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Sport

Großer Preis von Bahrain

"Leichte Beute"

Zweites Rennen der neuen Formel-1-Saison, zweites Fiasko für Ferrari: Charles Leclerc und Sebastian Vettel haben einen sicheren Doppelsieg aus der Hand gegeben. Davon profitiert einmal mehr Mercedes.

Lars Baron / Getty Images
Von
Sonntag, 31.03.2019   21:34 Uhr

Der Funkspruch des Rennens: Beim Großen Preis von Bahrain lief die 46. von 57 Runden. Charles Leclerc lag scheinbar komfortabel in Führung, als er sich über den Boxenfunk an sein Team wandte: "There is something strange with the engine" ("Da stimmt was nicht mit dem Motor"), sagte der 21-Jährige. Worte, die man als Formel-1-Fahrer möglichst nicht benutzen möchte.

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Formel 1: Das zweite Ferrari-Fiasko

Das Ergebnis: Das Drama nahm seinen Lauf. Leclerc fuhr plötzlich fast 40 Stundenkilometer langsamer als die Konkurrenz und musste die eigentlich schon geschlagenen Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas passieren lassen. Für Leclerc reichte es im kaputten Auto immerhin noch zu Platz drei. Hier geht es zum Rennbericht.

Die Szene des Rennens: Acht Runden vor Leclerc hatte sich schon sein Teamkollege Sebastian Vettel aus dem Kampf um die Spitzenplätze verabschiedet - und wie! Die beiden Ferraris schienen einem Doppelsieg entgegenzufahren, als Vettel von Weltmeister Hamilton überholt wurde und sich einen fatalen Fehler leistete. Der Deutsche drehte sich und zog sich dabei wohl einen Bremsplatten zu. Zumindest bestellte er an der Box sofort frische Reifen. Doch damit nicht genug: Wenig später flog ihm auch noch mit heftigem Funkenschlag der Frontflügel um die Ohren. Die Saison ist zwar noch jung, aber schon jetzt ist klar, dass dieses Bild in jedem Formel-1-Jahresrückblick auftauchen wird.

REUTERS

Erinnert ein bisschen an den Zeitsprung aus "Zurück in die Zukunft": Sebastian Vettel beim Großen Preis von Bahrain

Von Beginn an: Am Start lief für Vettel noch alles nach Plan. Der Vizeweltmeister ging von Platz zwei ins Rennen und zog noch vor der ersten Kurve an Leclerc vorbei, der sich zum ersten Mal die Pole Position gesichert hatte. Die ersten Runden zeigten gleich, dass der 999. Grand Prix der Formel-1-Geschichte ein besonders spektakulärer werden würde. Erst wurden Hamilton und Leclerc von Bottas überholt, dann leistete sich der Australien-Sieger einen Verbremser und musste nicht nur den Ferrari-Piloten, sondern auch Hamilton wieder passieren lassen. In der Folge war Leclerc deutlich schneller als Vettel und zog mit einem sauberen Manöver an seinem Teamkollegen vorbei. Racing vom Feinsten!

Keine Stallorder: Besonders beeindruckend am Duell zwischen Vettel und Leclerc war, dass es mit fairen Mitteln auf der Strecke ausgetragen wurde. Schon beim Saisonauftakt in Melbourne war Leclerc phasenweise schneller als der vor ihm fahrende Vettel, war aber noch von seinem Team zurückgepfiffen worden. Diesmal erhielt er die Erlaubnis, die nominelle Nummer eins bei Ferrari zu attackieren - und zeigte, dass er schon jetzt eher Vettels Konkurrent ist als nur sein "Wing Man".

Änderungen, die greifen: Haben die Formel-1-Verantwortlichen mit den Anpassungen vor dieser Saison tatsächlich mal etwas richtig gemacht? Breitere Flügel, weniger unterschiedliche Reifenmischungen - die neuen Vorgaben sollten dazu führen, dass die Abstände zwischen den Teams geringer werden, sodass es mehr Überholmanöver gibt. Zumindest in Bahrain ging der Plan auf. Das Feld war lange relativ eng zusammen, und es gab so viele packende Duelle, dass die Regie oft nicht wusste, wo sie als Erstes hinschalten soll.

"Leichte Beute": Am gesamten Wochenende war Ferrari deutlich schneller als Mercedes. Das zeigte sich auch im Rennen. Beim ersten Boxenstopp gelang es Hamilton zwar, Vettel mithilfe eines "Undercut" zu überholen - der Weltmeister kam eine Runde früher an die Box und zog dadurch am Deutschen vorbei. Doch auf der Strecke hatte der Brite nichts entgegenzusetzen. Als Vettel ihn wenig später mühelos überholte, funkte Hamilton an sein Team, er fühle sich wie eine "sitting duck", "leichte Beute" für den gefräßigen Ferrari. Später im Duell mit Leclerc sah es dann genau andersherum aus - aber auch nur, weil der Ferrari technische Probleme hatte.

