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Sport

Kölner Remis gegen den HSV

Der Aufstieg nah, die Stimmung trüb

Gegen den Hamburger SV begann Köln stark und ließ dann noch stärker nach. Der Aufstieg wird dem FC trotzdem gelingen, doch für die Bundesliga muss er sich verbessern - auch personell.

DPA, Marius Becker

Kölner Profis nach dem 1:1 gegen Hamburg

Aus Köln berichtet
Dienstag, 16.04.2019   11:48 Uhr

Im Zweitliga-Spitzenspiel gegen den Hamburger SV war soeben die 81. Minute angebrochen, als plötzlich Tausende Fans des 1. FC Köln applaudierten. Es war der Moment, in dem Trainer Markus Anfang einen Torjäger durch einen anderen ersetzte, er nahm den bei den Fans enorm beliebten Jhon Córdoba vom Platz und brachte Anthony Modeste. Jenen Modeste, den sie in Köln noch immer mit dem großen Fußball verbinden, weil er den Klub vor zwei Jahren mit 25 Toren nach Europa geschossen hatte.

Als Modeste das Feld betrat, verteidigten die Kölner gegen wild anrennende Hamburger, noch führten sie, es stand 1:0. Im Fanblock sangen sie Lieder von der Liebe zum Verein und dem Erfolg, und der Vorsprung auf den Verfolger HSV betrug zehn Punkte. Dass zeitgleich auch die Hamburger gewechselt hatten, ging beinahe unter. Dabei war jener Wechsel der entscheidende, nicht der von Modeste.

Der HSV brachte Manuel Wintzheimer, einen 20-Jährigen, der bislang meist bei der zweiten Mannschaft in der Regionalliga spielte. Gegen den FC kam er zu seinem zweiten Profieinsatz - und seinem ersten Tor. "Es ging alles so schnell, ich habe an gar nichts gedacht", sagte Wintzheimer, nachdem er nicht einmal 240 Sekunden nach seiner Einwechslung den 1:1-Endstand erzielt hatte (85. Minute).

Erst die Freude, dann die Enttäuschung

Fortan sangen nur noch die HSV-Fans, die der Kölner schauten ungläubig, viele schwiegen, einige pfiffen sogar.

"Nach dem Abpfiff hab ich gedacht, wir wären Fünfter und sieben Punkte hinter dem Dritten. Wahnsinn, die Pfiffe", sagte Kölns Rafael Czichos später. Tatsächlich steht der FC mit nun 59 Punkten weiter vorne, der Vorsprung auf die Hamburger beträgt sieben, der auf den Tabellendritten Union Berlin zehn Punkte. Doch er hat auch zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage eine Führung verspielt, schon beim 4:4 im Nachholspiel gegen Duisburg war das so gewesen. "Es ist sehr, sehr ärgerlich, dass wir zum wiederholten Mal ein spätes Gegentor kriegen", sagte Angreifer Dominick Drexler. "Das zieht mich schon runter, da kann ich mich über mein Tor nicht freuen."

Drexlers Treffer zum 1:0 (26.) war sein neuntes Tor im 29. Spiel, dazu kommen 14 Vorlagen - Drexler spielt wahrscheinlich die beste Saison seiner Karriere. Er ist einer der Protagonisten, die Kölns Offensive mit 75 Toren zur gefährlichsten der Liga machen. Simon Terodde (28 Saisontore) darf in einer solchen Liste nicht fehlen, das gilt auch für Córdoba (16 Treffer). Auch Modeste traf bei acht Einsätzen immerhin fünfmal.

Doch trotz dieser Offensive folgte gegen Hamburg auf eine starke erste Hälfte eine ganz schwache zweite. Der HSV musste das Spitzenspiel ohne seine vielleicht wichtigsten Spieler bestreiten, weil Lewis Holtby gesperrt war und Aaron Hunt und Pierre-Michel Lasogga verletzt. Trotzdem übernahmen die Gäste nach der Pause die Spielkontrolle, und die Kölner ließen sie agieren. "Wir haben dann nicht mehr mutig genug nach vorne verteidigt", sagte Trainer Anfang.

