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Sport

Unions Bundesligadebüt

Zu viele erste Male

Bis zur 16. Minute lief für Union noch alles wie geplant. Auf den Rängen wie auf dem Platz. Dann begann das Premierenspiel auch für die Berliner Fans - und für die verhassten Gegner von RB Leipzig.

FILIP SINGER/EPA-EFE/REX
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Sonntag, 18.08.2019   21:28 Uhr

Der Moment des Spiels: Begann nach 14 Minuten und 50 Sekunden. Auf den Rängen reckten die Besucher die Hände in die Höhe, klatschen und schrien nach dem angekündigten Stimmungsboykott den Countdown herunter. Ab der 16. Spielminute war sie dann auch für die Fans offiziell eröffnet, die erste Bundesligasaison in der Vereinsgeschichte des 1. FC Union Berlin.

Zu viele erste Male: Erster Aufstieg in die Bundesliga, erster Transfer für die Bundesliga, erstes Trainingslager, erste Pressekonferenz für die erste Partie in der ersten Bundesliga - die vergangenen Wochen waren voller Premieren für Union, die vor allem in Berlin dementsprechend offensiv zelebriert wurden. Auf einige erste Male hätten die Eisernen vielleicht gerne verzichtet. Auf die erste Niederlage etwa. Aber auch die ist nun bereits Teil der jungen Bundesligageschichte des Vereins.

Das historische Ergebnis: Union Berlin hat das erste Heimspiel in der Bundesliga 0:4 (0:3) verloren. Im Stile der viele Premieren, die dieses Spiel zwangsläufig zu bieten hatte, könnte man auch sagen: Es war die höchste Niederlage der Eisernen in der Bundesliga. Hier geht es zum Spielbericht.

Die Gesichter der Premiere: Prägten in Schwarz und Weiß die Tribünen. Es waren Plakate mit Fotos verstorbener Union-Anhänger, die Besucher des Spiels im Vorfeld anfertigen lassen konnten, um diesen einmaligen Moment mit ihren einstigen Wegbegleitern teilen zu können. "Endlich dabei ..." stand unter den 70x70 Zentimeter großen Bildern.

AFP/Tobias SCHWARZ

Die ersten 15 Bundesliga-Minuten auf den Rängen: Waren geprägt vom zuvor auch in den eigenen Reihen kontrovers diskutierten Stimmungsboykott der Union-Fans gegen das "Konstrukt RB Leipzig". Tatsächlich drängte sich der Eindruck auf, den Torwart Rafal Gikiewicz befürchtet hatte. Dass man dem Gegner die Hoheit übers eigene Rund überlässt. Natürlich hatte das, was ab der 16. Minute über das Stadion hereinbrach, eine ganz andere Dezibel-Dimension. Und doch: In der ersten Viertelstunde waren über die Außenmikrofone eben nur feiernde Leipziger zu hören.

Die ersten 15 Bundesliga-Minuten auf dem Platz: Waren ein ordentliches Beispiel dafür, wie sich Urs Fischer seine Unioner in der Bundesliga vermutlich vorstellt. Zwar begann die Partie wie erwartet, RB ließ den Ball laufen, Union wartete tief in der eigenen Hälfte auf die Chance. Doch es dauerte nicht lange, da hatten die Hausherren das Spiel offener gestaltet, die ersten Möglichkeiten der Partie gingen auf das Konto der Berliner.

Die weiteren 75 Minuten: Hielten einige nicht so fröhliche erste Male für die Liga-Debütanten parat. Da war zum Beispiel das erste Gegentor in der Bundesliga, das ausgerechnet in der ersten Post-Boykott-Minute und damit mitten rein in die aufbrandende Bundesliga-Euphorie der Union-Fans fiel. Marcel Halstenberg hatte schlicht viel zu viel Zeit und viel zu viel Platz, um sich in Ruhe den Ball zurecht zu legen und in die rechte Ecke abzuschließen. Zwei schlimme Fehler im Spielaufbau später stand es durch Marcel Sabitzer (31. Minute) und Timo Werner (42.) bereits 3:0 für die Gäste aus Leipzig.

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Berlins Bundesligadebüt: Dreifaches Ärgernis

Nach Wiederanpfiff hatte sich zwar der strömende Regen verzogen, der zu allem Überfluss auch noch mit dem Ende des Berliner Schweigens gekommen war, doch der Effektivität der Gäste im Abschluss konnte auch Tormann Gikiewicz nur selten standhalten. In der 69. Minute traf RB-Zugang Christopher Nkunku zum 4:0-Endstand aus Sicht der Gäste.

Die Erkenntnis des Spiels: Man müsse den Gegnern zeigen, "dass das unser Platz ist, unser Haus", hatte Union-Keeper Gikiewicz vor der Partie gefordert. Der Gegner müsse spüren: "Wellcome to Hell." Nun, auch wenn die Leistung der Berliner nicht so schwach war, wie es das Ergebnis vermuten lässt. Immerhin war nicht zu erwarten, dass die ambitionierten Leipziger ihre Saison mit halber Kraft eröffnen würden. So kann man den Eisernen nach dieser ersten Partie gegen den Dritten der Vorsaison nur sagen: Welcome in Liga eins. Nächster Gast im Hause Union: der BVB aus Dortmund.

