Schrift:
Ansicht Home:
Sport

Dortmunds 3:3 nach 3:0-Führung

Ein Remis, das sich wie eine Niederlage anfühlt

Eigentlich lagen sie souverän auf Siegkurs, dann folgte der Einbruch. Borussia Dortmund hat eine Drei-Tore-Führung verspielt. Noch schlimmer: Der FC Bayern rückt langsam heran.

Getty Images
Aus Dortmund berichtet
Samstag, 09.02.2019   23:44 Uhr

In den Kneipen des Kreuzviertels, nahe am Dortmunder Stadion, zeigten die Bildschirme das Spiel des FC Bayern. Die Menschen in den schwarz-gelben Trikots hofften beim Pils auf die Männer in den königsblauen Trikots. Doch spätestens nach dem 3:1 der Münchner war die Hoffnung dahin, dass es beim Vorsprung von sieben Punkten bleiben wird.

Also wandten sich die Anhänger von Borussia Dortmund wieder der Frage zu, wie das passieren konnte am Nachmittag, dieses 3:3 nach 3:0-Führung gegen die TSG Hoffenheim.

Damit hatten zuvor auch die BVB-Verantwortlichen begonnen. "Die Niederlage", hatte Sebastian Kehl zuvor im Stadion seinen Erklärungsversuch gestartet, bevor er sich selbst korrigierte. "Ach, nicht die Niederlage, das Unentschieden müssen wir uns selbst ankreiden", sagte der Leiter der Lizenzspielerabteilung. "Wir haben uns nicht mehr richtig gewehrt und keine Ruhe ins Spiel bekommen."

Nagelsmann findet in der Pause das richtige Mittel

Hoffenheim, das in der ersten Hälfte so zahm wie selten war, fand nach der Pause mit zwei neuen Spielern und neuer Ausrichtung das richtige Mittel, um den BVB aus dem Konzept zu bringen. Trainer Julian Nagelsmann schickte seine Mannschaft im Verbund weiter nach vorne, verordnete ihr ein frühes Pressing.

"Wir hatten dann einige gute Ballgewinne", sagte Nagelsmann, dessen Spieler schnell merkten, wie anfällig der Tabellenführer gegen Flanken war, ob aus dem Spiel heraus oder nach Standardsituationen. "Die Situationen zu verteidigen ist immer auch eine Mentalitätssache. Wir haben aber auch nicht die größten Spieler", sagte BVB-Assistenztrainer Edin Terzic, der Lucien Favre an der Seitenlinie und in der Pressekonferenz vertrat.

Der Cheftrainer, der die Besprechung im Mannschaftshotel noch abgehalten hatte, dann aber im Stadion wegen seiner starken Erkältung fehlte, war über Telefon mit Terzic und seinem anderen Assistenten Manfred Stefes verbunden. Es dürfte seine Anweisung gewesen sein, in der 83. Minute den Innenverteidiger Ömer Toprak für den offensiven Mario Götze zu bringen.

Nicht der erste Einbruch in dieser Saison

Das war ein deutliches Signal, dass der BVB trotz des 3:1-Vorsprungs um die Schwächen in der Luft wusste und Furcht vor weiteren Toren des Gegners hatte. Die fielen dann trotz Toprak, erst nach einer Flanke, dann nach einem Freistoß, begünstigt durch Fehler von Abdou Diallo und Achraf Hakimi, die eine schwache Leistung zeigten.

"Wir haben eine junge Mannschaft. Daran müssen wir weiter arbeiten", sagte Terzic zu den Schwächen bei Flanken, die schon eine Woche zuvor zum 1:1-Ausgleich von Eintracht Frankfurt geführt hatten. Der Treffer zum 3:3, der Werder Bremen drei Tage später in das letztlich gewonnene Elfmeterschießen im DFB-Pokal brachte, fiel nach einem Eckstoß. In der Verlängerung des Achtelfinalspiels waren die Dortmunder zwei Mal in Führung gegangen, der Gegner kam jeweils zurück.

Die Woche vor dem Hinspiel im Achtelfinale der Champions League bei Tottenham Hotspur (Mittwoch, 21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) hielt einige Rückschläge für den BVB parat. "Aber wir müssen trotzdem positiv bleiben. Wir hatten davor sechs, sieben gute Monate", sagte Axel Witsel, der sonst so ruhende Pol, der gegen Hoffenheim in der zweiten Halbzeit den Faden verlor.

"Auch mal wegverteidigen"

Vielleicht war die Gelbsperre von Thomas Delaney gravierender als der verletzungsbedingte Ausfall von Marco Reus, dessen Fehlen der in der Offensive überragende Jadon Sancho und auch Mario Götze wettmachten. Delaney ist jemand, der Fehlentwicklungen früh erkennt und gegensteuert. In den drei Bundesligaspielen ohne den dänischen Mittelfeldspieler nahm der BVB acht Tore hin (Schnitt: 2,67), in den 18 mit ihm 15 (0,83).

Wie die Fans beim Pils suchte auch Julian Weigl nach Erklärungen für den Einbruch in der zweiten Hälfte, der in der Schlussphase eskalierte. Seine Kritik klang so, als habe auch er Thomas Delaney vermisst: "Du musst das da hinten mit Mann und Maus auch mal wegverteidigen."

