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Sport

Erste Rennserie für Frauen

Sprungbrett oder Rückschritt für die Gleichberechtigung?

In Hockenheim feiert die erste internationale Serie für Frauen Premiere. Sie soll zu einer Karriere in der Formel 1 verhelfen. Einige Fahrerinnen sehen darin jedoch einen "historischen Schritt zurück".

Matthias Hangst/Getty Images

Esmee Hawkey

Freitag, 03.05.2019   16:57 Uhr

Im Motorsport gibt es keine Geschlechtertrennung. Ein Alleinstellungsmerkmal in der Welt des Leistungssports. Frauen können theoretisch bis in die Formel 1 gegen Männer antreten. Die Realität aber sieht anders auch: Seit 1950 waren es mit Maria Teresa de Filippis und Lella Lombardi genau zwei Frauen, die jemals ein Formel-1-Rennen bestritten haben. 688 Männer waren es im gleichen Zeitraum (Lesen Sie hier einen Text über die Spurensuche in der Machowelt Formel 1). Die neue "W Series" will Fahrerinnen zu einer Karriere als Profi verhelfen.

Was ist die W Series?

18 Starterinnen aus 13 Ländern werden ab diesem Wochenende (Rennen: Sonntag, 16.10 Uhr, Livestream: W Serie) an sechs Rennwochenenden die erste Saison der W Series bestreiten. Mehr als 50 Fahrerinnen hatten an einem Auswahlverfahren teilgenommen, das seit Januar unter Aufsicht von David Coulthard, einst Vizeweltmeister der Formel 1 und heute im Vorstand des neuen Wettbewerbs, und dem früheren Formel-1-Piloten Alexander Wurz auf verschiedenen Rennstrecken stattfand. Nicht allein Fahrtalent war entscheidend, auch technisches Verständnis und öffentliches Auftreten spielte bei der Vergabe der Startplätze eine Rolle.

Wie läuft die W Series?

Die Serie wird im Rahmenprogramm der DTM stattfinden. Gefahren wird in Einheitsautos mit Formel-3-Standard. Die weiteren Stopps nach dem Auftakt in Hockenheim sind Zoldern (Belgien), Misano (Italien), Norisring (Deutschland) und Assen (Niederlande). Das Finale wird am 10. und 11. August auf dem Brands Hatch Circuit (Großbritannien) aufgerufen. Ein Preisgeld von insgesamt 1,5 Million US-Dollar wird bis runter an den 18. Rang ausgezahlt. Die Gewinnerin erhält 500.000 US-Dollar.

Was will die W Series?

Die W Series sieht sich selbst als Plattform, auf der Fahrerinnen auf Formel-3-Niveau professionelle Erfahrungen sammeln sollen, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass einige von ihnen es in die Formel 1 schaffen. "Im Motorsport geht es nicht um die Maximalkraft. Es ist nicht wie im Sprint, wo man umso schneller ist, je stärker man ist", sagte Mitfavoritin Jamie Chadwick der britischen Tageszeitung "Telegraph". "Frauen können das. Es wird einiges brauchen, aber Frauen und Männer können miteinander auf dem höchsten Niveau Rennen bestreiten", sagte die 20 Jahre alte Engländerin, die als erste Fahrerin die nationale GT-Meisterschaft gewann.

"Für Erfolge im Rennsport braucht es Talent, Entschlossenheit und körperliche Fitness. Aber ein Mann muss man dafür nicht sein", sagt Coulthard: "Es gibt keinen Grund, warum der nächste Lewis Hamilton keine Frau sein sollte." Der geringe Anteil an Frauen in den Topserien sei vor allem eine Folge fehlender Förderung. Der Weg aus dem Kartsport bis in die Formel 1 kostet bis zu acht Millionen Euro, das hat Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff einmal vorgerechnet. Und da die Sponsoren im Rennsport im Zweifel noch immer eher auf einige der zahlreichen Jungs setzen, haben Mädchen es von Beginn an deutlich schwerer. Da wolle die W Series ansetzen, so Coulthard.

Hier geht es zu einer Multimedia-Geschichte über die verschiedenen Wege in die Formel 1: Der teuerste Sport der Welt.

Was sagen die Fahrerinnen?

"Die Formel 1 ist sehr, sehr schwer zu erreichen", sagt Naomi Schiff. "Hoffentlich hilft uns die W Series, dieses Ziel zu erreichen und jüngeren Frauen diese Zukunft zu ermöglichen." Die Starterinnen freuen sich über die Chance, ihre Karriere weiterentwickeln zu können, ohne sich Gedanken darüber machen zu müssen, woher das Geld dafür kommt: "Der beste Weg für Frauen, um direkt einen ersten Eindruck für Frauen in dieser Branche zu machen, besteht darin, 18 Fahrerinnen auf die Rennstrecke zu bringen und das Ganze zu einem voll finanzierten Deal zu machen, bei dem ich mir keine Gedanken darüber machen muss, wann der nächste Scheck kommt", sagt Shea Holbrook.

Im Video: Die letzte Testfahrt vor dem Saisonauftakt

Foto: REUTERS

Was sagen die Kritikerinnen?

Die W Series soll also im besten Fall Überholspur auf dem Weg in die Königsklasse sein. Sie wird aber auch anders wahrgenommen. Als "traurigen Tag für den Motorsport" und "historischen Schritt zurück" bezeichnete etwa die frühere britische IndyCar-Pilotin Pippa Mann die Schaffung der Serie: "Die Frauen werden abgetrennt statt unterstützt." Diese Sicht ist durchaus verbreitet. "Für mich ist das der falsche Weg", sagte Sophia Flörsch, eine der talentiertesten deutschen Pilotinnen, der "Autobild". Die W Series, findet die 18-Jährige, laufe gar gegen einen gesellschaftlichen Trend an: "Alle versuchen derzeit, uns gleichberechtigt zu behandeln. Und dann kommt sowas! Das heißt ja eigentlich, dass sie nicht daran glauben, dass wir gegen Männer bestehen können. Deshalb will ich da nicht fahren."

