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DER SPIEGEL

URHEBERRECHTEWem gehört Sherlock Holmes?

Es ist ein Rätsel, das selbst der Meisterdetektiv Sherlock Holmes nicht auf Anhieb lösen könnte: die Frage, wer eigentlich heute die Rechte an der Figur besitzt und mit dem berühmten Namen Geld verdienen darf. Holmes' Erfinder, der Schriftsteller Arthur Conan Doyle, starb 1930; im Namen seiner Nachfahren verwaltet eine Firma, die Conan Doyle Estate Ltd., mit Sitz in Großbritannien das Erbe und treibt Lizenzgebühren ein - etwa bei Produzenten von Holmes-Kinofilmen oder für die neuen BBC-Adaptionen. Dabei seien die Urheberrechte an den meisten Holmes-Geschichten bereits erloschen, sagt der Amerikaner Leslie S. Klinger, ein Rechtsanwalt und Autor mehrerer Bücher über den Detektiv. Klinger hat jetzt Klage vor einem Gericht in Chicago eingereicht, um die Rechtslage klären zu lassen. Konkret geht es um das von Klinger herausgegebene Buch "In the Company of Sherlock Holmes", eine Sammlung neuer Texte verschiedener Autoren, inspiriert von den alten Originalen. Conan Doyle Estate Ltd. hatte im Dezember 2012 Klingers US-Verlag Pegasus Books den Vertrieb des Buchs untersagt, solange keine Lizenzgebühren geflossen seien. Für sein Vorgängerbuch, "A Study in Sherlock", hatte Klinger im Jahr 2011 den Doyle-Erben 5000 Dollar gezahlt, schon damals eher widerwillig. "Genug ist genug", sagt Klinger jetzt. Er hofft, das Gericht werde sich seiner Auffassung anschließen und urteilen, dass ein Großteil von Doyles Werk mittlerweile gemeinfrei sei, also keinen Urheberrechtsschutz mehr genieße.

DER SPIEGEL 9/2013
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