Köln muss clever einkaufen

Den Aufstieg wird diese schwache zweite Hälfte nicht gefährden, dafür ist Köln individuell zu gut besetzt, gerade in der Offensive. Zumal die nächsten Gegner, Dynamo Dresden und Greuther Fürth auswärts sowie Darmstadt 98 zu Hause, allesamt in der unteren Tabellenhälfte angesiedelt sind.

epa/ Sascha Steinbach

Anthony Modeste

Doch um in der Bundesliga mithalten zu können, wird sich Köln trotzdem verstärken müssen. Spieler wie Torwart Timo Horn, Abwehrspieler Jorge Meré, Hector und auch Modeste in Topform haben bereits bewiesen, wie gut sie auch auf höchstem Niveau spielen können. Doch auf der rechten Seite dürften Christian Clemens und Marcel Risse Schwierigkeiten bekommen, und den Stammspielern Czichos, Johannes Geis und Marco Höger fehlt es an Tempo.

Und die Offensive, bislang die große Stärke der Kölner? Drexler ist schon 28 und hat noch nie Bundesliga gespielt, Terodde schon, nur trifft er da deutlich seltener (sieben Tore in 35 Einsätzen). Und Córdoba hat in drei Bundesligaspielzeiten zusammen elf Tore erzielt. Gut möglich also, dass es dann auf den alten Helden ankommen wird, Anthony Modeste. Der war in seiner letzten Kölner Saison, 2016/2017, für die Abwehrspieler der Bundesliga kaum zu verteidigen gewesen.

Aktuell ist davon zwar wenig zu sehen, Modeste wirkt nach seiner Rückkehr aus China samt Transferquerelen weit weg von seiner Topform. Aber bis zum ersten Bundesligaspiel ist ja noch ein wenig Zeit.

1. FC Köln - Hamburger SV 1:1 (1:0)
1:0 Drexler (26.)
1:1 Wintzheimer (85.)
Köln: Horn - Meré, Höger, Czichos - Clemens (42. Risse), Geis, Kainz - Drexler, Hector - Terodde (74. Sobiech), Córdoba (81. Modeste)
Hamburg: Pollersbeck - Sakai (81. Wintzheimer), Lacroix, van Drongelen, Santos - Jung (64. Vagnoman), Janjicic - Narey, Mangala, Jatta - Özcan
Schiedsrichter: Hartmann
Gelbe Karten: Terodde, Kainz, Hector, Meré / Jung, van Drongelen, Wintzheimer
Zuschauer: 50.000 (ausverkauft)

