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McLaren präzisiert Verdacht gegen Renault, Williams will Rosberg behalten

Schwere Vorwürfe gegen den Formel-1-Rennstall Renault: Konkurrent McLaren-Mercedes hat dem Weltverband jetzt detailliert mitgeteilt, wie die Franzosen spioniert haben sollen. Williams will Nico Rosberg nicht zu den Silberpfeilen wechseln lassen.

Freitag, 23.11.2007   19:40 Uhr

Hamburg - McLaren-Mercedes hat in einem Schreiben an den Motorsport-Weltverband Fia die Spionage-Vorwürfe gegen den Konkurrenten Renault genau aufgeführt. Demnach habe Renault aus den Informationen, die ein ehemaliger Mitarbeiter bei seinem Wechsel zu den Franzosen mitgenommen hatte, "einen klaren Nutzen und unfairen Vorteil" gewonnen.

Teile des Schreibens an die Fia waren anonym britischen Medien zugespielt worden. Renault, das sich in der Affäre am 6. Dezember vor dem World Motor Sport Council der Fia erklären muss, hatte bereits zugegeben, im Besitz von McLaren-Mercedes-Daten gewesen zu sein, aber bestritten, sie auch für die eigenen Konstruktionen genutzt zu haben. Der betreffende Mitarbeiter Phil Mackereth, der die Daten auf mehreren Disketten mitgebracht hatte, sei umgehend suspendiert worden .

Nach Meinung von McLaren-Mercedes seien insgesamt 33 Dokumente mit vertraulichen Daten vom März 2006 im September des gleichen Jahres auf einen Renault-Rechner überspielt worden. Die darin enthaltenen 780 Zeichnungen hätten "den kompletten technischen Entwurf der McLaren-Autos von 2006 und 2007 skizziert", schrieb das englisch-deutsche Team. Zudem hätten sich bis zu 18 Renault-Mitarbeiter, darunter sieben Chef-Ingenieure und Abteilungsleiter, mit den Daten befasst.

"Es ist klar, dass McLarens vertrauliche Design-Informationen wissentlich, vorsätzlich und weitreichend im Design- und Ingenieurteam von Renault verbreitet und diskutiert worden sind", teilten McLaren-Anwälte der Fia mit.

Das Verfahren könnte für Renault böse Folgen haben. McLaren-Mercedes selbst war wegen des Besitzes von 780 Seiten geheimer Ferrari-Daten von der Fia zum Verlust aller Konstrukteurs-WM-Punkte 2007 und einer Rekord-Geldstrafe von 100 Millionen Dollar verurteilt worden. Dabei hatte der Weltverband keinen Beweis, dass die Informationen auch verwendet wurden. Renault könnte daher jetzt eine ähnlich harte Strafe drohen, was möglicherweise auch den zweifachen Weltmeister Fernando Alonso von einer Rückkehr zu den Franzosen abhält.

Williams will nicht schwach werden

Auch ein anderer Wechsel droht zu platzen: Williams-Teamchef Frank Williams dementiert den möglichen Verkauf seines deutschen Piloten Nico Rosberg an den Konkurrenten McLaren-Mercedes. "Wie soll ich das den Leuten in der Fabrik und meinen Sponsoren erklären? Ich erzähle ihnen, dass wir wieder nach oben wollen, und dann verkaufe ich unseren besten Fahrer. Sie würden sagen, ich sei ein Schwätzer", sagte Williams der Fachzeitung "sport auto".

Der Brite fuhr fort: "Da könnte ich genauso gut meine Firma verkaufen. Vor einem Jahr wäre ich vielleicht schwach geworden, weil wir knapp bei Kasse waren. Das ist heute nicht mehr der Fall." Rosberg wird trotz eines gültigen Vertrages mit Williams für 2008 seit Wochen als möglicher Nachfolger von Alonso bei den Silberpfeilen gehandelt.

all/sid

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