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Sport

USA bei der Basketball-WM

Einer aus 54

Wenn die USA im WM-Viertelfinale gegen Frankreich antreten, ist mit Derrick White nur noch ein Spieler dabei, der dem Team zur Qualifikation verholfen hatte. Die übrigen 53 dürfen nur zuschauen. Schuld ist die Fiba.

WU HONG/EPA-EFE/REX

Derrick White ist der einzige Spieler im WM-Aufgebot der USA, der auch in der Qualifikation zum Einsatz gekommen war

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Mittwoch, 11.09.2019   10:37 Uhr

Für die Nationalmannschaft zu spielen ist eine ehrenvolle Aufgabe. Es ins Team USA zu schaffen, ist für US-Basketballer die ultimative Auszeichnung. Doch für Dutzende US-Profis hatte eine Nominierung in den vergangenen eineinhalb Jahren einen gewaltigen Haken, denn sie bekamen eine undankbare Aufgabe: die WM-Qualifikation spielen, obwohl schon feststand, dass sie selbst nicht für das Turnier nominiert werden.

Denn für die Weltmeisterschaft vertrauen die US-Amerikaner nur ihren etablierten NBA-Profis. Und so sind 53 der 54 Spieler, die in der Qualifikation zum Einsatz gekommen waren, am Mittwoch zum Zuschauen verdammt, wenn es für Titelverteidiger USA im Viertelfinale gegen Frankreich geht (13 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV und Stream: MagentaSport). Aus dem WM-Kader war einzig Derrick White auch in der Qualifikation im Einsatz. Allerdings nur, weil er von seinem NBA-Klub für zwei Partien abgestellt worden war.

Schuld daran ist auch der Weltverband Fiba, der vor der WM den Qualifikationsmodus grundlegend reformierte. Es wurden Länderspiel-Fenster geschaffen, wie sie unter anderem aus dem Fußball bekannt sind. Die nationalen Ligen müssen für die Partien ihre Saison unterbrechen, die beiden besten Ligen der Welt, die NBA und die Euroleague, machen nicht mit. Und so blieben die besten Spieler bei ihren Klubs, während die zweite oder dritte Garde der Top-Nationen in der Qualifikation ranmusste. Die USA sind dabei noch gut weggekommen, Europameister Slowenien qualifizierte sich ohne seine NBA-Stars erst gar nicht für die WM.

Deutsches Team ebenfalls betroffen

Auch bei der deutschen Mannschaft kam es zu Härtefällen. Bastian Doreth und Karsten Tadda liefen zwar in allen zwölf Qualifikationsspielen auf, trotzdem wurden sie nicht einmal für den vorläufigen Kader nominiert. "Es war nicht unsere Idee, dass der Modus so sein würde", sagte Bundestrainer Henrik Rödl dem SPIEGEL vor der WM. Allen Spielern sei vorher mitgeteilt worden, dass eine solche Situation eintreten könne. "Gespräche mit Spielern zu führen, die dann nicht dabei sind, ist ein Teil meiner Arbeit, der nicht besonders schön ist."

picture alliance/ DPA

Bastian Doreth (r.) in der Qualifikation gegen Griechenland

Das bestätigt auch Doreth, der schon vor der EM 2017 als letzter Spieler gestrichen worden war, dem SPIEGEL. "Es war ein sehr kurzes Gespräch. Ich hatte damit schon ein wenig gerechnet und habe das dann so hingenommen", sagte der Profi vom Medi Bayreuth. "Auch, weil ich gemerkt habe, dass das dem Bundestrainer nicht leichtgefallen ist." Natürlich wäre es schön gewesen, zumindest im vorläufigen Kader dabei zu sein. "Letztlich war es aber fair vom Bundestrainer zu sagen, dass er ältere Spieler nicht einlädt, wenn er schon weiß, dass es nicht reicht."

Warum der 30 Jahre alte zweifache Familienvater trotz dieser möglichen Situation in allen zwölf Qualifikationsspielen dabei war? "Als Sportler tritt man an, weil man von sich überzeugt ist. Und ich habe mir am Anfang der Qualifikation gesagt, ich will bei der WM dabei sein." Tatsächlich spielte Doreth in der Qualifikation eine große Rolle, war Co-Kapitän der Nationalmannschaft und Leistungsträger. "Deshalb empfinde ich mich auch als wichtigen Teil, damit das Team überhaupt in China dabei sein konnte."

Die Qualifikation als mögliches NBA-Sprungbrett

Bei den US-Amerikanern waren es andere Gründe, warum sie sich an die undankbare Aufgabe machten. Sie sahen die Qualifikationsspiele auch als Chance, sich profilieren zu können. Dennoch sei es nicht einfach gewesen, Spieler zu rekrutieren, sagte der Trainer des Qualifikationsteams, Jeff van Gundy: "Sie müssen eben entscheiden, was am besten für ihre Karrieren ist." Für einige war das Team USA tatsächlich ein Sprungbrett in die NBA, wirklich etablieren konnte sich aber kein Spieler.

