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Sport

Niederlage bei den Bayern

Dortmunder Männerfußball

Die Forderungen von BVB-Sportchef Michael Zorc vor dem Topspiel in München waren nicht nur sexistisch. Sie waren auch erfolglos. Testosteron schießt keine Tore. Lewandowski schon.

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Samstag, 09.11.2019   22:07 Uhr

Dortmunder Männerfußball: Fast genau fünf Jahre ist es her, dass Borussia Dortmund in einem Bundesliga-Auswärtsspiel beim FC Bayern nicht mindestens vier Gegentore kassierte. Diese Bilanz nahm Dortmunds Sportchef Michael Zorc vor der Partie zum Anlass, mal nicht "über die Taktik" zu sprechen. "Wir müssen Männerfußball spielen, wir müssen Kerle sein", sagte er. Stellt sich die Frage, was dieser Begriff "Männerfußball" zu bedeuten hat. Vermutlich ist er ein sexistisches Mentalitätsäquivalent, um die Einstellungsdebatte zu umgehen. Was davon zu halten ist, zeigten unter anderem die über 77.000 Menschen, die zeitgleich im Londoner Wembley-Stadion das Länderspiel England gegen Deutschland bejubelten. Das Länderspiel der Frauenteams.

Ergebnis: Borussia Dortmund verlor bei Bayern München 0:4 (0:1). Robert Lewandowski traf für den Rekordmeister zur Führung (17.), Serge Gnabry kurz nach der Pause bereits zur Vorentscheidung (49.). Wieder Lewandowski und ausgerechnet Ex-Bayern-Spieler Mats Hummels mit einem Eigentor trieben die Dortmunder Niederlage in die Höhe. Hier geht es zum Spielbericht.

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FC Bayern gegen BVB: Alles beim Alten

Lieblingsheimgegner: Bereits durch Lewandowskis Führungstreffer hat seit der Saison 2015/2016 kein Team mehr Gegentore in der Münchner Arena kassiert als Borussia Dortmund. Und so schnell dürfte auch kein Team am BVB vorbeikommen. Inzwischen sind es 24 Gegentreffer.

Erste Hälfte: Mit Spannung war die Leistung der Bayern erwartet worden, nachdem Hansi Flick das Team zu Beginn der Woche von Niko Kovac übernommen hatte. Wie angekündigt ließ Flick mit Thiago und Coutinho zwei der individuell stärksten Spieler zunächst auf der Bank. Thomas Müller, der übrigens für sein 500. Pflichtspiel ausgezeichnet wurde, und Leon Goretzka spielten die Doppelacht und bereiteten Dortmund vor allem in der Defensive große Probleme. So große, dass Dortmund nach nur 36 Minuten erstmals wechselte: Jadon Sancho verließ das Feld für den defensiveren Raphaël Guerreiro.

Doch keine erste Hälfte? Pünktlich zum größten Klubfußballspiel Deutschlands starteten bei Bundesliga-Rechteinhaber Sky die Probleme. Die App des Bezahlsenders namens Sky Go fiel aus - und damit auch der entspannte Fußballabend zahlreicher Nutzer. Erst im Laufe des Spiels wurde die Internetübertragung wiederhergestellt.

Lewandowski I: Ronaldo, der brasilianische und nicht der portugiesische, wurde während seiner Karriere in Europa "El Fenomeno" genannt, "das Phänomen". Er traf aus nahezu jeder Lage und galt als bester Stürmer Europas. Acht Jahre nach Ronaldos Karriereende haben Mittelstürmer im europäischen Fußball einen schweren Stand, oft sind sie technisch weniger begabt als Spieler anderer Positionen - wäre da nicht Lewandowski. Der Führungstreffer gegen Dortmund war bereits das 15. Saisontor des Polen, wohlgemerkt nach nur elf Spielen. Das ist ebenso Rekord wie der Fakt, dass Lewandowski in jedem der ersten elf Saisonspiele getroffen hat. Was heißt "Phänomen" eigentlich auf Polnisch? Der Google-Übersetzer sagt: "zjawisko".

Zweite Hälfte: Nur 0:1, werden sich die Dortmunder während der Pause in der Kabine gedacht haben. Das sieht doch gar nicht so schlecht aus. Auch der Treffer von Gnabry wird diesem mutmaßlichen Optimismus keinen Abbruch getan haben. Das 16. Saisontor von Lewandowski und Hummels' Eigentor dann schon.

Philipp Guelland/EPA-EFE/REX

Virtuos am Ball und vor dem Tor: Robert Lewandowski

Lewandowski II: Angesichts der aberwitzigen Statistiken Lewandowskis darf man eines nicht tun: ihn auf seine Tore reduzieren. Lewandowski ist technisch herausragend, gewinnt im Pressing und Gegenpressing viele Bälle selbst und setzt zudem seine Mitspieler in Szene. Diese individuelle Klasse ist eine der größten Stärken der Bayern, aber auch eines der größten Probleme: "Eine Achse, die nur aus Neuer und Lewandowski besteht, ist zu wenig", sagte Lewandowski selbst der "Süddeutschen Zeitung". Diese Aussage könnte man auf den ersten Blick arrogant nennen, auf den zweiten Blick aber kann man dem kaum widersprechen. Spieler wie Gnabry oder Joshua Kimmich dürften sich jedoch ihren Teil dazu gedacht haben.