sak/sid/dpa/Reuters

insgesamt 6 Beiträge
marthaimschnee 03.05.2019
1. und was für ein Schritt zurück
tolle Idee, ausgerechnet im Motorsport, wo Frauen kaum durch körperlichen Nachteile behindert werden und einzelne auch schon bewiesen haben, daß sie mit konkurrenzfähigem Material (zB WTCC auf dem Nürburgring vor 2 Jahren, [...]
tolle Idee, ausgerechnet im Motorsport, wo Frauen kaum durch körperlichen Nachteile behindert werden und einzelne auch schon bewiesen haben, daß sie mit konkurrenzfähigem Material (zB WTCC auf dem Nürburgring vor 2 Jahren, oder in LeMans) auch konkurrenzfähig sind, separiert man die Geschlechter auseinander.
oaonorm1 03.05.2019
2. Ich kann es Marketingtechnisch verstehen
Trotzdem ist es bescheuert, sorry. Warum sollte eine Frau langsamer sein als ein Mann? welchen Nachteil sollte sie haben weil sie eine Frau ist? Ich bin mir sicher, dass bei 100 affinen Männern und Frauen unterm strich die [...]
Trotzdem ist es bescheuert, sorry. Warum sollte eine Frau langsamer sein als ein Mann? welchen Nachteil sollte sie haben weil sie eine Frau ist? Ich bin mir sicher, dass bei 100 affinen Männern und Frauen unterm strich die gleiche Zeit bei gleichem Material steht.
Crom 03.05.2019
3.
Selbst im Schach gibt es eigene Frauenwettbewerbe. Inwiefern Frauen körperliche Nachteile beim Rennsport haben, mag ich nicht beurteilen. Frauen und Männer unterscheiden sich im Mittel ja nicht nur bei Kraft und Ausdauer.
Zitat von marthaimschneetolle Idee, ausgerechnet im Motorsport, wo Frauen kaum durch körperlichen Nachteile behindert werden und einzelne auch schon bewiesen haben, daß sie mit konkurrenzfähigem Material (zB WTCC auf dem Nürburgring vor 2 Jahren, oder in LeMans) auch konkurrenzfähig sind, separiert man die Geschlechter auseinander.
Selbst im Schach gibt es eigene Frauenwettbewerbe. Inwiefern Frauen körperliche Nachteile beim Rennsport haben, mag ich nicht beurteilen. Frauen und Männer unterscheiden sich im Mittel ja nicht nur bei Kraft und Ausdauer.
Flying Rain 03.05.2019
4. Der
Der Unterschied liegt doch nicht an irgendeiner Benachteiligung sondern schlicht am fehlenden Interesse. Geht doch mal auf die Kartbahnen und schaut euch den Nachwuchs an... wenn man in irgendeine beliebige 1. Grundschulklasse [...]
Der Unterschied liegt doch nicht an irgendeiner Benachteiligung sondern schlicht am fehlenden Interesse. Geht doch mal auf die Kartbahnen und schaut euch den Nachwuchs an... wenn man in irgendeine beliebige 1. Grundschulklasse geht und einfach mal die Frage stellt wer Laune auf Motorsport hat was denkt ihr wieviele Mädchen die Hand heben werden? Die pure Anzahl an Männern im Motorsport auf die geringe Anzahl von Frauen treffen ist ausschlaggebend dafür das man später auch nur in den allerwenigsten Fällen am Ende auf Frauen in der F1 trifft. Wenn auf 100 Männer eine Frau im Motorsport kommt heißt das nicht automatisch dass sie bei den besten 5% ist. Ich persönlich sehe das ganze auch eher als Rückschritt. Mehr Frauen im Motorsport erreicht man nur durch eine deutlich intensivere Jugendarbeit bei der stark um die Frauen geworben wird. Das ist nichts was sich von heute auf morgen zeigen wird. Auch nicht in ein paar Jahren sondern vielleicht in 10 Jahren wenn man jetzt stark ansetzt. Und zum Schluss kommt es dann auch noch aufs Geld an. Motorsport ist nichts wo man durch Biss, hartes Training und Durchhaltevermögen sich bis nach oben arbeiten kann wenn die körperlichen Vorraussetzungen stimmen. Es verschlingt auch schon im Kartsport Unsummen an Geld und nicht jeder wird gesponsort bzw hat Lust darauf eventuell nach Italien/Spanien zu ziehen wo auch größere Sponsoren ihre Strecken haben. Diese ganzen Faktoren zusammen sind Schuld das so wenige Frauen ganz oben mitfahren.... auch 99% der Männer sind auf dem Weg weiter nach oben irgendwo liegen geblieben.
mr.zoui 03.05.2019
5.
Prinzipiell haben Sie ja Recht mit Ihrem ganzen Beitrag, aber wen interessiert denn schon Motorsport? Das ist ein solches Nischenthema, daß die ganze Diskussion am Thema vorbeigeht. Man sollte generell Mädchen für [...]
Zitat von Flying RainDer Unterschied liegt doch nicht an irgendeiner Benachteiligung sondern schlicht am fehlenden Interesse. Geht doch mal auf die Kartbahnen und schaut euch den Nachwuchs an... wenn man in irgendeine beliebige 1. Grundschulklasse geht und einfach mal die Frage stellt wer Laune auf Motorsport hat was denkt ihr wieviele Mädchen die Hand heben werden? Die pure Anzahl an Männern im Motorsport auf die geringe Anzahl von Frauen treffen ist ausschlaggebend dafür das man später auch nur in den allerwenigsten Fällen am Ende auf Frauen in der F1 trifft. Wenn auf 100 Männer eine Frau im Motorsport kommt heißt das nicht automatisch dass sie bei den besten 5% ist. Ich persönlich sehe das ganze auch eher als Rückschritt. Mehr Frauen im Motorsport erreicht man nur durch eine deutlich intensivere Jugendarbeit bei der stark um die Frauen geworben wird. Das ist nichts was sich von heute auf morgen zeigen wird. Auch nicht in ein paar Jahren sondern vielleicht in 10 Jahren wenn man jetzt stark ansetzt. Und zum Schluss kommt es dann auch noch aufs Geld an. Motorsport ist nichts wo man durch Biss, hartes Training und Durchhaltevermögen sich bis nach oben arbeiten kann wenn die körperlichen Vorraussetzungen stimmen. Es verschlingt auch schon im Kartsport Unsummen an Geld und nicht jeder wird gesponsort bzw hat Lust darauf eventuell nach Italien/Spanien zu ziehen wo auch größere Sponsoren ihre Strecken haben. Diese ganzen Faktoren zusammen sind Schuld das so wenige Frauen ganz oben mitfahren.... auch 99% der Männer sind auf dem Weg weiter nach oben irgendwo liegen geblieben.
Prinzipiell haben Sie ja Recht mit Ihrem ganzen Beitrag, aber wen interessiert denn schon Motorsport? Das ist ein solches Nischenthema, daß die ganze Diskussion am Thema vorbeigeht. Man sollte generell Mädchen für Wissenschaft und Technik begeistern, damit der weibliche Anteil an den Schüsseln in Zukunft steigt. Wer die letztlich fährt ist doch irrelevant. Das wäre Fortschritt, aber bitte ohne Quotenregelung.

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