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Sport

W-Series-Siegerin Chadwick

Gutes Sprungbrett - aber nicht in die Formel 1

Jamie Chadwick hat die W Series gewonnen. Die Britin verteidigt die Rennserie für Frauen gegen Kritik, immerhin wurde sie von Williams als Entwicklungsfahrerin verpflichtet. Doch der Weg in die Formel 1 ist weit.

Maja Hitij/ Getty Images
Von Karin Sturm
Montag, 12.08.2019   12:51 Uhr

Die Formel 1, das ist der große Traum von Jamie Chadwick. Einen Schritt in diese Richtung hat die 21 Jahre alte Britin nun gemacht: Mit einem kalkulierten Platz vier beim Saisonfinale in Brands Hatch gewann Chadwick den Meistertitel der W Series, jener reinen Frauen-Rennserie auf Formel-3-Niveau, die in diesem Jahr zum ersten Mal ausgetragen wurde. "Das waren die schlimmsten 30 Minuten meines Lebens", sagte sie nach dem Rennen.

Die W Series hatte sich vor ihrem Start im vergangenen Mai deutlicher Kritik und Diskriminierungsvorwürfen ausgesetzt gesehen. In vorderster Front standen Fahrerinnen wie Sophia Flörsch, die erklärte, sie wolle sich lieber direkt mit Männern messen und halte von einer getrennten Serie nur für Frauen gar nichts.

"Ich glaube, da beruhte auch vieles auf Missverständnissen", sagte Chadwick dem SPIEGEL. "Die W Series war ja nie als endgültiges Ziel gedacht, sondern als Sprungbrett, als Plattform, auf der sich talentierte Mädchen und Frauen präsentieren können, um die nötige Aufmerksamkeit und damit auch die Sponsorengelder zu bekommen." So könnten die Fahrerinnen ihre Karrieren weiter verfolgen. Das hätten auch einige von den Kritikerinnen verstanden, "die mal bei uns vorbeigeschaut und ihre Meinung geändert haben", sagte sie, ohne dabei Namen nennen zu wollen.

Das Konzept scheint zu funktionieren, speziell für die, die in der Spitzengruppe fahren: "Fabienne Wohlwend (die Gesamtfünfte, Anm. d. Red.) etwa ist jetzt in Liechtenstein richtig bekannt und kann nächstes Jahr profimäßig Rennsport betreiben", sagte Chadwick, "und Marta Garcia (dritter Platz, Anm. d. Red.), die mit 17 schon einmal glaubte, aus finanziellen Gründen ihre Karriere beenden zu müssen, hat eine zweite Chance bekommen."

Dazu kommt, dass die 20 Frauen, die die sechs Rennen 2019 bestritten, auch auf anderen Ebenen gefördert wurden: regelmäßiger Simulator-Zugang oder Fitness-Betreuung.

Klassische Motorsport-Karriere

"Das bringt alles sehr viel", sagt Chadwick, die mit elf Jahren im Kartsport begann, inspiriert von ihrem älteren Bruder Oliver. Auf einer englischen Privatschule spielte sie auch sehr erfolgreich Hockey, stand auf dem Sprung in die britische Jugend-Nationalmannschaft, entschied sich dann mit 15 aber doch endgültig für den Rennsport. 2015 gewann sie als 17-Jährige mit Aston Martin die britische GT4-Meisterschaft, bewährte sich parallel auch im Langstreckensport.

2017 bekam sie die Finanzierung einer Saison in der britischen Formel 3 zusammen, stand erstmals auf dem Podium und holte in der Saison darauf auch ihren ersten Sieg. "Aber das Geld war und ist immer ein großes Problem - und je höher man kommt, desto teurer wird es." Vergleicht sie das Leistungsniveau der W Series mit der britischen Formel 3, "dann ist es vielleicht sogar höher, weil wir alle identische Autos haben und die fahrerische Leistung noch mehr zählt." Die Autos werden jedes Rennwochenende getauscht - trotzdem bildete sich schnell ein Kreis von vier, fünf Toppilotinnen heraus, mit Chadwick an der Spitze.

