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Sport

Champions-League-Viertelfinale

Die unbesungenen Helden von Liverpool

Beim Sieg gegen Porto glänzten nicht die üblichen Liverpool-Stars - sondern solide Arbeiter wie der Ex-Leipziger Naby Keïta und Kapitän Jordan Henderson. Jürgen Klopps Team hat nun beste Chancen auf das Halbfinale.

REUTERS

Liverpools Naby Keita

Aus Liverpool berichtet
Mittwoch, 10.04.2019   07:22 Uhr

Die Scheiben der Pubs in den Straßen um das Anfield-Stadion waren beschlagen. Von draußen war nicht viel zu sehen außer ein paar rot-weißen Schals, die durch die Luft geschwungen wurden. Aber es war viel zu hören.

Die Menschen, die um kurz nach 23 Uhr Ortszeit beim Bier den 2:0-Erfolg im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen den FC Porto feierten, besangen ihre Helden. Sie sangen das Lied über Mohamed Salah, den ägyptischen König, wie es im Text heißt. Sie sangen das Lied über Roberto Firmino und das über Virgil van Dijk.

Naby Keïta besangen sie nicht. Auch nicht Kapitän Jordan Henderson.

Dabei hatten die beiden Mittelfeldspieler die Partie gegen Porto geprägt und damit wieder einmal nachgewiesen, dass der FC Liverpool mehr ist als die Offensivreihe aus Salah, Firmino und Sadio Mané oder der viel gepriesene Abwehrchef van Dijk. Sie haben gezeigt, dass das Team über ein solides Fundament verfügt. Trainer Jürgen Klopp sprach hinterher davon, dass er "viele gute Leistungen" bei seiner Mannschaft gesehen habe.

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Champions League: Auf dem Weg ins Halbfinale

Keïta machte das wohl beste Spiel seit seinem Wechsel nach Liverpool für angeblich 60 Millionen Euro im Sommer. Er kommt so langsam an der Anfield Road an. Nachdem ihm am Freitag beim 3:1 in der Premier League gegen den FC Southampton sein erster Treffer überhaupt für den neuen Arbeitgeber gelungen war, brachte er seine Mannschaft gegen Porto in der fünften Minute mit einem abgefälschten Schuss von der Strafraumkante in Führung.

In der finalen Saisonphase funktioniert Keïta immer besser

Das Tor war nicht Keïtas einziger Beitrag zum Sieg. Er bereitete viele gefährliche Aktionen vor mit guten Pässen in die Spitze, und half auch hinten mit. Er war an beiden Strafräumen zu finden. Genau so, wie es sich Klopp wünscht. "Er war ein paar Mal ein bisschen unglücklich in den ersten ein, zwei Situationen. Heute war er von Anfang an voll da", lobte der deutsche Trainer. Es ist eine gute Nachricht für Klopp, dass Keïta immer besser funktioniert - rechtzeitig zur finalen Phase der Saison, in der Liverpool trotz erst einer Niederlage in der Liga wohl bis zum Schluss mit Manchester City um die Meisterschaft ringen muss.

Henderson ist schon länger da. Er hat schon oft gezeigt, wie wichtig er als Stabilisator in der Spielfeldmitte und als emotionaler Anführer ist. Beim Achtelfinal-Hinspiel gegen den FC Bayern an der Anfield Road (0:0) war er der beste Mann seines Teams. Gegen Porto spielte er in einer etwas offensiveren Rolle als sonst und leitete Firminos 2:0 in der 26. Minute mit einem hübschen Steilpass auf den rechten Flügel ein.

Henderson ist ein "brillanter Spieler", sagt Klopp

Klopp musste lachen, als er nach der Partie gefragt wurde, ob er solche Aktionen bewusst von seinem Kapitän gefordert hätte. "Es wäre cool, wenn ich meinen Spielern sagen könnte: Spiel solche Pässe, und dann treffen wir sofort. Er ist ein brillanter Spieler. Ich freue mich, dass er das zeigen konnte", sagte der Trainer über Henderson.

