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Sport

Bayern-Fehlstart

Meister des Mittelmaßes

Die Verantwortlichen des FC Bayern sind schockiert. Einen Traumstart hatten sie sich erhofft, doch der Top-Favorit liegt nur auf Platz 14. Probleme, die den Rekordmeister schon lange plagen, wurden nicht behoben. Die Konkurrenz droht die Münchener abzuhängen.

Getty Images

Bayern-Trainer van Gaal (2.v.r.), Sportchef Nerlinger (l.): Gegen die herrschende Lehre

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Montag, 24.08.2009   18:13 Uhr

Um zu wissen, wie schlecht es wirklich um den FC Bayern München bestellt ist, reicht ein kurzer Blick auf die Tabelle. Zwei Punkte, eins zu neun Tore, letzter Platz. Vier Spiele hat es nur gebraucht, den Respekt der gegnerischen Teams schrumpfen zu lassen wie einen aufgeschlitzten Reifen. Dabei braucht ein neuer Trainer Zeit, seine Ideen umzusetzen. Und außerdem mussten die Bayern gleich nach Ingolstadt. Und dann nach Jena. Das Auftaktprogramm war nun wirklich nicht ohne.

Für Mehmet Scholl und Bayern II.

Weil man es von der zweiten Mannschaft des Rekordmeisters anders gewohnt ist und von den Elite-Kickern der Münchner sowieso, entbehrt das Drama nicht einer gewissen Ironie, das sie beim FC Bayern gerade aufführen. Drittliga- und Erstligateam scheinen sich einen clubinternen Wettbewerb darin zu liefern, wer schlechter in die Saison startet. Die großen Bayern stehen noch ein wenig besser da mit zwei Punkten, drei zu vier Toren und Tabellenplatz 14, nur die Rote Laterne hat sich das Team von Trainer Louis van Gaal noch nicht abgeholt. Allerdings kommt am nächsten Spieltag der VfL Wolfsburg in die Münchner Arena.

So miserabel ist dieser Saisonstart, dass selbst die Superlative aus der Klinsmann-Ära nicht mehr auszureichen scheinen, das vermeintliche Elend in Worte zu fassen. Was soll man eigentlich nach einer Niederlage gegen Wolfsburg noch schreiben?

Wäre es der VfL Bochum oder Eintracht Frankfurt, ein Fehlstart wie dieser würde milde weggelächelt werden. Bochum muss schon in Rosa verlieren, damit überhaupt jemand drüber schreibt. Doch gewinnt der FC Bayern mal drei Spiele in Folge nicht, werden Strategien für Jahre innerhalb von Tagen geprüft und zerpflückt. Öffentlich. Sogar von den eigenen Leuten. Uli Hoeneß gibt dann der "Sportbild" ein Interview, Karl-Heinz Rummenigge der "AZ" - und Franz Beckenbauer schreibt in der "Bild". Ganz aktuell tritt er der Vermutung entgegen, der FC Bayern sei "untrainierbar". Seine Antwort ist so schlicht wie einleuchtend: "Felix Magath, Ottmar Hitzfeld und Jupp Heynckes haben es doch auch geschafft."

Selten lagen die Gründe für einen Fehlstart so deutlich auf der Hand

Der Zusatz, Louis van Gaal habe noch einen Vertrag bis 2011, darf an der Stelle natürlich nicht fehlen. Und Mario Gomez muss in der "tz" die Frage beantworten, ob die Mannschaft gegen den Trainer spiele.

Ist es wirklich so einfach? Natürlich müsste man die Zurechnungsfähigkeit jedes Analysten in Frage stellen, der nicht auch die Arbeit des neuen Trainers hinterfragte. Aber selten lagen die Gründe für einen Fehlstart so deutlich auf der Hand, und noch seltener war die Verantwortlichkeit derer klarer, die jetzt Interviews geben.

All diese Probleme sind hausgemacht, und sie sind so offensichtlich, dass die Frage erlaubt sein muss, warum die Bayern sie immer noch nicht behoben haben.

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