Borussia Dortmund - TSG Hoffenheim 3:3 (2:0)
1:0 Sancho (32.)
2:0 Mario Götze (43.)
3:0 Guerreiro (66.)
3:1 Belfodil (75.)
3:2 Kaderabek (83.)
3:3 Belfodil (87.)
Dortmund: Bürki - Piszczek, Weigl, Diallo, Hakimi - Witsel, Dahoud - Sancho, Philipp (70. Paco Alcácer), Guerreiro (90.+2 Wolf) - Mario Götze (83. Toprak)
Hoffenheim: Baumann - Bicakcic, Posch, Benjamin Hübner - Kaderabek, Grillitsch, Schulz - Demirbay (46. Geiger), Bittencourt (70. Nelson) - Joelinton, Kramaric (46. Belfodil)
Schiedsrichter: Marco Fritz
Zuschauer: 81.365 (ausverkauft)
Gelbe Karten: - Grillitsch (5), Demirbay (2), Geiger

insgesamt 44 Beiträge
briancornway 10.02.2019
1. Dramaturgie
Schon seltsam ... wären die Tore alle in umgekehrter Reihenfolge gefallen, dann hätte sich das Remis vielleicht wie ein Sieg angefühlt, und dennoch hätte es nur einen Punkt gegeben. Die Hereinnahme von Toprak war [...]
Schon seltsam ... wären die Tore alle in umgekehrter Reihenfolge gefallen, dann hätte sich das Remis vielleicht wie ein Sieg angefühlt, und dennoch hätte es nur einen Punkt gegeben. Die Hereinnahme von Toprak war eigentlich weise. Beim 3:1 fehlte die Abstimmung zwischen Diallo und Weigl, beim 3:2 versäumte es Hakimi, in den Luftkampf zu gehen, und das 3:3 verstehe ich noch nicht ganz. Es gab nach Foul an Dahoud keinen Freistoß, sondern Vorteil für Dortmund, die aber den Ball verloren, wonach Hoffenheim einen Freistoß herausholte ... naja, bekam, und das alles, bevor Dahoud überhaupt aufgestanden war ? So unvorteilhaft habe ich die Vorteilsregel selten ausgelegt gesehen. Vielleicht hätte der erste BVB-Spieler mit Vorteil direkt in einen Zweikampf gehen sollen, in der Hoffnung, dass dann - nach Ballverlust - doch abgepfiffen wird ... oder er sogar durchkommt. Vielleicht war es auch clever von Hoffenheim, diese Vorteilssituation direkt einzudämmen, ohne sie abzubrechen, einfach nur, damit das Spiel dort weiterläuft. So weit ist mein Spielverständnis doch nicht. Ich hoffe, das war nicht die letzte Überraschung dieser Liga-Saison, bisher gab es fast spieltäglich mindestens eine.
RalfHenrichs 10.02.2019
2. Kein Problem
Ist ja klar, dass der Abstand mal größer und mal kleiner wird. So lange er nicht dauerhaft kleiner wird, kann der BVB damit leben. Und man muss auch erst einmal 3:0 gegen Hoffenheim führen. Dass man sich dann vor allem in [...]
Ist ja klar, dass der Abstand mal größer und mal kleiner wird. So lange er nicht dauerhaft kleiner wird, kann der BVB damit leben. Und man muss auch erst einmal 3:0 gegen Hoffenheim führen. Dass man sich dann vor allem in Zeiten der Dauerbelastung auf einen Vorsprung ausruht und wenn man dann merkt, dass man den Faden verloren hat, nicht wieder zurückkommt, ist schon anderen Mannschaften passiert. Daraus wird der BVB lernen und wenn Dortmund zukünftig wieder die 3:0 führt und sich dann daran erinnert, dass das noch kein sicherer Sieg ist, kann der BVB mit dem 2 Punkte Verlust gut leben.
letitbe 10.02.2019
3. Bvb
Die RINGELSÖCKCHENBANDE wird nervös. Eine solch überragende Vorrunde wird schwer zu wiederholen sein und deshalb glaube ich, dass die Unerfahrenheit mit dieser Situation Meister werden zu können die BVB Bande scheitern lassen [...]
Die RINGELSÖCKCHENBANDE wird nervös. Eine solch überragende Vorrunde wird schwer zu wiederholen sein und deshalb glaube ich, dass die Unerfahrenheit mit dieser Situation Meister werden zu können die BVB Bande scheitern lassen wird. 4-4 gegen Schalke 04 letzte Saison und jetzt 3-3 gegen Hoffenheim, die Bilder gleichen sich, sehr zur Freude von mir!
mgrevenstein 10.02.2019
4. Das
fühlt sich nicht nur so an. Da waren parallelen zu sehen. Völlige Verunsicherung nach dem 3:1. Angst in den Köpfen. Dabei war Hoffenheim keineswegs überragend. Mit Reus wäre das nicht passiert? 3:0 zu Hause führen und noch [...]
fühlt sich nicht nur so an. Da waren parallelen zu sehen. Völlige Verunsicherung nach dem 3:1. Angst in den Köpfen. Dabei war Hoffenheim keineswegs überragend. Mit Reus wäre das nicht passiert? 3:0 zu Hause führen und noch 2 Punkte verschenken darf nicht passieren. Egal ob Reus da ist oder nicht. Wer lacht is klar und ich glaube nicht das letzte mal.
Nonvaio01 10.02.2019
5. Spieler zu klein
Das ist das duemmste was ich jeh gehoert habe
Das ist das duemmste was ich jeh gehoert habe
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP