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Sport

Bundesligaabsteiger VfB Stuttgart

Hoffnungsträger Klinsmann

Der VfB Stuttgart steht nach Abstieg und Präsidentenrücktritt vor dem Neuanfang. Gesucht ist eine seriöse und glaubwürdige Person an der Spitze. Immer wieder fällt der Name des früheren Bundestrainers.

DPA

Kehrt er zurück? Jürgen Klinsmann hat Erfahrung mit Neuanfängen

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Mittwoch, 17.07.2019   16:04 Uhr

Ein Anruf am vergangenen Montag, wenige Stunden nach dem Rücktritt von Präsident Wolfgang Dietrich. Er sei "heilfroh, dass der endlich weg ist", sagt ein ehemaliger VfB-Profi am anderen Ende der Leitung. "Zu meiner Zeit war Erwin Staudt Präsident. Der hat auch einiges falsch gemacht, man hatte aber immer das Gefühl, dass da ein integrer Mensch am Werk ist, der nach bestem Wissen und Gewissen handelt. Dietrich war das genaue Gegenteil."

Diese eine Stimme ist vielleicht nicht zwingend repräsentativ, aber durchaus bezeichnend für die Stimmungslage beim VfB. Nach dem Bundesligaabstieg, nach einer chaotischen Mitgliederversammlung, nach dem dann folgenden Rücktritt von Präsident Dietrich steht der Klub vor dem grundlegenden Neuanfang. Und der scheint dringend geboten.

So unklar es ist, wer der Neue wird - es scheint ein weitgehender Konsens darüber zu bestehen, dass er in vielerlei Hinsicht anders sein muss als Dietrich. Ähnlich meldet sich auch der grüne Landtagsabgeordnete Jürgen Walter zu Wort, der seit der Saison 1966/1967 zum VfB geht: "Man braucht einen Sympathieträger, jemanden, der den Verein als Ganzen mitnimmt und sich nicht ständig ins Tagesgeschäft einmischt."

Aufsichtsrat in der Pflicht

Der VfB habe nun die große Chance, einen Präsidenten zu finden, der "den beiden Glücksgriffen" - Sportvorstand Thomas Hitzlsperger und Sportdirektor Sven Mislintat - freie Hand lässt. Vor allem aber sei nun der Aufsichtsrat in der Pflicht. "Mir ist es ein Rätsel, wie man Dietrich überhaupt vorschlagen konnte. Im jetzigen Aufsichtsrat sitzen halt einige, die auch Infantino zum VfB-Präsidenten gewählt hätten."

Christoph Schmidt DPA

Guckt mit Recht grimmig: Ex-Präsident Wolfgang Dietrich

Christian Prechtl, Betreiber des VfB-Blogs "By the way", formuliert ein ähnliches Anforderungsprofil. Der Neue müsse "zuerst mal die Gräben zuschütten, die sein Vorgänger aufgerissen hat". Er solle unabhängig agieren, ohne ständig auf die Seilschaften Rücksicht zu nehmen, "die seit Jahrzehnten hinter den Kulissen agieren". Prechtl, der auch regelmäßig für SPIEGEL ONLINE schreibt und als vehementer Kritiker Dietrichs bekannt ist, wünscht sich einen Präsidenten, der "bescheiden auftritt und sich überlegt, ob man als mitgliederstärkster Verein in Baden-Württemberg nicht auch eine soziale Verantwortung hat".

Doch so wenig umstritten es in Stuttgart zu sein scheint, wie der neue VfB-Präsident sein soll - wer es werden wird, steht in den Sternen. Kein Thema ist offenbar der ehemalige Grünenvorsitzende Cem Özdemir, der zwar beinharter VfB-Fan ist und früher immer wieder für Vereinsposten gehandelt wurde, sich aber als Bundestagsabgeordneter unterbewertet fühlt und sein Augenmerk auf höhere politische Ämter zu legen scheint. Im ganz auf Ministerpräsident Winfried Kretschmann zugeschnittenen Landesverband wäre er der logische Nachfolger des 71-Jährigen oder des Stuttgarter Oberbürgermeisters Fritz Kuhn.

Berthold und Buchwald zeigen Interesse

Rainer Adrion hat derweil bereits erklärt, dass er allenfalls in beratender Tätigkeit aktiv werden will. Der langjährige VfB-Nachwuchstrainer hatte am Sonntag mit einer sachlichen, aber scharfen Rede die Defizite Dietrichs benannt und wäre als uneitler Fachmann eine naheliegende Besetzung.

Blieben die Ex-Spieler. Karl Allgöwer hat in den vergangenen Jahren immer wieder erklärt, dass ihn nichts und niemand in eine Führungsrolle drängt. Daran dürfte sich wenig geändert haben.

Thor Gudmundsson Getty Images

Rainer Adrion will höchstens Berater sein

Anders liegt der Fall bei Thomas Berthold und Guido Buchwald, der im Winter als erster öffentliche Kritik an Dietrich und dessen Adlatus Michael Reschke übte. Seine Aufsichtsratskollegen zwangen ihn damals zum Rücktritt. Doch während Berthold im Verein das Standing fehlt, hat Buchwald in den vergangenen Jahren wohl zu oft den Finger gehoben, wenn Posten zu verteilen waren.

