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Rosbergs Karriereende

Besser so

Das Leben von Nico Rosberg war bestimmt von einem Ziel: Weltmeister werden. Jetzt ist der Ehrgeiz des 31-Jährigen befriedigt, für weitere Jahre in der Formel 1 fehlt ihm die Leidenschaft.

Foto: DPA
Ein Kommentar von
Freitag, 02.12.2016   17:55 Uhr

Als analytisch veranlagter Mensch hat sich Nico Rosberg, nachdem er endlich Weltmeister geworden war, zwangsläufig die Frage gestellt: Was nun?

Und er musste schnell eine Antwort finden, um seinem Leben eine Richtung zu geben. Rosberg hat mit dem Gewinn des Titels sein großes Lebensziel erreicht. Wie aus heiterem Himmel ist der 31-Jährige nun zurückgetreten.

Elf Jahre lang fuhr er in der Formel 1, und es war nicht nur die reine Leidenschaft, die ihn antrieb. Als Sohn eines früheren Champions musste er Erwartungen gerecht werden, die andere an ihn stellten, nicht zuletzt Keke Rosberg, der eigene Vater. Zwischen Scheitern und Gelingen gab es keine Zwischenstufen. Das zehrt.

Er hat alles getan, um nicht zu scheitern, sich mit Energie, Kompromisslosigkeit und Beharrlichkeit ans Gelingen gemacht und alles andere untergeordnet. Endlich hat es sich für ihn gelohnt. Das hat, wie man sieht, einen hohen Preis gefordert.

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Stimmen zum Rosberg-Rücktritt: "Eine sehr seltsame Entscheidung"

Diese Saison war, mit 21 Rennen, so lang wie noch nie. Rosberg war nicht bereit, künftig weiter jenen Aufwand zu betreiben, den es braucht, um sich die Chance zu eröffnen, am Ende ganz vorne zu landen. Was hätte er noch erreichen können? Einen weiteren Titel, dann vielleicht sogar noch einen, sein Vertrag mit Mercedes lief noch zwei Jahre. Aber was hätte das gebracht?

Rosberg hat einzig diesen ersten WM-Sieg benötigt, um es aller Welt (und sich selber) zu zeigen, was er kann. Seinen Ehrgeiz hat er befriedigt. Das Risiko jedoch, in der nächsten Saison einem wieder erstarkten Teamkollegen Lewis Hamilton zu unterliegen, war zu groß.

Rosberg war sich darüber im Klaren. So überraschend sein Rücktritt auf den ersten Eindruck wirkt: Rosberg hat nüchtern abgewogen, was für und was dagegen sprach, die Karriere fortzusetzen. Schon vor dem vorigen Grand Prix in Abu Dhabi hatte er sich entschieden, aufzuhören, wenn er nach Zieldurchfahrt als Weltmeister aus dem Wagen steigen würde. Hätte er verloren, wäre er wahrscheinlich weitergefahren, um nicht als Verlierer abzutreten.

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Nico Rosberg: Erst Titel, dann Karrierende

In den Tagen seit dem Titelgewinn wirkt Rosberg erleichtert und losgelöst wie noch nie. Der Druck ist weg. Gefühle und Gedanken purzeln bei ihm durcheinander. Über die Gründe für seinen Rücktritt sagt Rosberg: "Ich folge einfach meinem Herzen."

Das täuscht. Es ist eher der Verstand, der entschieden hat.

insgesamt 125 Beiträge
reflektionist 02.12.2016
1. Wow!
Meinen allergrößten Respekt und Bewunderung für diese Entscheidung! Sehr erfrischend, wenn man sich die sonst übliche Verhaltensweise von Formel 1-Teilnehmern, angefangen bei Bernie Ecclestone über Niki Lauda und anderen [...]
Meinen allergrößten Respekt und Bewunderung für diese Entscheidung! Sehr erfrischend, wenn man sich die sonst übliche Verhaltensweise von Formel 1-Teilnehmern, angefangen bei Bernie Ecclestone über Niki Lauda und anderen Konsorten, die alle meinen, ohne sie würde es nicht funktionieren, vergegenwärtigt. Chapeau!
ooskar 02.12.2016
2. Respekt!!
Hätte nie gedacht, dass er so einen staken Charakter hat! Vielleicht sollte sich Vettel auch mal Gedanken machen?
Hätte nie gedacht, dass er so einen staken Charakter hat! Vielleicht sollte sich Vettel auch mal Gedanken machen?
robin-masters 02.12.2016
3. Schade
ein guter Moment, aber da war wohl der Ehrgeiz nicht mehr groß genug. Heute sind ja 3 WM Titel schon fast der Standard.. ;-)
ein guter Moment, aber da war wohl der Ehrgeiz nicht mehr groß genug. Heute sind ja 3 WM Titel schon fast der Standard.. ;-)
catcargerry 02.12.2016
4. Gute Entscheidung
Er hatte ein großes Ziel. Das hat er erreicht. Er wird sich nicht langweilen. Es gibt genug Sinnvolles, mit dem man sich beschäftigen kann. Vor allem auch mit geringeren Risiken - schon in der Sportart begründet und verschärft [...]
Er hatte ein großes Ziel. Das hat er erreicht. Er wird sich nicht langweilen. Es gibt genug Sinnvolles, mit dem man sich beschäftigen kann. Vor allem auch mit geringeren Risiken - schon in der Sportart begründet und verschärft in der eigenen Crew, von der Zeitbombe Verstappen gar nicht zu reden.
jerusalem 02.12.2016
5. Unglaublich,
bei wie vielen Athleten hätte man sich so einen Schritt gewünscht? Toll, am Höhepunkt abzutreten, meine tiefste Bewunderung! Ein Beispiel für viele, nicht nur im Sport, vor allem auch in der Politik!
bei wie vielen Athleten hätte man sich so einen Schritt gewünscht? Toll, am Höhepunkt abzutreten, meine tiefste Bewunderung! Ein Beispiel für viele, nicht nur im Sport, vor allem auch in der Politik!

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