Carl Recine / REUTERS

Liverpools Kapitän Jordan Henderson (l.) im Duell mit Portos Yacine Brahimi

Neben den einzelnen Leistungen seiner Profis war Klopp auch mit dem Ausgang der Partie zufrieden. "2:0 ist ein sehr, sehr gutes Ergebnis. Das hätte ich vorher gekauft", sagte er. Dabei hatte es nach den beiden frühen Toren so ausgesehen, als wäre ein noch höherer Sieg möglich. Vielleicht sogar ein 5:0, wie im Achtelfinal-Hinspiel der vergangenen Saison gegen den gleichen Gegner, damals auswärts.

Doch nach einer sehr aktiven ersten Halbzeit bot Liverpool eine eher passive zweite und konzentrierte sich mit fortschreitender Spieldauer darauf, ein Gegentor zu vermeiden, das die Ausgangslage für das Rückspiel kommende Woche Mittwoch (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) deutlich verkompliziert hätte. Das gelang. Glück hatte Liverpool, dass es nach Salahs heftigem Einsteigen gegen Portos Kapitän Danilo in der Schlussphase keine Rote Karte gab.

Für Klopps Mannschaft war der Spielverlauf eine willkommene Abwechslung. Zuletzt hat sie mehrmals bis kurz vor dem Ende gebraucht, um den Sieg zu sichern, mit späten Toren gegen Fulham, Tottenham und Southampton. Gegen Porto erledigte sie den Job schon früh durch die beiden Treffer in der ersten Halbzeit und konnte Kraft sparen für den Kampf um die Meisterschaft, wo am Sonntag (17.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) die nächste schwere Etappe ansteht. Dann ist der FC Chelsea zu Gast an der Anfield Road.

insgesamt 2 Beiträge
golfstrom1 10.04.2019
1. Liverpool
Die Liverpooler agieren derzeit absolut im Stile einer Spitzenmannschaft. Sie gehören in der Championsleague zu den Geheimfavoriten und haben auch in der Premierleague durchaus noch die Chance auf den Titel. Ich bin sicher, dass [...]
Die Liverpooler agieren derzeit absolut im Stile einer Spitzenmannschaft. Sie gehören in der Championsleague zu den Geheimfavoriten und haben auch in der Premierleague durchaus noch die Chance auf den Titel. Ich bin sicher, dass auch ManCity noch irgendwo Punkte liegen lässt. Und man hat derzeit wieder den Eindruck als wenn Liverpool den leichten Hänger im Februar überwunden hat und zur Effektivität der Hinrunde zurückgefunden hat. Aber das Team ist sehr abhängig von einzelnen Spielern. Bei Ausfällen von van Dijk, Firminho, Salah oder auch Mane bekommt das Team Probleme. Der Saisonverlauf hat gezeigt, dass die Tiefe des Kaders qualitativ nicht so stark besetzt ist wie bspw. bei ManCity. Ich würde mir wünschen, dass Liverpool dieses Jahr einen der beiden Titel wenigstens gewinnt, ich traue dem Team aber auch beide Titel zu.
meresi 10.04.2019
2. Für beide Titel
wird die Kraft nicht reichen. Die Fans wollen einen Sieg in der Meisterschaft. Was wahrscheinlich wichtiger wäre um sie ruhig zu stellen und automatisch wieder für die CL gebucht damit. Aber die CL gewinnen ist halt ganz was [...]
wird die Kraft nicht reichen. Die Fans wollen einen Sieg in der Meisterschaft. Was wahrscheinlich wichtiger wäre um sie ruhig zu stellen und automatisch wieder für die CL gebucht damit. Aber die CL gewinnen ist halt ganz was anderes...würde bedeuten, nicht nur über Man City zu stehen oder den Spurs, nein, auch über Barca, Juve und einigen anderen.

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