1. FC Union Berlin - RB Leipzig 0:4 (0:3)
0:1 Halstenberg (16.)
0:2 Sabitzer (31.)
0:3 Werner (42.)
0:4 Nkunku (69.)
Berlin: Gikiewicz - Trimmel, Friedrich, Schlotterbeck, Lenz - Prömel, Gentner (46. Ujah) - Andrich, Bülter - Abdullahi (58. Becker), Andersson (69. Polter)
Leipzig: Gulacsi - Mukiele, Konaté, Orban - Klostermann, Demme (62. Laimer), Kampl (73. Forsberg), Sabitzer, Halstenberg - Poulsen, Werner (65. Nkunku)
Schiedsrichter: Schmidt
Gelbe Karten: Becker / -
Zuschauer: 22.467 (ausverkauft)

insgesamt 29 Beiträge
zweitakterle 18.08.2019
1. .......und für die verhassten Gegner von RB Leipzig
wenn man zum Bundesligaauftakt keine anderen Sorgen hat, als seine Gegner einzulisten.... Hatte immer geglaubt, die Union habe Spaß am Spiel und ist trotz Traditionsverbundenheit mit etwas mehr Toleranz bestückt. Mit dieser [...]
wenn man zum Bundesligaauftakt keine anderen Sorgen hat, als seine Gegner einzulisten.... Hatte immer geglaubt, die Union habe Spaß am Spiel und ist trotz Traditionsverbundenheit mit etwas mehr Toleranz bestückt. Mit dieser fussballreligiösen Haltung tritt man zwangsläufig auf selbstproduzierten Hassobjekte, anstelle auf Gegner,mit denen man sich mit Freude misst....
peeka(neu) 18.08.2019
2. Tja
15 Minuten Stimmungboykott, und 15 Minuten lang die Null gehalten. Wie wäre es, das gegen Dortmund einfach auszudehnen?
15 Minuten Stimmungboykott, und 15 Minuten lang die Null gehalten. Wie wäre es, das gegen Dortmund einfach auszudehnen?
telarien 18.08.2019
3. Bei allem Verständnis
Ja, da ist ein Limofabrikant, der sich gleich zwei Klubs leistet. Das muss man nicht gut finden. Ja, da ist ein Klub aus Sachsen, wo man komische Sachen wählt. Aber da ist auch ein Klub, der mit jungen Spielern geilen Fußball [...]
Ja, da ist ein Limofabrikant, der sich gleich zwei Klubs leistet. Das muss man nicht gut finden. Ja, da ist ein Klub aus Sachsen, wo man komische Sachen wählt. Aber da ist auch ein Klub, der mit jungen Spielern geilen Fußball spielt. Es muss auch mal gut sein.
wm1412 18.08.2019
4. tja, Union-Fans,
eine tolle und emotionale Idee, das mit den Plakaten der Toten - Respekt! Das mit dem Hass auf RB war einfach nur gelinde ausgedrückt pubertär. "Man" geht zu keiner Veranstaltung, um Hass zu demonstrieren. Damit [...]
eine tolle und emotionale Idee, das mit den Plakaten der Toten - Respekt! Das mit dem Hass auf RB war einfach nur gelinde ausgedrückt pubertär. "Man" geht zu keiner Veranstaltung, um Hass zu demonstrieren. Damit stellt ihr euch auf eine ideologische Stufe mit den schießwütigen Amis in El Paso etc.
ThomasS79 18.08.2019
5. Ein völlig verkorkster Beitrag...
Union Berlin hat in diesem Spiel durch Passivität, Schlampigkeit und viel zu viele individuelle Fehler "geglänzt". Leipzig lies hier weitestgehend über 75 Minuten kaum etwas zu - das war ein Klassenunterschied! Dabei [...]
Union Berlin hat in diesem Spiel durch Passivität, Schlampigkeit und viel zu viele individuelle Fehler "geglänzt". Leipzig lies hier weitestgehend über 75 Minuten kaum etwas zu - das war ein Klassenunterschied! Dabei sind die Eisernen mit einem 0:4 gegen ein munter aufspielendes Leipzig gut bedient! Im Gegenteil, Sabrina Knoll, die Leistung der Unioner war sogar schwächer als es das Ergebnis vermuten lässt, so schwach, dass sie froh sein können dank eines kontrollierten Zurückschaltens der Leipziger nicht mit einem 0:6 oder höher vom Platz gefegt worden zu sein. Vielleicht sollte man sich in der Berichterstattung neben einem völlig verkorksten Bundesligastart für die Unioner bewusst machen, dass es mit so einer desolaten Leistung wohl gegen jeden Gegner in der Bundesliga schwer wird! Da hilft auch nichts mit aller Empathie zum zigsten Mal über die Stimmungs(boykotte) zu lamentieren. Läuft Union in dieser Form gegen den BVB auf, gibts das nächste Schießbudenfestival, versprochen! Ob den Eisernen dann langfristig immer noch zum jubeln ist, bleibt abzuwarten. Auf Leipzig jedenfalls kann man sich diese Saison freuen - das kann man auch mal sagen, anstatt dem völlig religiös gestreuten Hass, der professionell auf keinerlei Basis beruht hier noch euphorisch eine Plattform zu geben! Vielleicht hätten sich die Eisernen mal mehr mit dem Sport (den sie ja so lieben) befassen sollen, anstatt mit Boykotten und Abgrenzung zum Gegner.

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