SPIEGEL: Sie geben am Samstag dieser Woche ihr 1000. Konzert - wer zählt so was?
Campino: Die ersten Konzerte, weiß man alle, die sind wie Kerben im Colt. Konzert Nummer 624 - keine Ahnung. Aber vor eineinhalb Jahren, bei Konzert 900, haben wir gesagt: "Jungs, Konzert Nummer 1000 nicht verpennen! Da hat Breiti, unser Gitarrist, der auch die Gruppenkasse verwaltet, angefangen mitzuzählen.
SPIEGEL: Ist Bis-1000-Zählen noch Punk-Rock?
Campino: Keine Ahnung. Aber So-tun-alsob, das ist definitiv Punk-Rock.
SPIEGEL: Sie haben einmal stolz behauptet, schon drei Akkorde zu beherrschen ...
Campino: ... mittlerweile, sagen die anderen aus der Band, hat sich unser musikalisches Niveau verdoppelt.
SPIEGEL: Im Rheinstadion warten 65 000 Fans auf Sie. Endlich ist der Kasten mal wieder ausverkauft.
Campino: So voll war es zuletzt bei den Drei Tenören im vergangenen Jahr. Unser Fußballklub Fortuna Düsseldorf schafft das schon lange nicht mehr. Aber wir gehen trotzdem hin und essen unsere Wurst. Fortuna ist einer der wenigen Vereine, bei dem man das Gefühl hat: "Mit mir wär' das da unten auch nicht schlimmer."
SPIEGEL: Keith Richards von den Rolling Stones hat einmal gesagt, er gehe davon aus, daß ihn seine Jungs notfalls im Rollstuhl auf die Bühne schieben. Wird es für Sie Konzert 2000 geben?
Campino: Wenn wir dann noch über uns lachen können, bin ich dabei. Außerdem hat uns jetzt die Fitneßbewegung, vor 17 Jahren in den USA gestartet, voll erwischt. Irgendwann hat man die Nase voll, mit dickem Kopf aufzuwachen und wieder den halben Tag verschlafen zu haben.
Von Hüetlin und

DER SPIEGEL 26/1997
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