Ciao, Uli! Nach fast 50 Jahren beim FC Bayern verzichtet Präsident Uli Hoeneß bei der Jahreshauptversammlung am kommenden Freitag auf seine Kandidatur und scheidet aus seinem Amt aus. Der hohe Sieg gegen Dortmund wird - vorerst - sein letztes Spiel in offizieller Position gewesen sein. Genug Kitsch, um es bis ans Ende dieses Artikels zu schaffen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels stand, dass Thomas Müller gegen Borussia Dortmund sein 500. Pflichtspiel für Bayern München absolvierte. Tatsächlich wurde er nur für dieses Jubiläum ausgezeichnet, das er bereits am vergangenen Wochenende in Frankfurt feierte.

insgesamt 83 Beiträge
lungervogel 09.11.2019
1. BVB und Sexismus
Weil der BVB Männerfußball spielt, gibt es eben auch keine Frauen-Profi-Mannschaft. Das sagt alles.
Weil der BVB Männerfußball spielt, gibt es eben auch keine Frauen-Profi-Mannschaft. Das sagt alles.
odafo 09.11.2019
2. Hintermannschaft??
Ich weis nicht, wie häufig ich in den letzten Monaten Watzke und Co. und dem Trainer geraten habe: Hinten werden die Spiele gewonnen. Diese vielen Gegentore sind zermürbend und niemand sieht genau hin. Wo sind die Experten, die [...]
Ich weis nicht, wie häufig ich in den letzten Monaten Watzke und Co. und dem Trainer geraten habe: Hinten werden die Spiele gewonnen. Diese vielen Gegentore sind zermürbend und niemand sieht genau hin. Wo sind die Experten, die Millionen verdienen(bekommen). Die Hintermannschaft muss völlig neu aufgestellt werden - mit Hummels. Ansonsten nur neue Leute. Mal sehen, ob die Dortmunder so weiter machen; dann gehts abwärts in der Tabelle.
retterdernation 09.11.2019
3. Mourinho ...
ist nicht nur die zentrale Überschrift - sondern die mutmaßliche Lösung für den BVB. Ein Trainer der sich nicht reinreden lässt. Ein Stratege. Ein harter Hund. Bei dem sich die Spieler beweisen müssen. Ein Mann - der [...]
ist nicht nur die zentrale Überschrift - sondern die mutmaßliche Lösung für den BVB. Ein Trainer der sich nicht reinreden lässt. Ein Stratege. Ein harter Hund. Bei dem sich die Spieler beweisen müssen. Ein Mann - der gnadenlos aussortieren wird. In Verhandlung steht man offenbar schon seit einiger Zeit. Wenn auch unverbindlich. Es dürfte also nur noch eine Frage der Zeit sein, wann der Portugiese kommt.
Drunken Masta 09.11.2019
4. Sky Ticket
Joa nix ging bei Sky Ticket. Auch während der Halbzeit nochmal versucht. Interessanterweise konnte ich Serien starten, während man mir beim Versuch das Topspiel zu schauen ab der Halbzeit erzählte es gäbe Netzwerkprobleme, [...]
Joa nix ging bei Sky Ticket. Auch während der Halbzeit nochmal versucht. Interessanterweise konnte ich Serien starten, während man mir beim Versuch das Topspiel zu schauen ab der Halbzeit erzählte es gäbe Netzwerkprobleme, ich sollte meine Netzwerkverbindung prüfen. Erste Halbzeit war nichtmal einloggen möglich. Reife Leistung mal wieder für die Kohle, die da verlangt wird. Hab mir das Spiel also auf Englisch angeschaut. Kommentar hat da ohnehin weniger Fremdschämpotenzial. Sky Ticket natürlich umgehend wieder gekündigt. Keine Leistung, kein Geld.
michidharky 09.11.2019
5.
Wenn also jemand "Männerfußball" fordert ist das also jetzt sexistisch? Wahnsinn wohin uns dieser Genderkram bringt. Soll Zorc sagen, dass er hofft dass seine Mannschaft wie Prinzessinen spielt? Männerfußball ist ein [...]
Wenn also jemand "Männerfußball" fordert ist das also jetzt sexistisch? Wahnsinn wohin uns dieser Genderkram bringt. Soll Zorc sagen, dass er hofft dass seine Mannschaft wie Prinzessinen spielt? Männerfußball ist ein Männersport mit dementsprechenden Äußerungen, Ritualen und Traditionen, Sems nicht passt kann sich doch Frauenfußball anschauen. Nicht weniger spannend aber garantiert Machofrei.

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