Für ihren Titelgewinn bekommt sie 500.000 Dollar Preisgeld, eine Basis für die Saison 2020, auch wenn das noch nicht reicht, um etwa eine Formel-3-EM-Saison im Formel-1-Rahmenprogramm zu bestreiten, von der Formel 2 ganz zu schweigen - dort werden Sponsorengelder in Millionenhöhe benötigt. Chadwick denkt darüber nach, zumindest zusätzlich auch im kommenden Jahr noch einmal in der W Series anzutreten, ihren Titel zu verteidigen. Aus einem ganz speziellen Grund: Ab der Saison 2020 gehört die Serie zu den Nachwuchsmeisterschaften, in denen es Punkte für die Fia-Superlizenz des Motorsport-Weltverbands gibt - die Voraussetzung für eine Starterlaubnis in der Formel 1.

Chadwick steht bei Williams unter Vertrag

Testfahrten wären freilich auch so möglich - darüber wird sie in den kommenden Wochen mit dem Traditionsrennstall Williams sprechen, aber auch mit Aston Martin, über eventuelle Möglichkeiten in Richtung DTM. "Für mich war nur immer die Reihenfolge klar: Ich wollte mich erst einmal voll darauf konzentrieren, den Titel zu gewinnen, dann erst reden wir über alles Weitere."

Das eine oder andere Formel-1-Wochenende hat sie schon mit dem Williams-Team verbracht - und dabei viel gelernt: "Wie so ein Team funktioniert, die ganze Arbeitsweise dort. Das bringt einen schon näher heran. Mir ist dabei erst so richtig bewusst geworden, dass es vielleicht tatsächlich eine Chance geben könnte, meinen Traum zu verwirklichen, wenn ich weiterhin meine Leistung bringe." Nur deshalb einmal ein Formel-1-Cockpit zu bekommen, weil sie eine Frau ist, ohne die entsprechenden Erfolge in den unteren Klassen, das könne es jedoch nicht sein: "Egal, von welcher Meisterschaft wir sprechen, wenn ich nicht zur Top 3 gehöre, dann erwarte ich auch kein Weiterkommen. Ich will keinen Freifahrtschein, sondern mir den Aufstieg und meinen Platz verdienen."

F1-Teamchefin Claire Williams, die Chadwick nach ihren ersten W-Series-Erfolgen als Entwicklungsfahrerin unter Vertrag genommen hat, traut ihr das zu: "Sie hat bis jetzt einen tollen Job gemacht. Sicher ist es noch sehr früh, aber ihre Erfolgsbilanz ist gut." Chadwick habe noch viel Arbeit vor sich. Und wer in die Formel 1 will, muss auch erhebliche finanzielle Mittel mitbringen.

Der Weg in die Formel 1 ist weiterhin sehr weit.