insgesamt 18 Beiträge
rambazamba1968 16.04.2019
1. Fitness und ein Platzverweis
Das Unentschieden ging am Schluss in Ordnung. Ich war gestern im Stadion und der Trainer Anfang muss sich schon ein paar Fragen erlauben, die im Artikel nicht angesprochen wurden oder falsch analysiert. Die Fitness. Dafür ist [...]
Das Unentschieden ging am Schluss in Ordnung. Ich war gestern im Stadion und der Trainer Anfang muss sich schon ein paar Fragen erlauben, die im Artikel nicht angesprochen wurden oder falsch analysiert. Die Fitness. Dafür ist der Trainer verantwortlich. Nach 70 Minuten waren fast alle Kölner stehend KO. Die Auswechslungen von Anfang waren schlecht. Terrodde fehlte beim Gegentor bei einer Standardsituation und er hätte offensiver auswechseln müssen im Mittelfeld. Das Mittelfeld war gar nicht mehr vorhanden. Der klare Platzverweis des HSV wurde im Artikel verheimlicht. Entschuldigung der Unterstellung. Aber der Spiegel sitzt in Hamburg und ich vermute einen HSV Fan hinter dem Artikel. Und der Kader ist Erstbundesligatauglich wenn die Spieler fit sind. Das sind sie aber nicht. Und Modeste hat gar nicht so schlecht gespielt. Er war komplett alleine vorne und man kann den Elfmeter gegen ihn geben, weil van Drongelen klar mit den Armen arbeitet. Und ja, Modeste ist auch noch nicht fit.
tucson58 16.04.2019
2. Grausames Gebolze als Spitzenspiel
Als Spitzenspiel war das nach meiner Meinung eine übles Gebolze und zeigt einfach das schwache Niveau der 2.Liga. Die 2.Ligisten können anscheinend nur ansehnliche und Top Leistung bringen wenn es gegen einen [...]
Als Spitzenspiel war das nach meiner Meinung eine übles Gebolze und zeigt einfach das schwache Niveau der 2.Liga. Die 2.Ligisten können anscheinend nur ansehnliche und Top Leistung bringen wenn es gegen einen Bundesligisten geht, wie im DFB Pokal Heidenheim gegen Bayern München . Wenn Heidenheim nur zu 70 % so in der 2.Liga spielen würde wie sie es gegen München gemacht haben, wären sie auf einem Aufstiegsplatz ! Für mich zeigte sich mit Köln und dem HSV zwei Teams die im Austausch mit Hannover 96 und dem 1.FC Nürnberg die Liga tauschen und kommende Saison auch nur in Liga 1 um den Klassenerhalt spielen werden, mehr ist da nicht zu erwarten . Da es aber außer dem HSV und Köln keine schwächeren Teams gibt , werden die zwei wohl wieder absteigen , wie schon vorletzte Saison
kopi4 16.04.2019
3.
Nicht das spielende Personal wird in der Bundesliga das Problem werden. Trainer Anfang ist bei den Fans schon jetzt angezählt. Bei den Wechseln wird doch mittlerweile geraunt. Risse war zuletzt völlig außer Form und wird, [...]
Nicht das spielende Personal wird in der Bundesliga das Problem werden. Trainer Anfang ist bei den Fans schon jetzt angezählt. Bei den Wechseln wird doch mittlerweile geraunt. Risse war zuletzt völlig außer Form und wird, statt Schaub, für Clemens gebracht. Und total daneben: Terodde raus und dafür mit Sobiech einen weiteren Abwehrspieler. Abgesehen davon das Sobiech zu langsam und spielerisch zu limitiert ist: so hat er die eigene Elf verunsichert und die Hamburger nochmal gepusht. Genau wie in Duisburg und Paderborn wurde wieder eine Führung leichtfertig weggecoacht.
tipaac 16.04.2019
4. Spiegelredakteur = HSV-Fan
schon zum Grinsen die Aussage, ich empfehle dem FC´ler mal die HSV-Artikel beim Spiegel zu lesen. Von "Fansein" kann ich da nicht viel entdecken :-)) eher das Gegenteil, wie im Rest der Medienlandschaft übrigens [...]
schon zum Grinsen die Aussage, ich empfehle dem FC´ler mal die HSV-Artikel beim Spiegel zu lesen. Von "Fansein" kann ich da nicht viel entdecken :-)) eher das Gegenteil, wie im Rest der Medienlandschaft übrigens auch...;-) der HSV war nie "gut" sondern der Gegner "schlecht" bei HSV -Siegen, bei HSV-Niederlagen war der Gegner "schlecht bzw.limitiert" und der HSV "noch schlechter" weil ist ja Hamburg :-)) und ansonsten hilft es einfach mal den Spielbericht zu lesen, da wird die mögliche Karte gegen Jung erwähnt......der Artikel hier hat ein anderes Sujet....
Rubikon_2016 16.04.2019
5. Sicher muß der FC
bei einem Aufstieg personell nachrüsten, ansonsten hätte man ja mit einer Erstligatruppe in der 2. Liga gekickt. Zurecht merkt der Autor an, daß sowohl im zentralen Mittelfeld als auch auf den Außenbahnen bundesligataugliche [...]
bei einem Aufstieg personell nachrüsten, ansonsten hätte man ja mit einer Erstligatruppe in der 2. Liga gekickt. Zurecht merkt der Autor an, daß sowohl im zentralen Mittelfeld als auch auf den Außenbahnen bundesligataugliche Spieler fehlen, von Hector mal abgesehen. Bader, Jannes Horn, Benno Schmitz, Lasse Sobiech oder auch Czichos sind nicht erstligatauglich. Genau wie Höger, von Lehmann mal ganz abgesehen. Warum die Kölner Fans gepfiffen haben? Ganz einfach, weil das die zweite Hälfte Angsthasenfußball gewesen ist und symptomatisch für die Coachingfehler von Markus Anfang, ebenso wie die mangelnde Fitness, die sich bereits durch die gesamte Saison zieht (man achte auf die Statistiken zur Laufleistung). Aber dann wäre Köln der wievielte Verein der ersten Bundesliga, der einen neuen Trainer sucht?

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