Bliebe Jürgen Klinsmann, der nicht abgeneigt wäre, wieder in Deutschland zu arbeiten. Doch auch der ehemalige Bundestrainer und US-Nationalcoach dürfte kein Interesse an einem Ehrenamt haben. Da trifft es sich gut, dass der VfB seit Langem einen neuen Vorstandschef sucht. Robert Schäfer (ehemals Düsseldorf) soll unter Dietrich kurz vor der Vertragsunterschrift gestanden haben. Nun werden die Karten neu gemischt.

Wird Klinsmann also Vorstandschef statt Präsident? Das wäre ein Schritt nach vorne für den VfB, der dann mit Hitzlsperger und Klinsmann gleich zwei Vorstände mit Sachverstand und Stallgeruch hätte und einen Präsidenten suchen könnte, der die in Stuttgart traditionell wichtigen Repräsentationspflichten übernimmt, sich aus dem operativen Geschäft aber herausnimmt.

Von großspurigen Versprechungen und sündhaft teuren Transfers scheint die VfB-Basis jedenfalls genug zu haben: Am Sonntag ernteten mit Adrion und Hitzlsperger zwei Menschen tosenden Applaus, die für Seriosität und Nachhaltigkeit stehen - und damit für einen klaren Bruch mit der kurzen Ära Dietrich. Atmosphärisch ist das eine gute Basis für einen Verein, der gut beraten ist, sich mit der Präsidentensuche Zeit zu nehmen. Wozu es führt, wenn man danebenliegt, haben sie ja gerade erfahren.

insgesamt 14 Beiträge
brandmauerwest77 17.07.2019
1. Man
kann nur beten, dass es diesmal der richtige wird. Jemand der zuerst an den Verein denkt, jemand, der bereit ist, kollegial mit Hitzlsperger und Mislintat zusammenzuarbeiten und nicht versucht, das von den Beiden angefangene [...]
kann nur beten, dass es diesmal der richtige wird. Jemand der zuerst an den Verein denkt, jemand, der bereit ist, kollegial mit Hitzlsperger und Mislintat zusammenzuarbeiten und nicht versucht, das von den Beiden angefangene gleich wieder in Frage zu stellen, nur um eigene Vorstellungen durchsetzen zu können. Also jemand, der alle mitnimmt und den Laden solidarisch zusammenhält. Passt dies alles zu Klinsmann, der bekanntlich einen sehr eigenen Kopf hat ? Man hat da seine Zweifel. Allgöwer wäre mir ehrlich gesagt lieber, denn Er ist keiner, der sich unbedingt in den Vordergrund drängen will. Fragt sich nur, ob Er überhaupt möchte. Was rege ich mich auf, die haben es schon so oft versammelt, da kommt es auf einmal mehr oder weniger auch nicht mehr an. Obwohl, wenn man das Potenzial sieht, welches eigentlich da ist, nur wer macht endlich mal was daraus im Land der Tüftler ?
ugapa 17.07.2019
2. freddi solls machen
Wie wärs mit Freddi Bobic? Der zeigt ja gerade in Frankfurt, wie man einen Verein professionell und modern managt. Klinsmanns Erfolge nach seiner aktiven Fussballerzeit sind überschaubar.
Wie wärs mit Freddi Bobic? Der zeigt ja gerade in Frankfurt, wie man einen Verein professionell und modern managt. Klinsmanns Erfolge nach seiner aktiven Fussballerzeit sind überschaubar.
ugapa 17.07.2019
3. Nachtrag
Freddi Bobic natürlich als Vorstandsvorsitzender. Als Frühstücks-Präsident wäre doch Wendelin Wiedeking eine gute Besetzung. Dann geht's sportlich & wirtschaftlich aufwärts.
Freddi Bobic natürlich als Vorstandsvorsitzender. Als Frühstücks-Präsident wäre doch Wendelin Wiedeking eine gute Besetzung. Dann geht's sportlich & wirtschaftlich aufwärts.
Migo123 17.07.2019
4. Helden
Der Klinsmann muß aufpassen, dass er nicht der Uwe Seeler des VfB Stuttgart wird! Der Griff ins alte Heldenregal hat damals nämlich genau nix gebracht. Weder für "Uns-Uwe", noch für den HSV!
Der Klinsmann muß aufpassen, dass er nicht der Uwe Seeler des VfB Stuttgart wird! Der Griff ins alte Heldenregal hat damals nämlich genau nix gebracht. Weder für "Uns-Uwe", noch für den HSV!
morkvamork 17.07.2019
5.
aha, schon vergessen das ausgerechnet Freddi Bobic den VFB kaputt gespart hat ? Und der sinnfreie (blödsinnige) Stadionumbau geht auch auf seine Kappe !
Zitat von ugapaWie wärs mit Freddi Bobic? Der zeigt ja gerade in Frankfurt, wie man einen Verein professionell und modern managt. Klinsmanns Erfolge nach seiner aktiven Fussballerzeit sind überschaubar.
aha, schon vergessen das ausgerechnet Freddi Bobic den VFB kaputt gespart hat ? Und der sinnfreie (blödsinnige) Stadionumbau geht auch auf seine Kappe !

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