insgesamt 13 Beiträge
manicmecanic 12.08.2019
1. Gleichmacherei
Auch hier kann man den Zeitgeistunterton riechen,die armen Frauen werden weil sie Frauen sind benachteiligt.Das stimmt aber nicht,es hat auch schon in alten Zeiten zwar selten aber immer mal eine Frau gegeben die es sogar in ein [...]
Auch hier kann man den Zeitgeistunterton riechen,die armen Frauen werden weil sie Frauen sind benachteiligt.Das stimmt aber nicht,es hat auch schon in alten Zeiten zwar selten aber immer mal eine Frau gegeben die es sogar in ein F1 Cockpit geschafft hat.Warum hat es nie eine geschafft mehr Männer abzuhängen?Das liegt daran daß Frauen einfach aus physischen Gründen nicht mithalten können,da macht auch der Motorsport keinen Unterschied.
schwarzeruhu 12.08.2019
2. Formel1 ist 1975
Boxenluder, Motorenlärm, PS-Boliden Das ist doch keien Innovationslieferant für die Serie mehr, das ist nur noch ein Zirkus aus einer vergehenden Welt. Wenn es eine Rennserie gibt, die sinnvolle Innovation liefert, ist es [...]
Boxenluder, Motorenlärm, PS-Boliden Das ist doch keien Innovationslieferant für die Serie mehr, das ist nur noch ein Zirkus aus einer vergehenden Welt. Wenn es eine Rennserie gibt, die sinnvolle Innovation liefert, ist es die Formel E - vielleicht sollten die Frauen aus der Formel W das zum Ziel setzen.
uzsjgb 12.08.2019
3.
Sie diskriminieren Frauen doch selber mit Ihrem frauenfeindlichen Beitrag. Damit liefern Sie einen guten Grund, warum es Sinn macht Frauen die Möglichkeit zu geben in einer geschützten Atmosphäre Motorsport zu betreiben. [...]
Zitat von manicmecanicAuch hier kann man den Zeitgeistunterton riechen,die armen Frauen werden weil sie Frauen sind benachteiligt.Das stimmt aber nicht,es hat auch schon in alten Zeiten zwar selten aber immer mal eine Frau gegeben die es sogar in ein F1 Cockpit geschafft hat.Warum hat es nie eine geschafft mehr Männer abzuhängen?Das liegt daran daß Frauen einfach aus physischen Gründen nicht mithalten können,da macht auch der Motorsport keinen Unterschied.
Sie diskriminieren Frauen doch selber mit Ihrem frauenfeindlichen Beitrag. Damit liefern Sie einen guten Grund, warum es Sinn macht Frauen die Möglichkeit zu geben in einer geschützten Atmosphäre Motorsport zu betreiben. Denn es wird im Motorsport sicherlich viele Leute wie Sie geben. Am Anfang war ich auch skeptisch, ob diese Serie etwas bringt, aber sie hat mich überzeugt. Die Rennen waren interessant, aber vor allem freut mich, dass einige der Fahrerinnen deutlich an Profil gewonnen haben. Im Motorsport ist das ja fast das wichtigste Kriterium, ein starkes Profil, damit das Geld folgt. Denn ohne Geld geht nichts im Motorsport. Je mehr Leute sehen, dass Frauen auch Auto fahren können, desto leichter werden sie Sponsoren finden und desto eher wird es auch eine in die Topserien schaffen. Auf wie viele männliche Rennfahrer kommt eine Frau? Hundert zu eins oder noch weniger? Erst wenn die Masse an Frauen, die mit dem Rennsport beginnen, größer wird, desto eher werden wir auch wieder eine Frau in der Formel 1 sehen.
kaiser_luftkühlung 12.08.2019
4.
Die Frage ist warum sollte man sich als Formel W Fahrerin das Ziel setzen in der Formel E zu landen die langsamer ist. Das waere quasi ein Abstieg.
Zitat von schwarzeruhuBoxenluder, Motorenlärm, PS-Boliden Das ist doch keien Innovationslieferant für die Serie mehr, das ist nur noch ein Zirkus aus einer vergehenden Welt. Wenn es eine Rennserie gibt, die sinnvolle Innovation liefert, ist es die Formel E - vielleicht sollten die Frauen aus der Formel W das zum Ziel setzen.
Die Frage ist warum sollte man sich als Formel W Fahrerin das Ziel setzen in der Formel E zu landen die langsamer ist. Das waere quasi ein Abstieg.
RalfBukowski 12.08.2019
5. Formel 1 ist 1975?
Leider nein und Sie sind offenbar nicht auf der Höhe der Zeit. Boxenluder gibt es schon ewig nicht mehr, da sitzen nur Freundinnen, Schwestern, Ehefrauen, Mütter und Physiotherapeutinnen. Ab und zu mal ein Möchtegernpromi. [...]
Leider nein und Sie sind offenbar nicht auf der Höhe der Zeit. Boxenluder gibt es schon ewig nicht mehr, da sitzen nur Freundinnen, Schwestern, Ehefrauen, Mütter und Physiotherapeutinnen. Ab und zu mal ein Möchtegernpromi. Motorenlärm - der war mal. PS-Boliden - ja, denn darum geht es ja, das ist schließlich Rennsport. Oder besser Rennshow. Wie kommen Sie darauf, dass der "Sport" etwas für die Serienautos abliefern muss? Muss er nicht und hat er auch seltenst getan. Macht die Formel E natürlich auch nicht wirklich, eher ist das andersrum. Nennen Sie mir eine Innovation, die ich heute auf der Strasse sehen kann, die aus der Formel E kam. Richtig: Es gibt keine. Und warum die Mädels auf das Abstellgleis des Motorsports (siehe Nick Heidfeld und andere armselige Ex-Fahrer aus richtigen Motorsportserien) reflektieren sollten, erschliesst sich wohl nur Ihnen selbst.

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