Hülkenbergs Pech...: Einer der großen Gewinner des Tages hätte Nico Hülkenberg werden können. Der Deutsche war nach einem katastrophalen Qualifying von Platz 17 ins Rennen gegangen, hatte mit einem starken Start schnell fünf Plätze gut gemacht und sich in der Folge durchs Feld gearbeitet. Zwei Runden vor Schluss lag Hülkenberg auf dem sechsten Platz und hätte damit Renaults Anspruch als "Best of the Rest" hinter Mercedes, Ferrari und Red Bull untermauert. Doch dann kollabierte der Motor, das Auto rollte in einer Schikane aus. Kurios: Zum selben Zeitpunkt fiel auch der zweite Renault von Daniel Ricciardo mit technischem Defekt aus.

...Leclercs Glück: So sehr man die Renaults bemitleiden musste, trugen sie doch zumindest dazu bei, dass Leclerc den ersten Podiumsplatz seiner Karriere feiern konnte. Der Ferrari war so langsam, dass er in den letzten beiden Runden nach Hamilton und Bottas auch noch Max Verstappen hätte passieren lassen müssen. Doch weil die Wagen von Hülkenberg und Ricciardo so ungünstig standen, dass sie zur Gefahr wurden, kam kurz vor Schluss das Safety Car auf die Strecke - und führte das Feld bis zur Zielflagge an. Damit war Verstappen das Überholen verboten. Und Leclerc freute sich im Interview über "Glück im Unglück".

Fazit des Rennens: Obwohl Ferrari deutlich schneller zu sein scheint, hat Mercedes im zweiten Rennen der Saison den zweiten Doppelsieg gefeiert - und weiß vermutlich selbst nicht so genau, warum. Weltmeister Hamilton muss in dieser frühen Phase nicht glänzen, ihm reicht es schon, dass die Konkurrenz Fehler macht.

insgesamt 7 Beiträge
hileute 20.06.2012
1. Vlt muss man Vettel nochmal erklären
worum es in der Formel 1 geht: Und zwar eine bestimmte Rundenzahl in Fahrtrichtung eine kurvenreiche Asphaltbahn entlangzufahren und am Ende als 1 im Ziel ankommen. Dreher in jedem zweiten Rennen sind zwar spektakulär, mindern [...]
worum es in der Formel 1 geht: Und zwar eine bestimmte Rundenzahl in Fahrtrichtung eine kurvenreiche Asphaltbahn entlangzufahren und am Ende als 1 im Ziel ankommen. Dreher in jedem zweiten Rennen sind zwar spektakulär, mindern aber die Siegchancen erheblich und sollten vermieden werden. Vettel ist kein ferrariwürdiger Fahrer, auf den Punkt gebracht.
andreasm.bn 31.03.2019
2. aber das Foto...
ist geil.... ;-)
Zitat von hileuteworum es in der Formel 1 geht: Und zwar eine bestimmte Rundenzahl in Fahrtrichtung eine kurvenreiche Asphaltbahn entlangzufahren und am Ende als 1 im Ziel ankommen. Dreher in jedem zweiten Rennen sind zwar spektakulär, mindern aber die Siegchancen erheblich und sollten vermieden werden. Vettel ist kein ferrariwürdiger Fahrer, auf den Punkt gebracht.
ist geil.... ;-)
friedelho 31.03.2019
3. Kein Bremsplatten!
So etwas gibt es nicht. Man bekommt beim blockierenden Rad beim Bremsen (normalerweise) keinen Platten, sondern fährt sich eine ebene, unrunde Stelle in den Reifen, also eine Platte. Diese bewirkt dann das Schlagen des Rades.
So etwas gibt es nicht. Man bekommt beim blockierenden Rad beim Bremsen (normalerweise) keinen Platten, sondern fährt sich eine ebene, unrunde Stelle in den Reifen, also eine Platte. Diese bewirkt dann das Schlagen des Rades.
sans_words 01.04.2019
4. Vettel hat fertig
Sebastian Vettel hat ferig. Er ist Lewis Hamilton seit Jahren schon deutlich unterlegen. Jetzt hat er auch im Team einen überlegenen Kollegen. Vettel wird nie mehr Weltmeister und sollte nach der Saison zurücktreten.
Sebastian Vettel hat ferig. Er ist Lewis Hamilton seit Jahren schon deutlich unterlegen. Jetzt hat er auch im Team einen überlegenen Kollegen. Vettel wird nie mehr Weltmeister und sollte nach der Saison zurücktreten.
nextgen 01.04.2019
5. langsam
muss man sagen das Vettel einfach zu oft aussetzten hat!!ich finde es aber auch ok so .Grad in der Phase wo man nicht mal genau Weiß was mit Michael Schumacher wird oder ist, wäre es mMn nicht passend das bei Ferrari gefeiert [...]
muss man sagen das Vettel einfach zu oft aussetzten hat!!ich finde es aber auch ok so .Grad in der Phase wo man nicht mal genau Weiß was mit Michael Schumacher wird oder ist, wäre es mMn nicht passend das bei Ferrari gefeiert wird !! vllt ist es auch ein Zeichen der Geschichte

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