Eine Lösung für die Situation ist indes nicht in Sicht. NBA und Euroleague wollen auch weiterhin keine Spieler abstellen, die Fiba hält an den Länderspiel-Fenstern fest. Und so werden auch bei künftigen Qualifikationsspielen wieder Profis aus der zweiten Reihe angefragt werden.

Für Deutschland ergibt sich dabei eine besondere Situation, als Ausrichter ist man sicher bei der EM 2021 dabei, in der Qualifikation tritt das Team dennoch außer Konkurrenz an. Keine reizvolle Aufgabe für einen Routinier. Wäre er dennoch wieder dabei, wenn sich der Bundestrainer bei ihm melden würde? "Damit habe ich mich noch nicht beschäftigt", so Doreth. Ausschließen will er es zumindest nicht. Zu groß ist der Reiz, das Nationaltrikot zu tragen.

insgesamt 3 Beiträge
valensine 11.09.2019
1. Erste Nominierungen waren dabei
Generell hat das Format der Teilnahme kompletter Nationalteams aber nicht geschadet. Beispiel Griechenland, welches mit den nigerianischen Brüdern Antetokounmpo und Spielern wie Calathes und Sloukas mit seiner besten Mannschaft [...]
Generell hat das Format der Teilnahme kompletter Nationalteams aber nicht geschadet. Beispiel Griechenland, welches mit den nigerianischen Brüdern Antetokounmpo und Spielern wie Calathes und Sloukas mit seiner besten Mannschaft aller Zeiten aufgetreten und bereits nach der Vorrunde ausgeschieden ist. Auch Serbien flog im Viertelfinale raus, trotz Spitzenaufgebot. Unsere Mannschaft war auch komplett und schied ebenso sehr früh aus. Das bedeutet also, dass die besten Aufstellungen nichts zu bedeuten haben und dass man auch mit dem B-Team durchaus weit kommt oder gar Weltmeister werden kann.
Berlin142 11.09.2019
2. Nicht die FIBA hat Schuld
sondern die Veranstalter der betroffenen Ligen. Die Entscheidung der FIBA ist ja nicht vom Himmel gefallen, sondern mit Landesverbänden & Co. erarbeitet. Dass z.B. für die NBA Geld mehr zählt, ist eher ein Aspekt, den es zu [...]
sondern die Veranstalter der betroffenen Ligen. Die Entscheidung der FIBA ist ja nicht vom Himmel gefallen, sondern mit Landesverbänden & Co. erarbeitet. Dass z.B. für die NBA Geld mehr zählt, ist eher ein Aspekt, den es zu kritisieren gilt. JT
TheDjemba 11.09.2019
3. Zum einen
Zum einen sind die Brüder Antetokounmpo keine Nigerianer. Sie hatten nie den nigerianischen Pass. Sie sind ganz klar Griechen. Zum anderen geht es in dem Artikel nicht darum, wie erfolgreich die Mannschaften dann [...]
Zitat von valensineGenerell hat das Format der Teilnahme kompletter Nationalteams aber nicht geschadet. Beispiel Griechenland, welches mit den nigerianischen Brüdern Antetokounmpo und Spielern wie Calathes und Sloukas mit seiner besten Mannschaft aller Zeiten aufgetreten und bereits nach der Vorrunde ausgeschieden ist. Auch Serbien flog im Viertelfinale raus, trotz Spitzenaufgebot. Unsere Mannschaft war auch komplett und schied ebenso sehr früh aus. Das bedeutet also, dass die besten Aufstellungen nichts zu bedeuten haben und dass man auch mit dem B-Team durchaus weit kommt oder gar Weltmeister werden kann.
Zum einen sind die Brüder Antetokounmpo keine Nigerianer. Sie hatten nie den nigerianischen Pass. Sie sind ganz klar Griechen. Zum anderen geht es in dem Artikel nicht darum, wie erfolgreich die Mannschaften dann tatsächlich in der WM sind, sondern dass diejenigen Spieler, die sich und ihr Land für die WM qualifiziert haben, gar nicht in der WM auflaufen. Und da besteht ein Missverhältnis, wenn von 54 US-Amerikanern, 53 nicht dabei sind bei der WM. Das sind ja dann nicht ein oder zwei Spieler, die fehlen, sondern alle. Und das ist dann eine Frage der Gerechtigkeit bzw. wird zu einer moralischen Frage. Denn es sind ja vordergründig nicht sportliche Gründe, sondern formelle, die USA haben sich ja ganz klar qualifiziert, nur dürfen diejenigen eben nicht mit, die das verantwortet haben.

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